Kultur

Stillstand: Künstler befinden sich zwischen Frustration und Hoffnung

Virtueller Rundgang: Da die Artig im vergangenen Jahr kurzfristig ausfallen musste, filmte Ömer Sabry von Framestorm Media die Kunstwerke. Die Dietzenbacher konnten sie sich so dennoch ansehen. Archiv: schmedemann
+
Virtueller Rundgang: Da die Artig im vergangenen Jahr kurzfristig ausfallen musste, filmte Ömer Sabry von Framestorm Media die Kunstwerke. Die Dietzenbacher konnten sie sich so dennoch ansehen. Archiv: schmedemann

Keine Artig. Kein Austausch mit Kunstinteressierten. Keine Kurse. Auch Dietzenbachs Künstler werden in der Pandemie auf eine Belastungsprobe gestellt. Bereits im vergangenen Jahr musste die Artig aufgrund der Entwicklung der Coronakrise kurzfristig abgesagt werden. Konnten die bereits aufgehängten Bilder immerhin noch in einem virtuellen Rundgang dem Publikum präsentiert werden, musste die Ausstellung in diesem Jahr vollständig abgesagt werden.

Dietzenbach – Eine Entscheidung, die ein Großteil der Kunstschaffenden durchaus nachvollziehen kann. „Es hätte niemand verstanden, wenn die Artig stattfindet, während alles andere ausfallen muss“, sagt etwa Dorita Jung vom Dietzenbacher Künstlerkreis.

Und dennoch: Der Wunsch, in der Stadt wieder mehr wahrgenommen zu werden, ist groß. Deshalb plant der Künstlerkreis derzeit eine Ausstellung seiner Neuproduktionen auf seiner Internetseite. Auch die Malerin und Cartoonistin Uschi Heusel zeigt auf Youtube ihr „Museum of modern Rat“ in einem virtuellen Rundgang. Den Austausch mit den Fans und Kunstinteressierten können jedoch die Online-Präsentationen nicht ersetzen. Und das ist es wohl auch, was von vielen Künstlern mit am stärksten vermisst wird. „Wir sehnen uns nach Anerkennung und Kritik“, betont Uschi Heusel. Denn auch sie bräuchten mal ein Schulterklopfen und ein „Weiter so.“

Präsentation in Groß-Umstadt erst 2023

Ebenso setzt den Dietzenbacher Kreativen der bereits seit über einem Jahr andauernde Stillstand bei den Ausstellungen zu. „Es wird immer alles verschoben, wir können überhaupt nicht planen“, schildert Wilfried Nürnberger, Sprecher des Künstlerkreises, das Dilemma. So sei neben der Artig 2020 etwa auch die Jahresausstellung des Kreises selbst ausgefallen. Zudem musste die Ausstellung zur Erinnerung an den Maler Karl Heinz Wagner verschoben werden. Gleiches treffe auf die für dieses Jahr geplante Präsentation in Groß-Umstadt zu. „Hier können wir unsere Werke sogar erst 2023 präsentieren“, teilt Nürnberger mit. Dabei gingen die Kulturschaffenden mit der derzeitigen Zwangspause recht unterschiedlich um. „Die einen nutzen die Zeit und widmen sich ganz ihrer Kunst“, so Nürnberger. Andere wiederum erarbeiteten momentan vergleichsweise wenig. Zu der ersten Gruppe gehört Wolfgang Mündl. Er sagt: „Am Anfang war da Hoffnung und dann kam irgendwann der Frust. Das hat sich mittlerweile in Arbeit umgewandelt.“ So sei er aktuell dabei, alles für die Zeit nach Corona vorzubereiten.

Neben Mündl haben auch Dorita Jung und ihre Künstlerkreis-Kollegin Elisabeth Schuler die vergangenen Monate für sich genutzt. „Ich habe mein Atelier renoviert“ erzählt Jung. Zudem habe sie in einem Bereich Bilder aufgehängt, sodass eine Galerie entstanden sei, die die Menschen künftig besuchen könnten. „Denn auch ich muss neue Wege gehen“, macht Jung deutlich. Künftig werde sie ihre Kurse nicht mehr in so großen Gruppen anbieten. Die Nachfrage sei jedoch ungebrochen. Allerdings könne sie die Interessierten aufgrund der momentanen Situation nur vertrösten.

Künstler sind weiterhin aktiv

Elisabeth Schuler hingegen setzt sich während der Pandemie mit Dingen auseinander, auf die sie zuvor nicht aufmerksam geworden war. „Ich suche mir Plätze raus, die ich mir in den letzten Jahren nicht so richtig angeschaut habe“, erzählt Schuler. Dabei lasse sie sich insbesondere von der Natur inspirieren. „Ich beobachte etwa, wie sich eine Pflanze verändert und entwickelt“, berichtet sie weiter. Auch wenn es schwierige Zeiten seien, mache die Kunst nach wie vor Spaß und gebe Kraft.

Eine Meinung, die Uschi Heusel teilt. Aktuell arbeitet sie an dem Ludwig-Kalender für 2022. Neben aller Freude am Erschaffen von Neuem schwingt bei ihr jedoch auch ein wenig Wehmut mit. „Mit dem Kalender entstehen viele Werke, die bisher noch niemand gesehen hat“, sagt Heusel. (Von Anna Scholze)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare