Vermieter in einem Neubaugebiet:

Volumen der Regenwasser-Sammelanlage zu klein?

+
Günter Harsy ist selbst in die Zisterne am Gertrud-Kolmar-Weg gestiegen, um sie zu vermessen.

Dietzenbach - Rund 900 Zisternen, die gebührenmindernd berücksichtigt werden, gibt es in der Kreisstadt. Der Vermieter einer Wohnung in einem Neubaugebiet ist allerdings überzeugt, dass die Sammelanlage dort deutlich mehr Regenwasser fassen müsste. Von Christian Wachter 

 Irgendwann wollte es Günter Harsy genau wissen. Er stieg die knapp zwei Meter in die Zisterne seiner vermieteten Wohnung im Neubaugebiet am Gertrud-Kolmar-Weg und nahm Maß. Der Dietzenbacher hatte den Verdacht, die Zisterne könnte nicht genug Wasser fassen und sah sich hinterher auch darin bestätigt.

Welches Volumen eine solche Zisterne haben muss und wofür sie gedacht ist, kann jeder in einer Zisternensatzung nachlesen. Allerdings galt beim Bau der Wohnungen 2013 noch die alte Version, die neue trat Ende 2016 in Kraft. An dem Satzungsziel hat sich auch im Wortlaut nichts getan: Es geht um „die Errichtung von Regenwasseranlagen für das Sammeln und Verwenden von Dachflächenwasser, um hiermit den Wasserhaushalt zu schonen, die Abwasseranlagen zu entlasten und Überschwemmungsgefahren zu vermeiden“. Auch an der sogenannten Herstellungspflicht hat sich nichts geändert. Wer ein Wohngebäude mit mehr als 50 oder gewerbliches Gebäude mit mehr als 100 Quadratmetern baut, der muss eine Zisterne einplanen.

Geändert hat sich allerdings die Bemessungsvorschrift. Die Mindestgröße des Zisternenvolumens in Kubikmetern war in der alten Satzung noch mit der Rechnung Dachfläche mal 0,05 bestimmt, in der neuen ist der Faktor auf 0,03 gesunken. Ganz ohne Formel ausgedrückt heißt das also: Seit 2016 darf das Zisternenvolumen kleiner sein als zuvor. Den Lageplan Niederschlagswassergebühr der Stadt zugrunde legend, setzt Harsy für das Dach nun 286 Quadratmeter an und kommt so auf ein Mindestvolumen der Zisterne von 14,3 Kubikmetern. Tatsächlich aber seien es mit 8,5 deutlich weniger. „Ich hatte immer das Gefühl, dass sie zu klein ist“, sagt er bestimmt. Das habe er auch den Stadtwerken und dem Bauträger mitgeteilt. „Ein Problem ist der Trockenlaufschutz in zirka 50 Zentimetern Höhe, wenn das Wasser darunter sinkt, schaltet sich die Pumpe im Schacht ab.“ Außerdem sei der Überlauf zu tief eingebaut worden. Diese Faktoren hat er in seine Rechnung einbezogen. Ein Abnahmeprotokoll liegt ihm zwar vor, allerdings bezweifle er, dass tatsächlich jemand in die Zisterne hinabgestiegen sei und nachgemessen habe.

Nacht der Lichter 2018 in Dietzenbach: Bilder

Vonseiten der Stadtwerke heißt es, dass sich die Mindestgröße einer Zisterne nicht wie von Harsy angenommen nach dem Lageplan Niederschlagswassergebühr richte, sondern einzig nach der Dachfläche. Was die Abnahme betrifft, so sei es üblich, zuerst nachzusehen, ob der Wasserspeicher tatsächlich gebaut wurde. „Da es sich meist um Standardzisternen handelt, werden im Anschluss die Datenblätter des Herstellers samt Lieferschein und Rechnungen geprüft“. Kein direkter Widerspruch also zumindest in dieser Hinsicht zu Harsys Annahme, es habe niemand noch einmal Maß genommen. Zu beachten sei allerdings, dass die Satzung vorschreibt, das Volumen als so genanntes Retentionsvolumen herzustellen, und das für mindestens 50 Prozent der Zisternenmindestgröße. Retention meint dabei das Volumen, das nach Starkregen gedrosselt wieder abfließt, um so die Belastungen des Kanals zu reduzieren. Das restliche Nutzvolumen wiederum ist etwa für die Gartenbewässerung gedacht. „Für mich ist das allerdings uninteressant, weil diese Passage in der neuen Zisternensatzung steht und damit für das Haus nicht gilt“, argumentiert Harsy.

Beim Bauträger, der Firma Bücher, ist man sich indes sicher, dass alles vorschriftsgemäß ist. „Es gibt feste Vorgaben beim Bau einer Zisterne, von uns werden sie genau so errichtet“, betont Jörg Houbertz, der in dem Unternehmen für Haustechnik zuständig ist. Was den Überlauf angeht, hat er noch einen Tipp. Es ließe sich relativ einfach ein Bogen anbringen. „Das ist nicht unüblich, so lässt sich ein anderes Volumen erreichen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare