Ärger, Verspätungen und Ausfälle

Pendler auf dem Abstellgleis: Linie S2 sorgt für Dauerärger - das sagen Bahn und RMV 

Keine Selbstverständlichkeit: Eine Linie der S2 verlässt pünktlich den Dietzenbacher Bahnhof auf dem Weg nach Niedernhausen. Immer wieder kommt es allerdings zu Ausfällen und Verspätungen. Foto: WACHTER
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Keine Selbstverständlichkeit: Eine Linie der S2 verlässt pünktlich den Dietzenbacher Bahnhof auf dem Weg nach Niedernhausen. Immer wieder kommt es allerdings zu Ausfällen und Verspätungen.

Die S-Bahn Linie S2 macht den Pendlern regelmäßig Ärger, Verspätungen und Ausfälle sind an der Tagesordnung. Jetzt äußern sich der RMV und die Deutsche Bahn zu den Vorwürfen.

Dietzenbach – Beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gibt’s offenkundig viel zu tun in diesen Tagen, Fahrplanwechsel, die Eröffnung der S-Bahn-Haltestelle „Gateway Gardens“ et cetera. In Gänze auf ein die Zuverlässigkeit der S-Bahn betreffendes Fragenpaket eingehen konnte man jedenfalls nicht. Ein Interview sei aus „zeitlichen Gründen“ leider nicht möglich, hieß es, und so manche Frage bei der Deutschen Bahn ohnehin besser aufgehoben.

Zeitliche Gründe sind es auch, die manch einen S2-Pendler bei der Feierabendplanung regelmäßig zum Umdisponieren zwingen. Nun gebietet es sicherlich alleine der Anstand, Verständnis dafür zu haben, wenn es wie Montagabend (16.12.) zu Ausfällen oder Verspätungen wegen Notarzteinsätzen kommt. Dass es bei der Vielzahl an Ausfällen und Verspätungen auch in jüngerer Vergangenheit immer noch schwer ist, herauszufinden, mit wie viel Verzögerung man sein Ziel erreichen wird, das ist schon schwerer nachvollziehbar. Denn ob über die RMV-Homepage, -App, -Hotline oder die Anzeigetafel: Was angezeigt und angesagt wird, hat mit den tatsächlich eintreffenden Zügen der S2 teils wenig zu tun.

S-Bahnlinie S2: Probleme an der Tagesordnung

Gerade bei sehr umfassenden Störungen komme es vor, heißt es seitens des RMV, „dass die Disponenten prioritär mit der Aufrechterhaltung beziehungsweise Wiederherstellung des Betriebsablaufs beschäftigt sind und Angaben wie der Ausfall einer Fahrt nicht in die Systeme eingespielt wird“. Die Deutsche Bahn arbeite aber deutschlandweit an einer Verbesserung. Eine Bahn-Sprecherin ergänzt das auf Anfrage wie folgt: „Ganz konkret werden wir einen zentralen Datentopf für alle Kommunikationskanäle schaffen, sodass wir eine konsistente Fahrgastinformation über alle Kanäle erreichen. Diese neue Reisendeninformations-Plattform (IRIS+) soll im nächsten Jahr eingeführt werden.“ Das klingt zumindest etwas mehr nach digitalem Zeitalter als der Status quo. Manchmal, sagt die Bahn-Sprecherin, wisse man selbst nicht gleich, wie’s weitergeht, bis Daten vom einen System ins andere und dann noch zum RMV übermittelt werden, das dauere seine Zeit. „Wir haben keine Echtzeit-Weitergabe, es sitzen immer Menschen da, die das bearbeiten.“

S2: Es gibt viele Ursachen für die Störungen

Zufrieden mit den Leistungen der S2 sei man nicht, allerdings gebe auch nicht nur eine Ursache für die vielen Störungen. „Was uns zu schaffen macht, sind die Bauarbeiten zur Modernisierung und einem barrierefreien Umbau des Bahnhofs Niedernhausen, aufgrund derer weniger Strecken- und Bahnsteigkapazitäten zur Verfügung stehen.“ Ebenso gebe es aber immer wieder Störungen an Weichen oder Signalen, genauso wie auch externe Einflüsse wie Bäume oder Personen im Gleis oder Notarzteinsätze, die den Betrieb der S2 beeinträchtigen. „Außerdem ist die S2 leider aufgrund des engen Fahrplans ohne Erholungsmöglichkeiten besonders empfindlich.“

Von der Haltung der Bahn zum Prinzip Schienenersatzverkehr dürfte indes vielleicht noch nicht jeder Dietzenbacher etwas mitbekommen haben. Der werde immer dann eingerichtet, wenn es möglich und zeitlich sinnvoll sei. „Wenn sich herausstellt, dass eine Störung länger dauert, versuchen die Kollegen immer umgehend einen Ersatzverkehr einzurichten. Bis dieser vor Ort ist, dauert es jedoch oft eine Weile.“

Ekel-Alarm in der S-Bahn: In der S2 bei Offenbach sitzen die Fahrgäste stundenlang fest - 1. Klasse wird zur Toilette.

S2: Teilausfälle sollen Verspätungen aufholen

Laut einer RMV-Sprecherin seien in diesem Jahr 89,2 Prozent aller Züge der S2 pünktlich gefahren. „Pünktlich“, das bedeutet nach dieser Definition eine Verspätung von weniger als sechs Minuten. „Obwohl nahezu neun von zehn Verbindungen im Jahresschnitt pünktlich gefahren sind, macht diese Quote die S2 zu dritt-unpünktlichsten S-Bahn-Linie im RMV-Gebiet, was für den RMV keinesfalls zufriedenstellend ist.“ Rückfragen, seit wann eine Bahn mit knapp sechs Minuten Verspätung schon als pünktlich gilt und wie jene Züge, die als pünktlich gemeldet werden, es aber nicht sind, in diese Statistik einfließen, blieben bis Dienstagabend unbeantwortet. Dass es oft zu Teilausfällen kommt, erklärt man beim RMV wie folgt: „Wenn hohe Verspätungen aufgelaufen sind, kommt es nach Dispositionsentscheidungen der Deutschen Bahn teilweise zu vorzeitigen Wenden, um die Verspätungen wieder aufzuholen und den Fahrplan zu stabilisieren.“

S2: RMV empfiehlt trotzdem ÖPNV als Alternative zum Auto

Bedenken, dass die S2 für jemanden, der pünktlich bei der Arbeit sein muss, nur begrenzt eine Alternative sein könnte, hat man beim RMV eher weniger: „Nichtsdestotrotz ist der ÖPNV insbesondere auf Direktverbindungen angesichts überlasteter Straßen eine attraktive Alternative zum Auto. Wenn ein Arbeitnehmer zur Hauptverkehrszeit ins Auto steigt und einen wichtigen Termin wahrnehmen muss, muss er ebenso mehr Fahrzeit einplanen, um trotz etwaiger Staus pünktlich anzukommen.“

VON CHRISTIAN WACHTER

Immer wieder die S2. Die Beschwerdeliste über die – auf dem Papier – schnellste Verbindung Dietzenbachs mit Frankfurt ist groß. 

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