Vereine leiden finanziell

Dietzenbach: Vatertag ohne Feiern – Fahrradtouren sind erlaubt

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Hochbetrieb und Feierlaune wird es in diesem Jahr am Vatertag nicht auf dem Gelände der Geflügelzüchter geben.

Es ist ein anderer Vatertag in diesem Jahr: Fahrradtouren quer durch die Dietzenbacher Gefilde können stattfinden, mit der Einkehr bei beliebten Treffpunkten wird es aber nichts.

Dietzenbach – Wo sich sonst am Angelweiher, auf dem Gelände der Geflügelzüchter und im Hof der Tell-Schützen Menschen treffen, herrscht jetzt coronabedingt Leere. Für die Vereine ist das mehr als ein entgangener Spaß. Füllen sie doch mit den Veranstaltungen ihre Kassen auf. Die Verluste aufzulisten, ebenso wie die von entgangenen Wettkämpfen, hat sich aktuell die Stadt mithilfe einer Abfrage zur Aufgabe gemacht. Geprüft werden soll im Anschluss, ob eine entsprechende Unterstützung möglich ist. Verwiesen wird auch auf die Förderprogramme des Landes.

Den Tell-Schützen ist die gute Feierlaune, mit der sie traditionell auf dem Gelände an der Raiffeisenstraße zum Vatertag ihre Gäste empfangen, längst abhanden gekommen. Der frühzeitig reservierte Ausschankwagen ist abbestellt, die Planungen des Festes sind kein Thema mehr. „Das Geld, das wir an diesem Tag erwirtschaften, stellt eine unserer Haupteinnahmenquellen dar“, sagt Pressesprecher Joachim Neumann. Zumal bei dem vorhergesagten guten Wetter sicher ein „veritables Sümmchen“ zusammengekommen wäre. „Dazu kommt, dass unsere Vereinsabende schon seit März ausfallen und wir auch da keine Einnahmen durch die Bewirtung haben.“ Dabei sei das Geld im Jahresbudget fest eingeplant. „Wir ermöglichen mit dem Erlös aus den Veranstaltungen den kontinuierlichen Betrieb des Vereins, stecken viel in die Jugendarbeit und schaffen es, Haus und Gelände ordentlich zu erhalten.“ Allein mit den Mitgliedsbeiträgen sei der Betrieb auf dem hohen Niveau der Schützen nicht möglich.

Dank seiner umsichtigen Wirtschaftsweise sei der Verein existenziell noch nicht bedroht. „Aber lange können wir das nicht aushalten“, sagt der Tell-Pressesprecher. Bis etwa zum Herbst könne man sich strecken, „dann müssen wir uns überlegen, was wir machen.“ Eine zusätzliche Belastung der Mitglieder wolle der Vorstand vermeiden. „Daher sind wir dankbar für jede Unterstützung, die wir kriegen können.“

Ähnlich sieht es beim Geflügelzuchtverein aus. Wo sonst die herausgeputzte Anlage für die Ausflügler bereitsteht, wird auch am Feiertag Normalbetrieb herrschen. Zumindest so wie er in Virus-Zeiten möglich ist. „Wir mussten unsere beiden Veranstaltungen absagen, das Fest zum 1. Mai und den Vatertag“, sagt Klaus Buchsbaum, Vorsitzender der Züchter. Der Verein finanziere sich komplett selbst, nun breche der größte Teil des Jahresbudgets weg. Geld, das in den Unterhalt der Anlage und die Versorgung der vereinseigenen Tiere fließt. „Das Grundstück ist unser Eigentum, wenn wir es in gewohnter Weise erhalten wollen, brauchen wir die Einnahmen der Feste“, sagt Buchsbaum. Alle Mitglieder arbeiteten so viel sie können. „Größere Instandhaltungsarbeiten haben wir erst mal geschoben“, berichtet der Vorsitzende.

Auf der Internetseite des Angelsportvereins blinkt ein auffälliger Hinweis: „Vatertagsfest 2020 fällt leider aus.“ Die Angler, die die berühmten geräucherten Forellen anbieten, sind mehrfach gebeutelt. Mussten sie doch bereits im vergangenen Jahr aufgrund eines Fischsterbens im Teich das Fest absagen. Inzwischen habe sich alles „wunderbar erholt“, teilt Vereinsvorsitzender Jürgen Weisser mit. „Zum Glück war es nichts Toxisches.“ Nun, wo Teich und Fische wohlauf sind, sollte die Vaterstagssause umso fröhlicher sein. „Jetzt müssen wir wieder auf Tour gehen und Sponsoren suchen“, sagt Weisser. „Am nächsten Vatertagsfest machen wir Werbung für alle, die uns helfen.“

VON BARBARA SCHOLZE

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