„Ein Schlag ins Gesicht“

Unmut über potenzielle Änderungen im Haushalt - Awo demonstriert vor Rathaus

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen demonstrierten im Vorfeld der Sondersitzung zum Haushalt etwa 100 Teilnehmer vor dem Rathaus gegen die Änderungsanträge von CDU und FDP.
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Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen demonstrierten im Vorfeld der Sondersitzung zum Haushalt etwa 100 Teilnehmer vor dem Rathaus gegen die Änderungsanträge von CDU und FDP.

Der Awo-Kreisverband Offenbach hat gegen geplante Kürzungen von Zuschüssen im Haushalt der Stadt Dietzenbach protestiert.

Dietzenbach – Gemeinsame Änderungsanträge von CDU und FDP für den laufenden Haushalt haben bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) für Aufregung gesorgt. Im Vorfeld der Sondersitzung am Donnerstagabend (07.05.2020) haben Mitarbeiter der Awo vor dem Rathaus demonstriert (Anm. d. Red.: Bei Redaktionsschluss war die Sitzung, in der der Haushalt für 2020 verabschiedet werden sollte, noch nicht beendet; Bericht folgt). Frei- und Christdemokraten wollen angesichts der durch die Corona-Krise ausbleibenden Steuereinnahmen bei den freiwilligen sozialen Leistungen einsparen, auch, um eine massive Grundsteuer-Anhebung zu vermeiden (wir berichteten).

Bei der Demonstration, an der rund 100 Menschen mit Mundschutz und in gebührendem Abstand zueinander teilnahmen, und in einem zuvor veröffentlichten offenen Brief an die Stadtverordneten hat der Awo-Kreisverband seinem Unmut über die geplanten Kürzungen Luft gemacht. Die Streichung des Zuschusses für die Awo-Familienbildungsstätte und für die Volkshochschule sowie Kostendeckung oder Verkauf der Unterkunft beider Träger an der Wilhelm-Leuschner-Straße, die Streichung der Zuschüsse für die sozialen Dienste der Awo und die Arbeit für Senioren mit Migrationshintergrund – die Verantwortlichen um Awo-Geschäftsführer Dirk Hartmann kritisieren diese und weitere Kürzungen, die CDU und FDP fordern, aufs Schärfste.

Die radikalen Anträge seien ein schwerer Schlag ins Gesicht aller, die zu einer lebenswerten, familienfreundlichen und sozialen Stadt beitragen. „Rein rechnerisch hat die Awo mit ihrem Angebot bei rund 1049 Kursteilnehmern in Dietzenbach im Jahr 2019 etwa drei Prozent der Dietzenbacher Bürgerinnen und Bürger erreicht. Dies ist eine recht beachtliche Quote“, heißt es in dem offenen Brief. Gerade in diesen Tagen leisteten auch die sozialen Dienste wichtige Hilfe für alte, kranke und behinderte Menschen, die sich wegen des Coronavirus kaum aus dem Haus trauen. Die Belieferung mit Essen auf Rädern und die Einkaufsdienste würden so noch größeren Zuspruch als zuvor erfahren.

„Die Streichung der städtischen Zuschüsse hätte vermutlich nicht nur bei der Awo und ihrer ohnehin corona-gebeutelten Familienbildungsstätte sowie den sozialen Diensten die Streichung von zahlreichen Arbeitsplätzen zur Folge. Auch zahlreiche Honorarkräfte könnten nicht mehr beauftragt werden“, kritisiert der Awo-Kreisverband. Zudem seien Hunderte Kunden davon betroffen. Erster Stadtrat und Sozialdezernent Dieter Lang bezeichnete die von Frei- und Christdemokraten angestrebten Kürzungen bei der Demonstration vor der gestrigen Sondersitzung zum Haushalt als „falsche Signale zur falschen Zeit“.

Um die Bedeutung der Awo für die Menschen vor Ort zu verdeutlichen, hat der Kreisverband seinem offenen Brief eine Reihe von Stellungnahmen beigefügt. „Zum Glück bin ich auf die Kurse der Awo aufmerksam geworden. (...) Für Dietzenbach wäre es eine Katastrophe, wenn das Angebot der Awo für Schwangere und junge Familien wegfallen würde“, heißt es etwa von der Dietzenbacherin Friederike Mitlehner. Auch Sina Weyrich aus Steinberg wird zitiert. Sie sagt: „Ich finde es ein Unding, dass wieder an denen gespart wird, die sich nur schwer wehren können.“

Die Awo-Verantwortlichen haben darum einen klaren Appell an die Stadtverordneten gerichtet: „Wir bitten Sie, diese Anträge zurückzunehmen beziehungsweise sie abzulehnen und sich zu einer gesunden sozialen Infrastruktur in Dietzenbach zu bekennen, auf die Verlass ist.“  

lj

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