Kein unbeschriebenes Blatt

14 Vorstrafen und Gerichtstermin „voll vergessen“: Mann aus Dietzenbach kommt in den Knast

Ein Mann aus Dietzenbach muss wohl für 19 Monate in den Knast (Symbolbild).
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Ein Mann aus Dietzenbach muss wohl für 19 Monate in den Knast (Symbolbild).

Ein 23-jähriger Mann aus Dietzenbach hatte seine Vorstrafen und Gerichtstermine einfach „vergessen“. Deshalb droht ihm jetzt das Gefängnis. 

  • Mann (23) aus Dietzenbach muss wohl in den Knast
  • Er handelte mit Drogen
  • Ein unbeschriebene Blatt ist er wahrlich nicht

Dietzenbach – Oft setzt ein Gericht eine Strafe von unter zwei Jahren Gefängnis zur Bewährung aus – nicht so bei einem Mann aus Dietzenbach. Weil das Amtsgericht in Offenbach bei dem 23-Jährigen keine positive Sozialprognose sah, setzten Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen die 19 Monate Haft wegen Drogenhandels nicht zur Bewährung aus.

Mann aus Dietzenbach (23) muss wohl in den Knast: Stundenlang taucht er nicht zum Gerichtstermin auf

Der Angeklagte taucht zunächst nicht auf. Nach zwei Stunden führt die Polizei ihn vor. „Voll vergessen“, erklärt er seine Absenz. Die Staatsanwältin wirft ihm Drogenhandel vor. Am 8. November 2018 habe er neben 81 Gramm Haschisch mit einem Rausch erzeugenden THC-Gehalt von 22 Prozent auch noch eine Feinwaage sowie 95 Euro in szenetypischer Stückelung kleiner Scheine bei sich geführt, ein Indiz für Handel.

Ein Polizist erzählt, wie er mit einer Kollegin auf dem Masayaplatz auf den 23-Jährigen aufmerksam wurde. Der Angeklagte habe sich entfernt, als er die Beamten sah. Als der Dietzenbacher im Gehen einen Bekannten per Handschlag grüßte, habe der Polizist eine Personenkontrolle angekündigt, worauf „fußläufig eine Verfolgungsjagd begann“. Die endete gut zweihundert Meter weiter am Theodor-Heuss-Ring mit dem Klicken der Handschellen. Unterwegs hatte der Angeklagte zwei Gegenstände ins Gebüsch geschmissen: Eine Haschischplatte und eine Feinwaage, die er erst mal nicht als sein Eigentum akzeptierte, „das lag dort schon“.

Dietzenbach: Wohl Knast für 23-Jährigen – Sein Verteidiger bestreitet den Drogenhandel

Pflichtverteidiger Hans Georg Kaschel räumt nun für seinen Mandanten den Drogenbesitz ein, bestreitet aber den Handel. Der Angeklagte erklärt, die Drogen habe er für sechs Euro das Gramm „irgendwo in Frankfurt zum Eigenkonsum gekauft“. Die Feinwaage habe er lediglich bei sich geführt, weil er das Gewicht gerne exakt austariere, bevor er einen Joint baue. Später wird die Staatsanwältin kommentieren, ein so abwegiges Argument noch nie gehört zu haben. Der Polizist erläutert zudem, im Dietzenbacher Drogenhandel sei das Unverpackt-Prinzip durchaus Usus, „man schneidet vor dem Kunden ab und wiegt“.

Der Angeklagte hinterlässt einen lethargischen Eindruck. Als Richter Beck ihn fragt, ob er schon einmal an eine Drogentherapie gedacht habe, antwortet er, das brauche er nicht, er kiffe nur noch am Wochenende und werde ohnehin aufhören, weil er den Führerschein machen wolle. Seit anderthalb Wochen habe er eine feste Arbeitsstelle. 

Wo die sich befindet, will er nicht sagen, wie viel er verdient, könne er noch nicht benennen. Die Antwort auf die Frage der Staatsanwältin, wie er als damals Arbeitsloser die angeblichen 480 Euro für die Haschischplatte neben den 95 Euro in der Brusttasche finanzierte, bewegt sich im Ungefähren. Er habe „mal hier und mal da gearbeitet“.

Dietzenbach: 23-Jähriger hatte bereits 14 Vorstrafen – Körperverletzung, Hehlerei, Drogen

Die Staatsanwältin sieht keinen Grund, die von ihr geforderten 21 Monate Gefängnis mit einer Bewährungschance zu verbinden. Dagegen sprächen schon die 14 Vorstrafen, die sich aus Delikten wie Diebstahl, gemeinschaftliche Körperverletzung und Nötigung, Hehlerei und Drogenbesitz zusammen setzen.

Alleine, dass er einen Gerichtstermin wie heute nicht wahrnehme, komplettiere die schlechte Sozialprognose, „angeblich haben sie seit anderthalb Wochen einen Vollzeitjob, wollen aber nicht sagen, wo der sein soll“. Rechtsanwalt Kaschel sieht hingegen einen minder schweren Fall von Drogenbesitz, „das bedeutet unter einem Jahr Gefängnis, selbstverständlich zur Bewährung ausgesetzt“. Er sieht den Besitz einer Feinwaage nicht als zweifelsfreien Beweis für Drogenhandel.

Richter Manfred Beck und die Schöffen folgen der Staatsanwältin, „sie können keinen Arbeitsvertrag vorlegen, was sie sagen, klingt alles wischiwaschi“. Beck rät ihm, sich um eine Drogentherapie zu bemühen. Für den Fall, dass er Berufung einlege, erhöhe das seine Chance auf Bewährung, „im Moment rechnen wir damit, dass weitere Straftaten von ihnen ausgehen“.

Zu 14 Monate auf Bewährung verurteilte das Offenbacher Schöffengericht einen anderen 30-jährigen Dietzenbacher aufgrund Drogenhandels. Beamte fanden auch bei ihm auch Feinwaagen.

Am Ende waren es die Vorstrafen, die einem Dietzenbacher 26 Monate Haft wegen Drogenhandels einbrachten. Vielleicht muss er aber länger hinter Gitter.

Von Stefan Mangold

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