Transparenz, Feind der Korruption

Dietzenbach - Als Stabsstelle unter Bürgermeister Rogg eingerichtet, hat Korruptionsbeauftragte Nadja Kuhn ein Auge auf die Verwaltung. Von Barbara Scholze 

Da ist die nette Aufmerksamkeit des Bürgers, der Dank sagen möchte. Aber auch das große Weinpaket mit dem Absender des Firmenpartners, der weiterhin mit Aufträgen bedacht werden will.

Angestellte der Verwaltung erleben täglich, was es heißt, die eigene Unbescholtenheit und die ihres Arbeitgebers zu wahren. Damit gar nicht erst jemand in einen Morast aus Gefälligkeiten und Gegenleistungen gerät, steht den Rathausmitarbeitern eine Antikorruptionsbeauftragte zur Seite. Seit vier Jahren hat Nadja Kuhn die Stabsstelle inne, die bei Bürgermeister Jürgen Rogg angedockt ist. „Es hat sich viel getan in den letzten Jahren“, sagt sie. „In den Richtlinien, aber auch im Bewusstsein aller Beteiligten. “.

Als Ansprechpartnerin für Mitarbeiter, Bürger und Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zur Stadt möchte die gelernte Juristin keinesfalls in die Rolle der Schnüfflerin gepresst werden. „Natürlich gehen wir Sachverhalten nach“, sagt sie. In erster Linie gehe es aber um Prävention. „Es ist mir wichtig, meine Kollegen zu sensibilisieren, damit sie auf ihr Gefühl hören können.“ Denn selbst wenn nichts dabei sei, was sich als Straftatbestand entpuppe, könne manche Handlung ein Geschmäckle Richtung Vorteilsnahme oder Bestechlichkeit hinterlassen. „Die Integrität der Behörde muss auf jeden Fall erhalten bleiben.“ In Dietzenbach habe es bisher keine Fälle gegeben, die größeren Handlungsbedarf erfordert hätten.

Bürgerservice, Ordnungsamt, Bauamt und Bußgeldstelle besonders gefährdet

Angelehnt an Verwaltungsvorschriften des Innenministeriums erhält jeder Mitarbeiter der Stadtverwaltung ein Merkblatt für den Umgang mit Zuwendungen. „Es gibt nur wenige Bereiche, die nicht gefährdet sind“, so Kuhn. Ausgeprägt sei das Risiko etwa beim Bürgerservice, dem Ordnungs- und dem Bauamt oder der Bußgeldstelle. „Also immer dort, wo viel Publikumsverkehr ist und es um Erlaubnisse und Gestattungen geht.“

Bargeld anzunehmen sei grundsätzlich nicht erlaubt. „Auch keine Gutscheine oder Ähnliches.“ Will jemand der netten Dame oder dem freundlichen Herrn vom Amt etwas Gutes tun, so muss er eine Gabe aussuchen, deren Wert unter zehn Euro liegt. „Auch das sollte sich nicht wiederholen“, mahnt Kuhn. Sei der Beschenkte unsicher, könne er sich an den Vorgesetzten wenden. Immer nach dem Motto „Transparenz ist der Feind der Korruption“.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Während die Vorgaben Firmen und Geschäftspartnern noch gut klar gemacht werden können, ist mancher Bürger verunsichert, wenn sein Geschenk nicht angenommen wird. „Da gab es etwa eine ältere Dame, die nicht verstehen konnte, dass die Mitarbeiterin das teure Parfüm nicht behalten wollte“, erzählt Nadja Kuhn. Typische Fälle seien auch Geldbriefchen, die immer mal wieder im Briefkasten der Friedhofsgärtner landeten. „Oft sogar anonym.“ In solchen Fällen informierten die Mitarbeiter ihre Vorgesetzten. „Das Geld lassen wir dann einem guten Zweck zukommen“, sagt Bürgermeister Rogg.

Bekannt ist die Problematik der gefüllten Umschläge auch Nadja Lubrich, Prokuristin bei den Stadtwerken. „Unsere Müllwerker machen den besten Job, da verstehe ich, dass die Bürger ihnen etwas Gutes tun wollen.“ Jedes Geschenk bringe die Mitarbeiter aber in Bredouille. Die Stadtwerke haben die Wertgrenze inzwischen bei fünf Euro angesetzt. „Überhaupt nicht erlaubt ist es, eine Gegenleistung zu geben, wie etwa den nicht angemeldeten Kühlschrank beim Sperrmüll doch noch mitzunehmen.“ Das könne für den Mitarbeiter ein sofortiger Kündigungsgrund sein, und auch der Bürger müsse mit einem Strafverfahren rechnen. „Für unsere Teams ist auch eine kurze Nachricht mit einem Lob oder einem Dankeschön eine große Freude, manchmal sogar mehr als eine Flasche Wein oder Pralinen“, betont Lubrich.

Rubriklistenbild: © dpa

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