Mit 100 Ludwigs durch die Krise

Dietzenbacher Künstlerin Uschi Heusel über Themenfindung und Ratten-Fans

Das war‘s mit der täglichen Ludwig-Dosis. Alle 100 Cartoons der Serie „Zuhause bei Ludwig“ veröffentlicht Uschi Heusel jetzt aber gesammelt in Buchform.
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Das war‘s mit der täglichen Ludwig-Dosis. Alle 100 Cartoons der Serie „Zuhause bei Ludwig“ veröffentlicht Uschi Heusel jetzt aber gesammelt in Buchform.

Mit ganzen 100 Geschichten aus dem Leben der Ratte Ludwig begleitete uns Künstlerin Uschi Heusel durch die vergangenen Monate. Während ihre Cartoons normalerweise immer samstags in unserer Zeitung erscheinen, gab es seit Beginn des Corona-Lockdowns im März in beinahe jeder Ausgabe Neues aus dem Hause Ludwig. Mit Nummer 100 kehrt ab jetzt aber wieder Normalität ein.

Dietzenbach – Im Interview blickt Uschi Heusel auf eine intensive Ratten-Zeit zurück und erzählt, wie es jetzt für sie weitergeht.

100 Cartoons, das ist eine ganze Menge. Wie ging es Ihnen und Ludwig in dieser Zeit?

Ich habe immer alle Zeichner bewundert, die jeden Tag einen Cartoon veröffentlicht haben. Ich dachte, das kann ich niemals im Leben. Das ist ein großer Anspruch an einen selbst, weil man sich ja ständig ein anderes Thema ausdenken muss, das man besprechen möchte. Das jeden Tag zu machen, ist schon anstrengend, der Kopf ist immer voll damit.

Wie kam es überhaupt zu der Idee, unsere Leser während der Corona-Zeit fast täglich mit neuem Stoff aus dem Leben von Dietzenbachs Lieblingsratte zu versorgen?

Da ist diese Corona-Welle bei uns angerollt und ich habe gemerkt, dass es für die Menschen ja nur noch Schock-Nachrichten zu lesen und zu hören gibt. Deshalb dachte ich, da muss jetzt irgendwas Nettes rein. Dabei wollte ich das Wort Corona am besten gar nicht erwähnen. Ich weiß gar nicht, ob ich es einmal erwähnt habe, jedenfalls habe ich aber eigentlich immer versucht, das zu umgehen.

War es nicht schwierig, so viele Themen zu finden?

Nein, gar nicht. Ich habe den Ludwig das alles so erleben lassen, wie ich es selbst teilweise erlebt habe. Ich arbeite ja sowieso von zu Hause aus, da ist das alles nicht so tragisch. Aber ich habe an die vielen Menschen gedacht, die ja darauf angewiesen sind, mit anderen Menschen direkt zu kommunizieren, direkten Kontakt zu haben. Und da habe ich versucht, mich immer wieder in andere hineinzuversetzen, habe mir immer wieder die Frage gestellt, wie man mit der Situation umgehen kann, es trotz allem sich leicht machen kann.

In den Cartoons haben Sie zum Teil ganz aktuelle, auch politische Themen, aufgegriffen. Bekommen Sie da dann auch Rückmeldungen, Reaktionen von Lesern?

Es haben sich ganz viele Menschen bei mir gemeldet. Da habe ich auch gemerkt, wie viele die Cartoons in dieser Zeit gelesen und sich darüber gefreut haben. Das hat mich dann natürlich auch angespornt. Zum Beispiel hat sich jemand bei mir gemeldet, der etwas ganz Ähnliches erlebt hat, wie Ludwig in einem der Cartoons. Das finde ich dann auch toll, dass sich die Leute so damit beschäftigen. Und wenn ein Cartoon mal einen Tag später erschienen ist, dann haben auch viele nachgefragt, was denn los sei. Je nach Thema rufen auch Leute an, die sich dann erklären wollen, mit mir über das, was ich da gezeichnet habe, sprechen möchten. Hin und wieder ist der Ludwig da dann also auch so etwas wie des Volkes Stimme.

Was steht jetzt als Nächstes bei Ihnen an?

Zum einen habe ich mich entschieden, die 100 „Zuhause bei Ludwig“-Cartoons gesammelt in Buchform zu veröffentlichen. Schon so oft wurde ich gefragt, ob ich das nicht mal machen möchte, und die Reihe, die jetzt in den vergangenen Wochen entstanden ist, bietet sich dazu einfach an. Die Bücher sind gerade im Druck und ab August auch bei „Bücher bei Frau Schmitt“ erhältlich. Am 15. August beginnt dann außerdem meine Ausstellung in der Remisengalerie im Schloss Philippsruhe in Hanau. Das ist eine große Sache und ich freue mich sehr darauf. Die Ausstellung läuft bis zum 30. August und ist jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Während der Öffnungszeiten werde ich auch immer anwesend sein. Und auch fürs kommende Jahr habe ich schon einige Pläne, zum Beispiel stelle ich im Sommer 2021 in Meppen im Emsland aus. Das wird auch toll. Da ist also einiges in Bewegung. (Interview: Lena Jochum)

Weitere Informationen über Uschi Heusel, ihr Schaffen und aktuelle Ausstellungen gibt es auf museum-of-modern-rat.de.

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