Hausverwaltung Rosenpark ist passé

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Stadtwerke und die Firma Vegis entscheiden sich für eine Auflösung. Fünf Hochhäuser, 1019 Wohnungen, mehr als 600 Eigentümer: das Spessartviertel in Dietzenbach.

Dietzenbach - Die Stadtwerke und die Firma Vegis entscheiden sich für eine Auflösung. Von Nina Beck 

Keine Frage, sie hatten sich einen anderen Ausgang der Verwalterwahlen im Spessartviertel erhofft, die Gründer der Hausverwaltungsgesellschaft Rosenpark mbH. Doch bei der Eigentümerversammlung im November 2011 hatte nicht die öffentlich-private Partnerschaft zwischen Stadtwerken (zu 70 Prozent beteiligt) und dem Minderheitsgesellschafter Vegis Immobilien die Nase vorn, sondern die Firma Abendschein und Hetschold. Eine Wahl, die gerade erst Ende 2013 letztinstanzlich vom Landgericht Frankfurt als nicht rechtsgültig beschieden wurde.

„Nach der Wahl haben wir uns erstmal zurückgezogen“, sagte Stadtwerke-Chef Christian Locke gestern auf Anfrage. „Schließlich waren Klagen anhängig, wir wollten die Urteile abwarten.“ Ein im Frühjahr von Eigentümern angeregtes Minderheitsbegehren blieb wirkungslos, weil die umstrittene Hausverwaltung in Berufung ging – die Verhandlung ist erst für April dieses Jahres terminiert. Ende August 2013 schließlich ließ sich Abendschein und Hetschold in einer weiteren Versammlung bis Ende 2015 im Amt bestätigen. Auch dagegen läuft derzeit eine Klage.

„Schulden gibt es keine“

Die Hausverwaltungsgesellschaft Rosenpark existierte in all der Zeit ohne jeglichen Umsatz weiter. Nun allerdings ist das eingebrachte Eigenkapital in Höhe von 25.000 Euro aufgebraucht; in diesem Jahr, erläuterte Locke, wäre die Gesellschaft zahlungsunfähig geworden. Da es weder für den Aufsichtsrat der Stadtwerke noch für die Gesellschafter infrage kam, noch einmal Eigenkapital nachzuschießen, fiel der Beschluss, die Gesellschaft zu liquidieren, so Locke.

„Sie hat ihre wirtschaftliche Betätigung eingestellt, Schulden gibt es keine, und außer Gerichts- und Notariatsgebühren für die Auflösung und Beurkundung werden auch keine Kosten mehr anfallen.“ Binnen eines Jahres – so lange dauert eine Liquidation in der Regel – wird die Städtische Hausverwaltungsgesellschaft Rosenpark aufgelöst sein. Ob es in näherer Zukunft einen weiteren Versuch in Richtung wirtschaftlicher Beteiligung der Stadtwerke an einer Hausverwaltungsgesellschaft geben könnte? Locke sieht das skeptisch: „Das ginge nur über den politischen Willen.“

„Krankhafter Wahn“

Indes wird der Kampf zwischen der amtierenden Hausverwaltung auf der einen und etlichen Eigentümern im Spessartviertel auf der anderen Seite mit harten Bandagen weitergeführt. Erstere etwa hatte zum Jahresbeginn mit einem Rundschreiben in der Wohnanlage nicht nur Neujahrswünsche übermittelt, Bankformalitäten (SEPA) erläutert und „erfreuliche Nachrichten“ mitgeteilt – etwa, dass der Wert der Wohnungen „massiv gestiegen“ sei und „kontinuierlich Brandschutzauflagen erfüllt“ würden. Zwar ohne sie namentlich zu nennen, für Eingeweihte jedoch mühelos erkennbar, verglich der Geschäftsführer darin auch explizit vier Eigentümer mit einem „Krebsgeschwür“ und bezeichnete das Engagement eines von ihnen als „krankhaften Wahn“.

Angehängt an dieses Schreiben war zudem ein Formular, in dem die Wohnungsbesitzer bisher erteilte Vollmachten widerrufen und stattdessen eine Dauervollmacht an die amtierende Hausverwaltung unterzeichnen sollten. Bekanntlich ist die Anzahl der Vollmachten entscheidend bei den Abstimmungen der Erbbauberechtigtenversammlungen.

Spessartviertel: Wohnblöcke ohne Namen

Spessartviertel: Wohnblöcke ohne Namen

Anfang dieser Woche nun hat ein Eigentümer federführend erneut ein Minderheitsbegehren aufgestellt, das seiner Auskunft nach 122 Wohnungsbesitzer, darunter auch die Wohnungsgesellschaft Dietzenbach, unterzeichnet haben. Die amtierende Hausverwaltung wird darin „zur sofortigen Einladung einer außerordentlichen beschlussfähigen Erbbauberechtigtenversammlung“ aufgefordert. Punkt zwei jener Tagesordnung sieht die Aufhebung der Beschlüsse der Verwalterwahl vom 31. August 2013, vor – also der Bestätigung im Amt, ohne dass es weitere Kandidaten gegeben hätte.

Allerdings hat die Hausverwaltung ihrerseits reagiert und die einzelnen Unterzeichner angeschrieben – ein Widerrufsformular zum Minderheitsbegehren gleich beigefügt. Bereits 2013, so lautet deren Argumentation, habe jener Eigentümer erfolglos ein Minderheitsbegehren auf den Weg gebracht. Sollte dies wieder passieren, kämen anteilig Klagekosten auf die Eigentümer zu. Die Gegenseite allerdings erinnert daran, dass es Abendschein und Hetschold gewesen waren, die damals in erster Instanz verloren hatten und in Berufung gegangen waren.

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