Umwelt

Dietzenbach: Ein Naturfreund zeigt, wie Umweltschutz geht

Immer wieder ist die Natur auf die Unterstützung des Menschen angewiesen, das weiß Naturschützer Rudolph Keil nur zu gut. Blühwiesen etwa sichern die Artenvielfalt der Insekten.
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Immer wieder ist die Natur auf die Unterstützung des Menschen angewiesen, das weiß Naturschützer Rudolph Keil nur zu gut. Blühwiesen etwa sichern die Artenvielfalt der Insekten.

Dietzenbach ist grüner als gedacht. Wie Menschen die Natur bewahren sollen und wo sich etwas tut, will Umweltschützer Rudolph Keil zeigen.

Dietzenbach – Wer Dietzenbach hört, denkt nicht zuerst an Wälder, Wiesen und Natur. Dabei ist zum Beispiel mehr als ein Drittel der Gemarkungsfläche bewaldet. Und auch darüber hinaus ist Dietzenbach grüner, als man glaubt. Wir schauen uns in der Natur um, sprechen mit Menschen, die sich für deren Schutz und Erhalt einsetzen und nehmen einschlägige Projekte unter die Lupe.

Rudolph Keil weiß, wie sehr der Mensch in der Lage ist, der Natur zu schaden. Seit vielen Jahren engagiert er sich in der Naturschutzgruppe der Dietzenbacher Kolpingfamilie, gilt in der Kreisstadt außerdem als Experte für die heimische Vogelwelt. Er achtet auf all das, was viele gar nicht wahrnehmen. Diesmal aber will Rudolph Keil nicht nur über das sprechen, was schlecht ist. Diesmal will er darauf aufmerksam machen, wie der Mensch der Natur helfen kann und es an vielen Stellen bereits tut. Er hat sich eine kleine Tour durch die Kreisstadt zurechtgelegt.

Dietzenbach: Viele Dietzenbacher unterstützen Vögel mit Kunstnestern

Es geht in die Altstadt. Schräg gegenüber des Alten Bahnhofs, den Rudolph Keil an diesem Tag zum Startpunkt festgelegt hat, das erste Beispiel. Er deutet auf ein Haus am Platz der Republik. Unter dem Dachvorsprung sind Kunstnester für Schwalben angebracht. Sie sind auch bewohnt, weiß der Experte. Zwar gibt es auch viele natürliche Schwalbennester in Dietzenbach, seit Jahren leben dort einige Kolonien. Rudolph Keil erzählt, dass es dennoch nötig ist, die Vögel zu unterstützen, indem man ihnen Nistmöglichkeiten schafft. „In der Stadt gibt es immer weniger Material für den Nestbau.“ Mit Kunstnestern helfe der Mensch, die Kolonien zu erhalten. Auch für Mauersegler gibt es an einigen Orten in der Altstadt solche Hilfestellung. Immer wieder kommen Dietzenbacher von sich aus auf die Kolping-Naturschutzgruppe zu und bieten ihre Häuser dafür an. Die Naturschützer übernehmen dann auch die Montage und die regelmäßige Reinigung der Nester. Dafür müssen sie meistens hoch hinaus.

„Es gibt Menschen, die mögen Schwalben, und es gibt Menschen, die dulden Schwalben“, sagt der Vogelexperte, während er um die Ecke in die Wilhelm-Leuschner-Straße einbiegt und sein nächstes Ziel ansteuert. Vor einem Haus bleibt er stehen, zeigt, was er damit meint. Auch dort befindet sich ein Schwalbennest, direkt darunter ist ein Brett montiert. „Das sind Kotbretter.“ Vielen Leuten seien die Hinterlassenschaften der Vögel rund ums Haus ein Dorn im Auge. Die Bretter sollen sie auffangen. „Das hilft natürlich nur den Menschen.“ Rudolph Keil und seine Mitstreiter bringen die Vorrichtungen dennoch an, um zu verhindern, dass Hausbesitzer oder Mieter die Tiere aus Ärger vertreiben.

Auf dem Weg zu einer weiteren Stelle auf seiner Agenda kommt Rudolph Keil auf die Corona-Zeit zu sprechen, in der es die Menschen vermehrt raus in die Natur zieht. Vor allem während des Lockdowns waren Wälder und Felder beliebte Ausflugsziele. Obwohl er das Interesse gut findet, sieht er auch, dass die Menschen für die Natur nicht unbedingt ein Geschenk sind. Im Gegenteil. „Da sind viele, die hatten bisher kaum Berührungspunkte, haben kein Gespür dafür“, sagt der Naturschützer. Das Ergebnis sei, dass viele sich völlig unbedarft in der Natur bewegten. Beim Spazieren trampeln sie vieles, was schützenswert ist, versehentlich nieder, stören die Ruhe. „Das war schon heftig.“

Immer wieder bleibt Rudolph Keil kurz stehen, deutet auf weitere Wohnhäuser, wo Mehlschwalben und Mauersegler nisten. Hin und wieder weist er auch auf andere Vögel, zum Beispiel Spatzen, hin. Über Grenzstraße, Beethoven- und Marktstraße geht es zurück auf die Wilhelm-Leuschner. Dort stoppt er vor einem Haus. „Der Besitzer gilt als besonders schwalbenfreundlich“, sagt der Vogelexperte. Eine entsprechende Plakette vom Naturschutzbund ist an der Front des Gebäudes angebracht.

Gerade in der Stadt ist es für Schwalben und andere Vögel schwierig, Material für den Nestbau zu finden. Kunstnester schaffen Abhilfe.

Insgesamt acht Kunstnester befinden sich unter dem Dachvorsprung. „Und die sind auch immer alle belegt“, sagt Rudolph Keil. Sogar mehrfach werde dort pro Saison gebrütet. Auf dem Gehweg vor dem Haus ist der Mieter mit einem Besen zugange, fegt Federn, Kot und Reste von Eierschalen zusammen. Kotbretter gibt es dort keine. Fast jeden Tag müsse er das machen, erzählt der Mann. „Das macht mir nichts aus.“

Dietzenbach: Blühwiesen sind wichtig für den Fortbestand vieler Insekten

Zuletzt hat Rudolph Keil noch einen Punkt auf seiner Liste stehen, der nicht in erster Linie mit Vögeln zu tun hat. Die Frankfurter Straße entlang geht es aus der Altstadt heraus, kurz vor der Ampelkreuzung mit der B459 nach links, aufs Feld. Zwei-, dreimal biegt der Naturschützer noch ab, hält vor einem schmalen, langen Streifen, auf dem unterschiedliche Pflanzen in diversen Farben blühen. „Viele Dietzenbacher Landwirte haben dieses Jahr solche Blühstreifen oder ganze -wiesen angelegt“, sagt er. Obwohl die Bauern im Grunde selbst nichts davon haben. Rudolph Keil findet das toll. „Für Insekten sind solche Flächen enorm wichtig.“ Nur wenige hundert Meter entfernt, auf dem Feld neben der Rudolph-Steiner-Schule, hat ein Landwirt ebenfalls eine bunte Blumenmischung ausgesät. Auch die will Rudolph Keil noch zeigen. Zwischen den Pflanzen summt es, der Naturexperte entdeckt auf Anhieb diverse Insekten. „Und die Vögel, die freuen sich sehr über die Kerne der Sonnenblumen. (Lena Jochum)

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