Dietzenbacher übt Kritik

Im Wohngebiet unerwünscht: Dieser Mann bekommt keinen Parkausweis für sein Wohnmobil

Dietzenbach: Mann bekommt für Wohnmobil keinen Parkausweis
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Peter Scholz aus Dietzenbach geht zusammen mit seiner Frau regelmäßig mit dem Wohnmobil auf Tour. 

Was macht man bloß mit einem Wohnmobil im Wohngebiet in Dietzenbach? Diese wohl nicht im Leben eines jeden zwangsläufig auftauchende Frage stellt sich für Peter Scholz. Der Dietzenbacher möchte damit auf die Parkraumsituation aufmerksam machen.

  • In Dietzenbach bekommt Peter Scholz keinen Bewohnerparkausweis
  • Wohnmobile bekommen keinen Anwohnerparkplatz
  • Warum das so ist

Dietzenbach - Seit 30 Jahren lebt er am Theodor-Heuss-Ring. Damals fand sich eine Bauherrngemeinschaft von Menschen, die den Traum von den eigenen vier Wänden aus eigener Kraft vielleicht nicht hätten verwirklich können. Dass er vor seine Tür keine „lauschige Nebenstraße“ mehr hat wie früher, sagt er, das stört ihn nicht sonderlich. Wohl aber, dass es zu der Kernarbeitszeit kaum mehr eine Möglichkeit gebe, einen öffentlichen Parkplatz zu finden. 

Zwar kann er sein eigenes Auto in der zum Haus gehörenden Tiefgarage abstellen, Menschen ohne diese Möglichkeit allerdings hätten nur ganz früh morgens oder nach Feierabend eine aussichtsreiche Chance, einen Platz für ihren vierrädrigen Untersatz zu finden. Gerade als das Kreishaus zu Beginn der Nullerjahre seinen Betrieb aufnahm, habe der Verkehr deutlich zugenommen. Und ausgehend vom Kreishaus sei das Parken in Richtung der umliegenden Häuser und Wohnungen immer weniger reglementiert.

Dietzenbach: Wohnmobil - Gesetzestexte sehr genau lesen

Inzwischen ist Scholz im Ruhestand, zuletzt hat der studierte Rechtspfleger als Geschäftsleiter am Offenbacher Amtsgericht gearbeitet. Bevor er nach Dietzenbach zog, wohnte er in Obertshausen, kannte die Stadt aber dennoch nicht nur vom Papier. Als während der zu Beginn der 70er-Jahre angelaufenen und bis heute viel diskutierten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Acker- zu Bauland wurde, war er als Sachbearbeiter dafür zuständig, neu vermessene Grundstücke in den Grundbüchern einzutragen. Er habe gelernt, Gesetzestexte äußerst genau zu lesen, sagt er. „Da kommt’s auf jeden Punkt und jedes Komma an.“ Und eben eine solche Feinheit stört ihn nun, wenn es um Anwohnerparkplätze geht.

Dietzenbach: Mann geht seit 50 Jahren mit seinem Wohnmobil campen

Er war in seinem Leben nie in einem Hotel, erzählt der 70-Jährige, seit 50 Jahren geht er Campen. Zuerst mit dem Zelt, dann mit dem VW-Bus. Zum Ruhestand legte er sich ein Wohnmobil zu. Und für dieses für die Tiefgarage einen Ticken zu große Gefährt – auch wenn es eines der kleinsten überhaupt ist, wie er sagt – bekam er auch jahrelang einen Anwohnerparkausweis. Das sei ihm alleine schon wichtig gewesen, um niemanden zu stören. 

Denn während die Parkplätze für die Allgemeinheit eben voll ausgelastet seien, gebe es zahlreiche freie Anwohnerparkplätze. Um das zu illustrieren, zeigt er auf die Flächen vor seinem Haus. Die Parkplätze mit dem dunkleren Untergrund, die mehr von der Witterung abbekommen haben, seien jene, die für Anwohner gedacht sind. Das könne auch damit zu tun haben, dass in seiner Gegend Tiefgaragen ohnehin vorgeschrieben seien.

Dietzenbach: Bewohnerparkausweis gibt es nicht für Wohnmobile

Irgendwann habe man ihm dann allerdings gesagt, so einen Anwohnerparkplatz, den könne man nur für einen Pkw beantragen. Dabei sei in den Richtlinien eigentlich konkret von Kraftfahrzeugen die Rede gewesen, sagt er. Sprinter von Firmen stünden außerdem nach wie vor auf den besagten Flächen. Er wäre sogar bereit, statt den üblich anfallenden 30 Euro 200 für ein Jahr zu bezahlen, um anderen nicht im Weg zu stehen, und einen der freien Anwohnerparkplätze zu bekommen, betont Scholz. Er bewege das Wohnmobil schließlich fast nur, wenn er mit seiner Frau auf Reisen gehe. Im Sommer sind die beiden schon bis zum Nordkap gefahren, dann war der Platz eine Weile frei.

Dietzenbach: Besitzer von Wohnmobilen bekommen keinen Bewohnerparkausweis

Die Stadt teilt mit, dass man grundsätzlich keine Bewohnerparkausweise für sogenannte Sonderfahrzeuge wie Wohnmobile ausstelle. „Je höher die Parkraumnachfrage ist, umso enger kann die Freistellungspraxis der Verkehrsbehörden sein. Dies besagen die Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung.“ Die Plätze seien wegen des knappen öffentlichen Parkraums Pkw vorbehalten, dabei gebe es auch Sprinter mit Pkw-Zulassung. „Sonderfahrzeuge sollten vornehmlich auf privaten Stellplätze geparkt werden und nicht auf öffentlichen Flächen zu Lasten der Allgemeinheit.“ Sollte man in der Vergangenheit auch Ausweise für Wohnmobile ausgestellt haben, sei das fälschlicherweise geschehen.

Das städtische Schreiben informiert außerdem: Zwei Zonen fürs A nwohnerparken gibt es. Die erste im Bereich des Spessartviertels hat etwa 110 Flächen, die zweite, in der auch der Theodor-Heuss-Ring liegt, etwa 140.

wac


In der Region hatte ein Ehepaar Ärger. In Offenbach möchte das Paar mit dem Wohnmobil nicht mehr Halt machen.

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