Frohe Botschaft und gute Taten

Sternsinger sind in Dietzenbach unterwegs und sammeln Geld für Kinder

Dem Rathaus statteten die Sternsinger geschlossen einen Besuch ab. Den Segen C+M+B – Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus) brachten sie später ob der Materialbeschaffenheit mit einem Aufkleber und nicht mit Kreide an der Tür an. Fotos: WAC
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Dem Rathaus statteten die Sternsinger geschlossen einen Besuch ab. Den Segen C+M+B – Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus) brachten sie später ob der Materialbeschaffenheit mit einem Aufkleber und nicht mit Kreide an der Tür an.

Irgendwann ist man auch königlichen Gewändern entwachsen. Alexandra Graf, 17 Jahre alt, ist die einzige der Gruppe, die in Zivil unterwegs ist – und die jüngeren Hoheiten um sie herum beaufsichtigt.

Dietzenbach –  Sechs Jahre lang war Alexandra Graf selbst bei den Sternsingern dabei, seit zwei Jahren hilft sie als Betreuerin mit. „Verantwortung zu übernehmen, das macht auch Spaß“, sagt sie. Auch wenn es herausfordernd sei. „Aber du magst doch Slytherin, also magst du auch Herausforderungen“, fügt die zwölfjährige Lea an, und macht mit der Harry-Potter-Referenz deutlich, dass natürlich auch der Spaß zwischen dem wohltätigen Singen nicht zu kurz kommen soll.

Gleich darauf kommt ein Mann auf die morgenländische Delegation am Wappenkreisel zu. Ob die Sternsinger nicht auch bei ihm und seiner Frau vorbeischauen könnten, möchte er wissen. Kein Problem, meint Graf, für sein Wohngebiet sei aber eine andere Gruppe zuständig, gegen 14 Uhr könnten sie mit einem Besuch rechnen. Dass sie angesprochen werden, und so noch einige mehr zu der rund 150 Haushalte umfassenden Liste hinzufügen können, komme durchaus häufig vor, erzählt Graf. Manche spenden auch einfach so, stecken einen Schein in die Schatulle und verabschieden sich wieder.

Am Morgen hatte für die verschiedenen Gruppen schon der Empfang im Rathaus angestanden. Er freue sich, dass das Gebäude gesegnet wird, betonte Erster Stadtrat Dieter Lang bei der Begrüßung. Die unter anderem aus der Politik und der Verwaltung hinzugekommenen Gäste bat er um Applaus dafür, dass die Kinder sich für Gleichaltrige einsetzen, denen es nicht so gut geht. „Ihr sammelt wirklich eine Menge Geld.“ Beifall hätten aber auch die Betreuer verdient: „Das ist viel Organisationsaufwand.“ Und mit Blick auf andere Regionen in der Welt gab Lang den Schülern in den letzten Zügen ihrer Ferien auch mit auf den Weg: „Es ist ein Privileg, in die Schule gehen zu können.“

Rathausbesuche sind laut Pfarrer Stefan Barton wie Auftritte bei Amtsträgern generell eine wichtige Botschaft nach draußen. „Die Botschaft eines Kindes, das wehrlos in prekären Umständen geboren wurde und die Welt verändert hat – und bis heute verändert.“

In verschiedenen Gruppen zogen die Sternsinger weiter. Lea, Marie, Jill und Finja (von links) waren in der Altstadt unterwegs. © Wachter

Auch, dass es sich um „ökumenische Sternsinger“ handelt, trage man nun noch mehr nach außen. Im Rathausfoyer sprach der Pfarrer aber auch die Situation im Libanon an, jenem Land, das auch das Motto der diesjährigen Aktion besonders in den Mittelpunkt stellt. Es lautet „Segen bringen, Segen sein. Frieden! Im Libanon und weltweit“. Und bei der größten Spendenaktion von Kindern für Kinder winke auch den jungen Königen ein besonderer Erfolg: „Berge von Süßigkeiten, das reicht bis zur Fastenzeit.“ Für das Publikum gab es danach noch Sternsinger-Klassiker zu hören, bei denen der ein oder andere vielleicht auch ohne die ausgeteilten Liedblätter hätte mitsingen können: „Wir kommen daher aus dem Morgenland“ und „Seht ihr unseren Stern dort stehen“ – das Stück mit dem lang gezogenen „Gloria“ im Refrain.

Nachmittags hat die Altstadt-Gruppe es schließlich fast geschafft. Am Roten Platz angekommen, steht nur noch eine Adresse an. Und Finja, beziehungsweise eine Smartphone-App der elfjährigen Ernst-Reuter-Schülerin, hat ganz genau mitgerechnet, welche Strecke auch Könige fußläufig zu bewältigen haben: 12 000 Schritte sprich rund acht Kilometer waren es bislang an diesem Tag schon. Sie mache mit, „weil ich weiß, dass es für den guten Zweck ist und mir arme Leute einfach leidtun“. Finja wurde über Klassenkameraden auf die Aktion aufmerksam. Jill hingegen, neun Jahre alt, ist bei einem Kirchenbesuch motiviert worden. Und mit Musik hat sie es ohnehin. Inspiriert vom Musikgeschmack des Vaters versucht sie sich am Laptop schon auch mal am Nachbau von Songs der Elektropioniere Kraftwerk.

Gemeinsam etwas zu unternehmen, das kommt bei den Mädchen ohnehin gut an: „Ich mag meine Gruppe einfach, da sind alle nett“, sagt die neunjährige Marie. Und Lea bestätigt: „Es ist toll, mit anderen die Stadt zu erkunden und wie sich die Leute freuen, wenn man bei ihnen vorbeischaut. Dass es Süßigkeiten gibt natürlich auch.“

VON CHRISTIAN WACHTER

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