Prozess

Cannabis ins Feld geworfen: Gericht verurteilt Mann (30) wegen Drogenhandel

+
Prozess wegen Drogenhandels

Zu 14 Monate auf Bewährung verurteilte das Offenbacher Schöffengericht einen 30-jährigen Dietzenbacher.

Dietzenbach – Dem Mann – er habe sich bei Kontrollen am Rande des Spessartviertels immer gut benommen laut Polizei – wurde Drogenhandel vorgeworfen, woran Richter Manfred Beck und die zwei Schöffen keine Zweifel hatten.

Der Dietzenbacher, dem Oberstaatsanwalt Alexander Homm vorwirft, 68 Gramm Haschisch mit einem THC-Gehalt von knapp 15 Prozent verkauft haben zu wollen, wartet schon eine halbe Stunde vor Prozessbeginn vor dem Gerichtssaal. Über ihn wird später ein Dietzenbacher Polizist konstatieren, „bei Kontrollen verhält er sich immer stressfrei“.

Dietzenbach: Erhöhtes Risiko, dass Angeklagte nicht erscheinen

Bei Angeklagten, die bei der Staatsanwaltschaft in Verdacht gerieten, als mehr oder weniger kleine Fische im Drogenmetier zu agieren, besteht immer ein erhöhtes Risiko, dass sie zum Gerichtstermin nicht auftauchen. Wenn die Polizei jemanden dann noch bringt, bekommen die Prozessbeteiligten für die Abwesenheit diverse Gründe zu hören: „Wecker kaputt“, „mir war schlecht“ und „ich wusste von nichts“ liegen bei den Erklärungen vorne. „Ich musste noch zum Friseur“, fand auch schon Erwähnung.

Der 30-jährige Angeklagte sei bilde daher eher eine Ausnahme, betonte der Beamte. Er sei zudem seit dem letzten Vorfall nicht mehr aufgefallen. „Ich habe aus meinen Fehlern gelernt“, kommentiert der Angeklagte den Hinweis des Polizisten.

Beim aktuellen Straffall beschuldigt Oberstaatsanwalt Homm den Dietzenbacher, am 8. Oktober 2018 am Wertheimer Weg während einer kleinen Razzia ein Stück Cannabis von 68 Gramm Gewicht ins Feld geworfen zu haben. Das meinte ein Ermittler gesehen zu haben, der im Anschluss einen Beutel Haschisch fand. Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte bestreitet, der Besitzer der Drogen gewesen zu sein, „die Polizei sucht immer nur ein Opfer“.

Dietzenbach: Beamte finden Feinwaagen

So ganz deckt sich dessen Statement mit der weiteren Recherche nicht. Anschließend fanden die Beamten in der Wohnung des Angeklagten neben einer geringen Menge Haschisch auch Feinwaagen, typisches Zubehör für Kleindealer. Das erklärt der Dietzenbacher damit, als Konsument „lässt sich niemand gerne beim Kauf bescheißen“.

Die Biografie des Angeklagten hört sich triste an. Eine Ausbildung brach er ab. Mit familiären Kontakten sehe es dünn aus. Auf Richter Becks Nachfrage nach einem Beschäftigungsverhältnis antwortet der 30-Jährige im behördlichen Euphemismus für Dauerarbeitslosigkeit: „Ich bin arbeitssuchend.“

Seit drei Jahren lebt der Mann von Hartz IV. Seinen Rechtsanwalt kontaktierte er, wie Richter Beck auf Nachfrage erfährt, erst am Abend des Vortags. Von der Pflichtverteidigung Ulf Köpers wusste er aber schon seit Monaten.

Der Prozess braucht einen zweiten Verhandlungstag. Der Polizist, der den Wurf des Haschischs in die Walachei beobachtete, befand sich beim ersten Termin in Urlaub. Anwalt Köper bestand darauf, den Mann im Zeugenstand zu befragen.

Dietzenbach: Staatsanwalt fordert 16 Monate

Der Beamte berichtet dann, den Angeklagten ganz sicher gesehen zu haben, wie er nicht nur eine, sondern zwei Sachen wegwarf. Im Zielbereich habe er neben dem Beutel mit Drogen auch eine Feinwaage gefunden.

Oberstaatsanwalt Alexander Homm fordert wegen Drogenhandel 16 Monate Gefängnishaft, zur Bewährung ausgesetzt. Anwalt Köper argumentiert, zur besagten Zeit nach 19 Uhr sei es am 8. Oktober schon dämmrig gewesen. Es könne deshalb sein, dass sein Mandant etwas anderes weggeworfen und der Polizist an der falschen Stelle gesucht habe. Wegen der Zweifel plädiert der Verteidiger auf Freispruch.

An so viele Zufälle wollen Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen nicht glauben. Sie verhängen 14 Monate Haft auf Bewährung und 200 Arbeitsstunden.

VON STEFAN MANGOLD

Seit letzten Sonntag hängt der„Strafzettelautomat“ an der Darmstädter Straße in Dietzenbach.  Bei einem Unfall in Dietzenbach ist ein Mädchen auf dem Fahrrad verletzt worden. Sie musste ins Krankenhaus.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare