Tee und Origami statt Lagerfeuer

Dietzenbacher Steinbock-Pfadfinder toben in der Natur

Mit Origami, der japanischen Papierfaltkunst, befassen sich die Pfadfinder aus Steinberg als Ersatz für eine Reise in den hohen Norden.
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Mit Origami, der japanischen Papierfaltkunst, befassen sich die Pfadfinder aus Steinberg als Ersatz für eine Reise in den hohen Norden.

Wer Dietzenbach hört, denkt nicht zuerst an Wälder, Wiesen und Natur. Dabei ist mehr als ein Drittel der Gemarkungsfläche bewaldet. Und auch darüber hinaus ist die Kreisstadt grüner, als man glaubt. Wir schauen uns in der Natur um, sprechen mit Menschen, die sich für deren Schutz einsetzen und nehmen einschlägige Projekte unter die Lupe.

Dietzenbach – Eine duftende Packung Tee, bunte Papierbögen und einige Säckchen Erde: Der Stamm Steinbock hat ein Carepaket aus dem hohen Norden erhalten. Eigentlich hätten sich die 22 Steinberger Pfadfinder Anfang des Monats mit anderen Stämmen der „Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands“ (CPD) zum „Bundesfeuer“ getroffen. Doch das musste ausfallen. Zu diesem Event reisen die verschiedenen Gaue und Bünde zum Gemeinschaftsplatz nach Birkenfels und von Jahr zu Jahr übernimmt eine andere Gruppe die Organisation und Programmplanung. Die Landesmark „Achter’n Diek“, plattdeutsch für „hinterm Deich“, hat als Ersatz Pakete mit Bastelanleitungen für Origami und Samenbomben inklusive Material geschickt. Ein schöner Zeitvertreib für Herbstnachmittage. Coronabedingt sind die Kinder zurzeit in zwei Gruppen aufgeteilt und sehen sich entsprechend nur alle zwei Wochen. Das rüttelt jedoch nicht an deren Motivation, gemeinsam Projekte in ihrer „Sippe“ anzugehen.

Die „Meute“ versucht sich an Kranich, Schmetterling und Co., die Stammesführerin Kira Hausmann vorfaltet. Zur Meute zählen Kinder im Grundschulalter: Von elf bis 13 Jahren gehören sie zu den „Dachsen“. Während ihrer Laufbahn bleiben die Kinder zusammen in der Sippe, also einer festen Gruppe, in der sie lernen, Verantwortung zu übernehmen. Nach der Dachszeit können sie selbst zum Gruppenleiter werden. Jule Berens, ebenfalls Stammesführerin, erläutert: „Diese Verantwortung für sich und andere basiert auf dem Gedanken von Robert Boden-Powell, dem Gründer der Pfadfinderbewegung.“ Die Lehramtsstudentin ist außerdem von dem Konzept überzeugt, die Kinder „einfach mal machen“ zu lassen, ohne unter Beobachtung zu stehen. „Natürlich leiten wir sie an, aber es geht viel darum, dass sie Dinge lernen, indem sie es ausprobieren“, führt die 21-Jährige aus.

Das großzügige Gelände in der Limesstraße 4 – neben dem Haus des Lebens – bietet alles, was junge Pfadfinder brauchen: Platz zum Toben, Kirschbäume zum Klettern und eine Stelle zum „Zündeln“. „Ein Lagerfeuer zu entzünden, ist eine der ersten Prüfungen, die ein Pfadfinder ablegen muss“, sagt Kira Hausmann. „Und das Holzhacken macht richtig Spaß“, ergänzt der neunjährige Robin. Verschiedene Knoten und das Wissen, eine Jurte aufzubauen, stellen weitere Lehreinheiten dar. „Je höher der Stand, desto christlicher wird es“, sagt Jule Berens und weist damit den Ursprung der Pfadfinder hin. Zum Zelten geht es meist auf einen der Plätze, die im CPD zur Verfügung stehen.

Insgesamt gibt es im Stamm Steinbock, der zum Gau Burgund zählt, fünf Stände. Als Meute und Dachs ist jedes Kind willkommen, es gibt derzeit sogar eine Warteliste. Darin spiegelt sich ein weiterer Gedanke Boden-Powells wider: Jeder Pfadfinder trägt die gleiche Kluft. Ein graues Hemd, das mit den Jahren „Erinnerungen“ sammelt, etwa in Form von Farbklecksen, Abzeichen oder Nadeln. Je nach Status wird es um ein farbiges Halstuch ergänzt. Aber: Ordentlich muss es sein. „Das Hemd muss in der Hose stecken und die Knöpfe müssen zu sein – sonst werden sie abgerissen“, berichtet die neunjährige Hannah und schaut verschmitzt in Richtung Stammesführerinnen. Ob sie selbst schon einmal einen Knopf verloren hat, verschweigt sie grinsend. (Von Lisa Schmedemann)

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