Dietzenbach

Abschluss mit Abstand in Dietzenbach

Rückkehr an die Schule: Zwar läuft seit gestern der Unterricht für die Abschlussklassen wieder, von Normalität ist der neue Alltag aber noch weit entfernt. Die Dietzenbacher Ernst-Reuter-Schüler gehen darum auch auf dem Schulhof auf Abstand. Foto: Schmedemann
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Rückkehr an die Schule: Zwar läuft seit Montag der Unterricht für die Abschlussklassen wieder, von Normalität ist der neue Alltag aber noch weit entfernt. Die Dietzenbacher Ernst-Reuter-Schüler gehen darum auch auf dem Schulhof auf Abstand.

Im Gänsemarsch und das Gesicht hinter der Mundschutzmaske verborgen, folgen die Schüler der Abschlussklassen ihrem Lehrer in den Unterricht.

Dietzenbach – Gelbe Markierungen auf dem Hof der Ernst-Reuter-Schule (ERS) erinnern an den Mindestabstand, den die Absolventen einhalten müssen. Dort, wo sich sonst 1200 Schüler aufhalten, verteilen sich gestern rund 75 Jugendliche mit ausreichendem Abstand zueinander.

Der Unterricht findet nun schichtweise statt. Die Jugendlichen können nicht mehr im Klassenverband lernen, sondern sind in Gruppen aufgeteilt, deren Größe die Anzahl von 15 Personen nicht überschreiten soll. ERS-Leiter Georg Köhler hat die Zahl sogar auf acht Schüler reduziert. Durch diese Regelung können in den 17 Klassenräumen der Schule derzeit nur sechs Gruppen unterrichtet werden. „Es ist gut und richtig, dass die Abschlussklassen noch einmal die Chance haben, ihren Stoff für die Prüfung aufzuarbeiten“, findet Köhler. Wo er allerdings weitere Schüler unterbringen sollte, wenn auch andere Jahrgänge in den Unterricht zurückkehren können, weiß er nicht. Vor dem Unterricht sind die Jugendlichen über die Hygieneregeln aufgeklärt worden. Der Schulleiter betont: „Wer sich nicht daran hält, nimmt eben nicht am Unterricht teil.“

Der Prüfungsstoff bleibt derselbe, der er auch ohne Pandemie gewesen wäre. „Die Prüfungen werden ja zwei Jahre im Voraus erstellt“, informiert Köhler. Die 17-jährige Nevin meint: „Auf der einen Seite ist es gut, aber auf der anderen Seite mache ich mir auch Gedanken um meine Eltern, weil sie zur Risikogruppe gehören.“ Auch die Zeit nach dem Abschluss ist ungewiss. „Ich habe mich zwar für eine Ausbildung beworben, aber da bekomme ich erst nach der Corona-Zeit eine Antwort“, berichtet sie. Wann auch immer das sein mag. Besonders ärgerlich ist für Nevin, Oumaima und Sara, dass der geplante Abschlussball des Realschulzweiges nicht stattfinden kann. „Wir drei haben alles schon geplant und es war von Herrn Köhler abgesegnet“, sagt Sara. Es wäre der erste Schulball an der ERS gewesen. „Alles umsonst“, resümiert die Sechzehnjährige schulterzuckend. „Wir hatten schon das Pech, dass unsere Lehrerin ausgefallen ist – wir hatten im zweiten Halbjahr keinen Matheunterricht“, erzählt Oumaima. Dennoch sind die Mädchen zuversichtlich.

Die zwölfte Klasse der Rudolf-Steiner-Schule (RSS) muss andere Dinge organisatorisch bewältigen. Der Jahrgang ist mit 30 Schülern, die in zwei Gruppen eingeteilt sind, zwar relativ klein, doch das Einzugsgebiet umso größer. Manche Schüler kommen aus Aschaffenburg und damit aus einem anderen Bundesland. „Für diese Schüler haben wir einen Passierschein ausgestellt“, erzählt Einrichtungsleiterin Anna-Maria Kraus. Weil auch viele hessische Schüler mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und damit von der Maskenpflicht betroffen sind, hat sie den Jugendlichen Nähanleitungen für Alltagsmasken nach Hause geschickt. „So haben wir zumindest ein bisschen Kontakt gehalten“, meint Kraus.

Der Unterricht in der Heinrich-Mann-Schule (HMS) startet erst heute. Den gestrigen Tag haben die Lehrer genutzt, um mit den Schülern ins Gespräch zu gehen. „Die Hygieneregeln haben wir auch als neuen Passus in die Schulordnung aufgenommen“, berichtet Schulleiter Hans-Peter Löw. Doch sei man sich vor allem zunächst auf menschlicher Ebene begegnet. „Nach der langen Zeit liegt den Schülern viel auf dem Herzen“, so der Schulleiter. Darüber hinaus gibt es einige Schüler, die in einem Haushalt mit Menschen aus der Risikogruppe leben. Denen werde der Zugang zum digitalen Lernen weiterhin ermöglicht. „Dennoch haben wir ein paar Schüler, die zu Hause keinen richtigen Zugang zu digitalem Unterricht haben“, bedauert Löw. Aus diesem Grund ist die Schule derzeit auf der Suche nach Tablets, die man entsprechenden Familien zur Verfügung stellen könnte. Spenden seien willkommen. „Ich befürchte, dass wir vor den Sommerferien die übrigen Jahrgänge nicht mehr zu Gesicht bekommen“, sagt Löw. Dennoch sei die Chancengleichheit wichtig.

VON LISA SCHMEDEMANN

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