Unmut wegen „Monteurzimmern“

Zweckentfremdeter Wohnraum steht auf der Agenda der Stadtverordnetenversammlung

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Kombis oder Sprinter sind in Wohngebieten nicht gerne gesehen. 

Einen Antrag, mit dem der Magistrat aufgefordert werden soll, Maßnahmen zu ergreifen, „die der Zweckentfremdung von Wohnraum entgegenwirken“, bringt die DL/FW-UDS in die heutige Stadtverordnetenversammlung (19 Uhr, Rathaus, Europaplatz 3) ein. 

Dietzenbach – Informationen im Internet würden zeigen, dass in Dietzenbach, wie in den meisten anderen Kommunen, Wohnungen zimmerweise oder als Einheit für die Kurzzeitvermietung angeboten werden. Solange dies auf gewerblicher Basis geschehe oder die Wohnung weiterhin von den Besitzern bewohnt werde (zum Beispiel Airbnb), werde dies allgemein als unkritisch eingestuft. „Sobald allerdings Wohnungen quasi gewerblich dem Wohnungsmarkt entzogen werden, ist das eine Zweckentfremdung, die bei der aktuell knappen Wohnungssituation nicht hingenommen werden kann. “.

Besonders belastende Situationen für die Nachbarschaft könnten etwa aus der „intensiven Zweckentfremdung als ,Monteurzimmer’“ resultieren, „wo durch Busse und Kleintransporter massive Parkprobleme entstehen“.

Im Ausschuss für Städtebau, Verkehr und Umwelt betonte Ismet Küpelikilinc (DL/FW-UDS), dass man verhindern wolle, dass „Wohnungen in Monteurwohnungen umgebaut“ werden. Etwa an der Brunnenstraße sei die Nachbarschaft nicht erfreut über die Zustände.

Auf Anfrage hatte sein Fraktionskollege Jens Hinrichsen bereits zuvor Näheres über die Situation an der Brunnenstraße berichtet, die ausschlaggebend für den Antrag gewesen sei: „Seit zwei bis drei Jahren vermieten die Eigentümer das Obergeschoss ihres Hauses gegenüber der Kita an Monteure.“ Bis zu acht Männer zwischen Ende 20 und Mitte 40 kämen dort unter. Für die gesamte Straße und auch die umliegenden sei die Lage unangenehm. Eine Anwohnerin schilderte im Gespräch mit unserer Zeitung, woran sich sie und die anderen Nachbarn vor allem stören. Zum einen seien das die vielen großen Autos – Kombis oder Sprinter –, die im Wohngebiet parken. Aber auch abgesehen davon gäben die häufig wechselnden männlichen Nachbarn häufig kein gutes Gefühl: „Im Sommer sind die Männer sehr laut, sitzen auf dem Balkon oder stehen sogar auf der Straße und trinken Bier“. Immer wieder werde auch Müll achtlos zurückgelassen. Bereits mehrfach haben sich die Anwohner bei der Stadt und auch bei der Bauaufsichtsbehörde des Kreises beschwert. „Bislang hat sich aber nichts getan.“

Bürgermeister Jürgen Rogg sagte im Bauausschuss, diese Missstände seien nicht neu. Auch abseits der Brunnenstraße könnte er Adressen in der Kreisstadt nennen. Allerdings gestalte es sich mit den rechtlichen Möglichkeiten nicht einfach. Oft vermieteten Unternehmen oder Einzelpersonen Wohnungen weiter, wenn Monteure dann morgens sehr früh aufbrechen und abends spät heimkommen, sorge dies für Emissionen. Gehe es etwa darum, dass sich die Monteure noch duschen oder kochen auch „nachvollziehbarerweise“. Gerade als Stadt gebe es aber weniger Eingriffsmöglichkeiten, als man denkt. Mit einer Ferienwohnungssatzung wie es sie in Frankfurt gibt jedenfalls, sei das Wohnkonzept nicht aushebelbar. Man könne die Fälle nur der Aufsichtsbehörde melden, dort bearbeite man sie gründlich. Hinrichsen war anderer Ansicht: „Man wird hin und her geschoben. Das Kreisbauamt sagt, die Stadt sei zuständig, die Anwohner wissen sich nicht zu helfen.“ Rogg erwiderte, man arbeite vertrauensvoll mit dem Kreisbauamt zusammen und unternehme viel in dieser Sache. Zahlen nannte Rogg nicht, verwies aber darauf, dass es eine sehr hohe Dunkelziffer gebe und man weiterführende Informationen ans Protokoll anhängen werde.

Im Nachgang der Sitzung konnte die Stadt im Bezug auf zweckentfremdeten Wohnraum weiterhin keine Zahlen nennen. „Wir führen da keine Statistik“, hieß es auf Anfrage von der Pressestelle. Durchschnittlich einmal im Monat sei der Fachbereich Sicherheit und Ordnung in der Kreisstadt unterwegs, um entsprechenden Hinweisen nachzugehen. Ein Schwerpunkt sei das Hessische Wohnungsaufsichtsgesetz. Was bei den Kontrollen herauskommt – sei es illegales Glücksspiel, Überbelegung oder Prostitution –, werde zur Weiterverfolgung an die zuständigen Stellen, etwa Polizei oder Finanzamt, weitergegeben. Die Abteilung Bürgerservice sei in der Regel bei den Kontrollen mit vor Ort, um die tatsächlich angetroffenen Personen mit den im Einwohnermelderegister erfassten Personen abzugleichen. Ermitteln können habe man auch Liegenschaften, „in denen Personen aus dem Rotlichtmilieu ganze Etagen für ihr ,Personal’ anmieten“.

Rolf von Kiesling (FDP) wollte im Ausschuss wissen, ob es die Möglichkeit gebe, die Dinge anzugehen, „die wirklich stören“. Wenn es um die Lautstärke gehe, sagt Rogg, können Bürger die Polizei anrufen. Bei der Parksituation könne man die Halter allerdings nur belangen, wenn das Fahrzeug in den Straßenraum hineinreicht.

Ursula Luh, Sprecherin des Kreises Offenbach, informierte auf Anfrage, dass Dietzenbach im Vergleich zu anderen Kommunen nicht auffällig ist, wenn es um zweckentfremdeten Wohnraum geht. Beim Kreis kümmert man sich darum, ob die tatsächliche Nutzung auch mit den Genehmigungen übereinstimmt. Die Bauaufsicht arbeitet auf Anzeigenbasis.

VON LENA JOCHUM UND CHRISTIAN WACHTER

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