Comedybühne unter freiem Himmel

Mit Malle-Urlaubern und Zombies im Waldschwimmbad in Dietzenbach

Vom Ballermann auf die Comedybühne: Christoph Visone alias Manni Radtke ist einer der Künstler, die im Waldschwimmbad in Dietzenbach zu Gast waren.
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Vom Ballermann auf die Comedybühne: Christoph Visone alias Manni Radtke ist einer der Künstler, die im Waldschwimmbad in Dietzenbach zu Gast waren.

Zur dritten Runde in der Veranstaltungsreihe „Kultur im Liegestuhl“ hatten die Verantwortlichen des Capitols zusammen mit Frank Hilsamer die Comedybühne ins Open-Air-Kino auf dem Waldschwimmbad-Gelände in Dietzenbach gebracht.

Dietzenbach – Fünf Künstler gaben sich dabei mit Moderator Hilsamer die Klinke in die Hand und mit ihren Geschichten, die das Leben schreibt, die Lachmuskeln der rund einhundert Gäste gekitzelt.

Weiße Tennissocken schauen aus den Cowboystiefeln heraus, eine kurze Hose und die Vokuhila-Frisur komplettieren den Look des tollpatschigen Hessen Manni Radtke. Christoph Visone verkörpert dabei den typischen Malle-Urlauber. Gerade aus dem Ein-Sterne-Hotel in El Urinal zurück, berichtet er von Verständigungsproblemen und Seltsamkeiten auf der Insel. „Ey, die haben da sogar nen Ballermann Null“, zeigt er sich verwundert und mutmaßt: „Vielleicht waren die Zahlen einfach all, aber noch Strand übrig.“

Was etwa Schienbeine und Fußballregeln gemeinsam haben, weiß Uwe Spinder zu erzählen: „Beide werden nicht gerne gebrochen!“ Mit den schönsten Anekdoten vom Weltfußball bis in die Kreisliga hat er sich in seinem Programm „Da lacht der Fußball“ komplett dem runden Leder verschrieben. Es geht etwa um die Grätschen-Götter aus den 1980er-Jahren, die mit 19er-Aluspitzen an den Sohlen noch echte Verletzungen hervorbrachten und bei denen der rausgesprungene Meniskus vorm Weiterspielen schnell mit der Eckfahne wieder reingedroschen wurde. Ganz der Überzeugung, dass zu viel Gehirn die Beine lähmt, sieht er so manchen heutigen Fußballer ja auch als munddoof.

Musikalisch schickt Frank Hilsamer als Udo Lindenberg den „Sonderzug nach Pankow“ durch die Reihen der Liegestühle und animiert mit Titeln wie „Cello“ oder „Mein Ding“ zum Mitklatschen. „Das Konzept mit Comedy, Kabarett und Musik passt perfekt zum Kultursommer“, sagt Alexander Graff vom Team der städtischen Kulturplanung.

Als Zombie ist Gerhard ja Fleischfresser, Menschenfleisch natürlich. Am besten schmeckt ihm das Gehirn. „Da brauchst du ja keine Angst vor mit zu haben“, beruhigt die kleine grüne Puppe so manchen Besucher der ersten Reihen. „The walking Gerd“, wie Puppenbändiger und Bauchredner Markus Wissel seinen Bühnenpartner nennt, will jetzt sein eigenes Geld verdienen. „Ersatzteile. Also menschliche.“ Name und Motto für das Gewerbe stehen schon fest: „Niere to go – Nimm zwei, zahl drei, bei Zombies Innerei.“

Von so viel Männerüberschuss auf der Bühne lässt sich Comedy-Newcomerin Jules nicht einschüchtern. „Hi, ich bin Jules und ich produziere Kot“, stellt sie sich den Gästen vor. „Zumindest sagt mein Chef ständig, ich würde nur Kacke bauen, was sicher an meiner Schusseligkeit liegt.“ Als Erfinderin der digitalen Demenz zieht sich die Vergesslichkeit, die bereits in der Schulzeit mit dem Turnbeutel anfing, bis heute durchs Leben der Programmiererin. Das war damals gar nicht so schlimm, da sie sogar vergas, dass sie den Turnbeutel vergessen hatte. Das Blöde waren eher die ebenfalls vergessenen Schulbrote darin, die dann fast selbst samt Turnbeutel in die Schule laufen konnten.

„Die Atmosphäre ist einfach toll hier“, sagt Besucher Martin Rehs begeistert. Gemeinsam mit Familie und Freunden nutzt er die Chance, nach der langen Corona-Zwangspause endlich mal wieder Kultur zu erleben. „Schön, mal wieder unter Leute zu gehen. Trotz Abstandsregeln fühlt man sich endlich wieder als Teil der Community.“

Mit der weitesten Anreise in die Kreisstadt hat der selbst ernannte Eheflüsterer Niko Formanek aus Wien so manch aberwitzige Alltäglichkeit im Gepäck. Nach 30 Ehejahren hält der Mittfünfziger den Paaren im Publikum den gesellschaftlichen Spiegel vor. Damals sei er seiner Frau etwas zu fett gewesen, was sie aber nicht direkt gesagt habe. „Frauen sagen fast nie etwas direkt“, erläutert er. „Sie sagte: Schatz, ich bekomme keine Luft mehr.“ Je länger eine Beziehung dauere, umso sonderbarer seien die Gründe für einen Streit, erkläutert er. Da war sein Blick beim Parkettwischen mal nicht fröhlich genug für seine Gattin. Ihre verbale Reaktion: „Da kann ich es mir ja gleich selber machen.“ Denselben Satz habe er dann aus Spaß mal beim Sex probiert. „Das kam nicht so gut an. Resultat: Drei Wochen Couch.“

Von Sascha Dreger

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