Autobauer will Ungleichgewicht zwischen Mitarbeitern beseitigen

ietzenbach vor 50 Jahren: Das „Volvo-Modell“ und die Entwicklung der Stadt

Zeichen der Verbundenheit: Volvo-PR-Chef Rudolf Lodemann überbrachte dem Ersten Beigeordneten, Jürgen Heyer, einen Scheck über 1500 Mark als Beitrag zur 750-Jahr-Feier.
+
Zeichen der Verbundenheit: Volvo-PR-Chef Rudolf Lodemann überbrachte dem Ersten Beigeordneten, Jürgen Heyer, einen Scheck über 1500 Mark als Beitrag zur 750-Jahr-Feier. REPRO: SCHO

Vor einem halben Jahrhundert war Dietzenbach noch eine kleine Gemeinde mit rund 10300 Einwohnern. In dieser Zeit wurden die Weichen gestellt für die rasante Entwicklung des Ortes.

Dietzenbach - Anhand zeitgenössischer Beiträge in der Offenbach- Post und der Gemeinde- Post zeigen wir, was die Bürger damals bewegt hat.

„Vielleicht wird man einmal vom Dietzenbacher Volvo-Modell sprechen, das richtungsweisend ist“. So vermeldet es die Dietzenbacher Gemeinde-Post im April 1970. Dabei handele es sich nicht um ein neues Auto-Modell oder eine versteckte Firmenreklame, sondern um den Versuch des Autobauers, „Ungleichgewichte“ zwischen Arbeitern und Angestellten im arbeitsrechtlichen und versicherungsrechtlichen Sinn zu beseitigen.

Die Zeitung berichtet: „In einer gemeinsamen Sitzung des Betriebsrates mit der Geschäftsführung wurden am 15. April zwei Betriebsvereinbarungen beschlossen. Wie es einleitend zu der ersten Betriebsvereinbarung heißt, sind sich die beiden Gremien darüber einig, dass es im allseitigen Interesse liegt, wenn für alle Mitarbeiter der gleiche arbeitsrechtliche Status gilt. Ab 1. Juni 1970 wird bei der Volvo Dietzenbach der Arbeiterstatus durch den Status des BGB-Angestellten ersetzt. Sämtliche Mitarbeiter, welche Arbeiter im sozialversicherungsrechtlichen Sinne sind, erhalten einen Einzel-Arbeitsvertrag“. Das „Dietzenbacher Volvo-Modell“ werde vielleicht einmal Furore machen, zumindest aber einen neuen Weg aufzeigen. Es sei nicht von einem Tag auf den anderen entstanden, wie Direktor Nils Ericsson festgestellt habe. Das Thema habe in den letzten Monaten vielmehr „in der Luft gelegen“, von wem die Idee ausgegangen sei, sei aber nicht mehr feststellbar. Die Gemeinde-Post schreibt: „Die Geschäftsleitung, und das ist vielleicht das Bemerkenswerte, legte im Dezember einen Vorschlag auf den Tisch des Hauses, in den letzten beiden Monaten wurden dann Vorschläge und Gegenvorschläge diskutiert und schließlich ausgehandelt. Direktor Nils Ericsson stellt fest, dass gerade bei der Volvo der Kontakt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sehr eng sei, dass man sich eigentlich immer als Mitarbeiter gesehen habe und überhaupt nicht als Arbeiter hier und Angestellter dort. Man habe also auch hier unkonventionell miteinander gesprochen, keiner sei mit unerfüllbaren Forderungen konfrontiert worden.“

Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule an der Schulstraße bereitet derweil die Einschulung des nächsten Jahrganges vor. Wie die Ortszeitung ankündigt, ist zum „Schulreifetest“ eingeladen. „Jetzt schon macht die Dietrich-Bonhoeffer-Schule die Eltern der Schulanfänger auf einige Notwendigkeiten aufmerksam. Die erwünschten Verhaltens- und Ordnungsformen des Kindes bei der Einschulung sind: selbstständiges An- und Ablegen der Oberbekleidung, Öffnen und Verschnüren der Schuhe, selbstständiges Ordnen der Kleidung nach dem Benutzen der Toilette, Kenntnis des Schulweges, selbstständiges Vorbereiten von Schreib- und Malgeräten.“

Schon jetzt würden die Erziehungsberechtigten hinsichtlich des Schulweges um Folgendes gebeten: „In der folgenden Zeit nach dem Schulanfang ist es aus pädagogischen und organisatorischen Gründen sinnvoll, wenn die Erziehungsberechtigten die Kinder am Hoftor verabschieden.“ Aufgezählt wird in der Zeitung auch das Material, das für den Unterricht angeschafft werden muss: Federmäppchen mit zwei weichen Bleistiften und Farbstiftsammlung, ein Zeichenheft mit Seidenpapierlage, ein Stiftspitzer mit Abfallsammler, zwei Schreibhefte und zwei Rechenhefte. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass „Schiefertafeln oder Ähnliches“ nicht mehr benutzt werden.

Aus Gründen der „rationelleren Verwaltung“ geht Dietzenbach nun auch einen großen Schritt Richtung Datenbearbeitung. Wie die Gemeinde-Post mitteilt, hat sich die Verwaltung der „Kommunalen Datenzentrale“ Hessen angeschlossen und sie mit der Ausführung der Programme Einwohnermeldewesen, Steuern sowie Verbrauchsabrechnung beauftragt. Nach einer Zuschrift der Datenzentrale sei für die laufende Verarbeitung der Programme Kostenfreiheit zugesichert.

Von Barbara Scholze

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare