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Dietzenbach: Horror-Nacht im Spessartviertel - „Wer Steine wirft, gehört abgeschoben“

In Dietzenbach fliegen Steine und Flaschen durch die Luft, Scheiben zerbersten - die Polizei muss sich im Spessartviertel gegen mehrere Dutzend Angreifer verteidigen. Szenen vom späten Abend des 18. Juli 2005. Auslöser damals: eine schnöde Fahrzeugkontrolle.

Dietzenbach - Alles begann gegen 23.30 Uhr, als zwei Streifen in der Hochhaussiedlung die drei Insassen eines Autos überprüften. Dabei entdeckten sie einen „durchaus polizeibekannten jungen Türken“, wie unsere Zeitung später berichtete. 

Als die Beamten dem jungen Mann Handschellen anlegten und ihn hinüber zu ihrem Auto führten, um ihn mit auf die Polizeiwache zu nehmen, eskalierte die Situation plötzlich.

Angriff im Spessartviertel Dietzenbach: Mob schmeißt Fels auf Streifenwagen

Rund 80 Anwohner, „darunter offenbar viele junge Leute“, wie es in der Ausgabe der Offenbach-Post vom 20. Juli 2005 heißt, versuchten daraufhin, die Festnahme zu verhindern. Sie bewarfen die Streifenwagen mit Steinen und Flaschen, ein Fels flog sogar von der nahe gelegenen S-Bahn-Überführung auf eines der Polizeifahrzeuge und zerstörte die Frontscheibe. 

Im Polizeibericht zur turbulenten Nacht heißt es recht nüchtern, etwa 80 Anwohner hätten „lautstark ihre Missbilligung über die vorläufige Festnahme des in Offenbach geborenen jungen Türken zum Ausdruck gebracht“.

Spessartviertel Dietzenbach: Polizeibeamten fordern Verstärkung

Die Beamten forderten Verstärkung an, insgesamt kamen zwölf Streifenwagen in den Wertheimer Weg, um die Situation zu befrieden. Auch damals blieben die Polizisten wie durch ein Wunder unverletzt. „Blessuren trugen nur Streifenwagen davon“, schrieb unsere Zeitung. Im Polizeibericht war von „Lackschäden“ die Rede.

Der Vorfall fachte seinerzeit die Diskussionen über das „Auffangbecken für Ausgestoßene, Aussiedler und Ausländer“, wie der „Spiegel“ das Spessartviertel einst getauft hatte, neu an. „Wir sind auf einem Niveau angekommen, bei dem in voller Härte durchgegriffen werden muss“, kommentierte der damalige Dietzenbacher Bürgermeister Stephan Gieseler (CDU) den Vorfall. Zwei Jahre zuvor waren im Spessartviertel in der Silvesternacht Feuerwehrleute angegriffen, in einem anderen Fall Polizeiwagen mit Feuerlöschern beworfen worden.

Spessartviertel Dietzenbach: "Wir werden keinen rechtsfreien Raum dulden"

Der damalige Polizeipräsident Heinrich Bernhardt kündigte im Sommer 2005 Konsequenzen an: „Die Eskapaden Einzelner werden wir nicht tolerieren. Wir werden keinen rechtsfreien Raum dulden und alle Schritte unternehmen, um die Täter aus der Anonymität zu holen.“

Auch Bürgermeister Gieseler ließ sich zu einer Aussage hinreißen, die er so heute wohl nicht mehr treffen würde: „Zumindest bei diesen jungen Leuten mit in aller Regel türkischer Herkunft haben keine sozialen Maßnahmen gegriffen“, wetterte das Stadtoberhaupt. „Wer Steine auf Polizeibeamte wirft, gehört abgeschoben. Diese Leute haben es nicht verdient, in Dietzenbach zu leben.“ msc

"Das war einfach schrecklich“, erzählt ein Bewohner des Spessartviertels in Dietzenbach nach der Straßenschlacht.

Rubriklistenbild: © Frank May / dpa

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