Unglück durch Wissen verhindern

Unternehmen „Anfire“ berät und schult zum Thema Brandschutz

Ruhe bewahren: Johannes Jabs (links) demonstriert zwei Mitarbeitern den richtigen Umgang mit Feuerlöschern. Foto: scho
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Ruhe bewahren: Johannes Jabs (links) demonstriert zwei Mitarbeitern den richtigen Umgang mit Feuerlöschern.

Ob hinter kleinen Ladentheken in der Altstadt oder in großen Hallen im Gewerbegebiet: Die Dietzenbacher Unternehmenswelt hat einiges zu bieten. In loser Reihenfolge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Diesmal haben wir das Unternehmen „Anfire“ besucht.

Dietzenbach –  Der erste und wohl wichtigste Rat lautet: Ruhe bewahren. „Das ist aber auch das Schwerste“, meint Matthias Marx. Denn wenn es wirklich einmal brenne, egal, ob Zuhause oder in der Firma, wenn die Flammen hoch schlagen oder der Rauch den Atem nehme, komme schnell Panik auf. Damit das gar nicht erst passiert, damit Betriebe, Haushalte und Werkstätten vor einer gefürchteten Feuersbrunst sicher sind, hat der erfahrene Brandschützer gemeinsam mit Johannes Jabs unter dem Namen „Anfire“ ein Unternehmen gegründet, das sich der vorbeugenden Beratung und der Schulung rund um den Brandschutz widmet. Auch Jabs bringt reichlich Wissen ein, zusätzlich zum Brandschutz auch im Rettungswesen. „Wir haben beide bei der Jugendfeuerwehr in Dietzenbach angefangen, Matthias ein bisschen früher als ich, er hat mich praktisch großgezogen“, scherzt er. Doch tatsächlich geht die Kompetenz viel weiter. Ihre Meriten bei außerordentlichen Ernstfällen haben sich die beiden bei ihrer Arbeit in den Arabischen Emiraten geholt.

Rund 200 000 Mal im Jahr brennt es irgendwo in Deutschland. „Neben technischen Defekten ist oft menschliches Versagen Ursache für ein Feuer“, betont Johannes Jabs. Das kann die weggeworfene Zigarette sein oder die Verwendung eines beschädigten Elektrogerätes. „Ein Viertel der Brände kommt durch technische Mängel zustande“, wissen die beiden Floriansjünger. Solche Unglücke durch Wissen zu verhindern, haben sie sich entsprechend zur Aufgabe gemacht. Anfire bietet Schulungen für Brandschutzhelfer, damit im Betrieb nichts „anbrennt“ und berät mit Konzepten sowie Unterweisungen. „Ja, Brandschutz kostet erst einmal Geld“, sagt Jabs. Aber wenn etwas passiere, werde es nochmal viel teurer. Und vor allem kleinere Unternehmen könnten sich fast nicht mehr von einer Feuersbrunst erholen. Dennoch sei die Verdrängung auf diesem Gebiet trotz gesetzlicher Vorgaben sehr hoch. „Meist müssen wir zu Beginn der Gespräche überhaupt für das Thema sensibilisieren.“

Dazu gehöre dann etwa, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie schnell sich ein Feuer ausbreite. „In drei Minuten ist ein komplettes Zimmer ausgebrannt.“ Dabei hätten diejenigen, die sich auch nur in der Nähe aufhielten, bereits unzählige Giftstoffe eingeatmet. „Aber die Risiken sind noch viel größer“, sagt Matthias Marx. So wüssten die meisten Mitarbeiter gar nicht, wie sie sich im Brandfall verhalten sollen, eintrainiert sei höchstens das Verlassen der Gebäude. „Da rennt man zehn Mal am Tag an einem Feuerlöscher vorbei, aber im Notfall fällt einem nicht mehr ein, wo er hängt, geschweige denn, dass man damit umzugehen weiß.“

Und so bildet Anfire nicht nur Brandschutzbeauftragte und Brandschutzhelfer aus. Das Team gibt auch Rat zur Vorbeugung, übt mit den Mitarbeitern Verhalten im Brandfall ein und beschafft Feuerlöscher und Rauchmelder. „Die komplette Dienstleistung, immer mit einem festen Ansprechpartner“, heißt es. Als aktueller Schwerpunkt hat sich unter anderem die Beratung und Versorgung von Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern herauskristallisiert. „Da existiert ein erhöhtes Gefahrenpotenzial durch Apparaturen wie Röntgengeräte, und es muss bei so vielen Unterstützungsbedürftigen erst recht jeder Handgriff sitzen“, stellt Jabs fest.

Entsprechend ist die noch junge Firma, die Jabs und Marx bisher noch nebenberuflich leiten, deutschlandweit schnell gewachsen. „Wir haben von Hamburg bis München viele Kooperationspartner und können weit über Dietzenbach hinaus schnell eine Schulung organisieren“, sagt Marx. Geschätzt werde ebenso, dass die beiden Brandschützer deutschlandweit zu den wenigen Dienstleistern gehören, die alle Unterweisungen auch in Englisch mit den entsprechenden Fachbegriffen anbieten können. „Das war schon eine Herausforderung, aber die Feuerwehrsprache ist sehr fachspezifisch und wir haben bei unserer Arbeit in den Emiraten gemerkt, wie wichtig dieses verbindende Wording ist.“

Grundsätzlich sei der vorbeugende Brandschutz aktuell auf sehr hohem Niveau und die Motivation für die Arbeit bei Anfire komme auch aus dem Gedanken heraus, dass tatsächlich viele Unglücke zu vermeiden seien. Nicht nur für die nun nahenden Weihnachtstage mit zusätzlichem Feuerrisiko, sondern auch für den Alltag das ganze Jahr über haben Jabs und Marx daher drei einfache, aber wichtige Tipps: elektrische Geräte möglichst abschalten, wenn sie nicht gebraucht werden, den Umgang mit Löschmitteln üben und daran denken, dass Menschenleben vor Brandbekämpfung geht. „Aber das Wichtigste ist immer die Prävention“, betonen sie.

VON BARBARA SCHOLZE

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