Rebensaft aus verschiedenen Regionen

Weinfest auf dem Europaplatz zum Auftakt gut besucht

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Noch bis zum 5. August reihen sich die Weinstände auf dem Europaplatz aneinander.

Dietzenbach - 32 Stände, 31 Grad und 355 sehnsüchtige Tage seit dem letzten Fest. Mit diesen Zahlen eröffnet Bürgermeister Jürgen Rogg zusammen mit den drei Groß-Umstädter Weinhoheiten Mélissa I. , Johanna und Jana das 24. Weinfest der Kreisstadt. Von Lisa Schmedemann 

Für die nötige Grundlage sorgt Josef Rothmann mit seinem Brezelstand bereits zum 24. Mal.

Noch bis zum Sonntag, 5. August, bieten Winzer aus Rheinhessen, Franken und Württemberg ihre Spezialitäten an. Am Eingang des Weindorfes hat die HSG Dietzenbach seit einigen Jahren ihren festen Platz. Von dort hat man einen einen guten Blick über die Besucher des Festes: Mit einem Lächeln betreten die Menschen den Europaplatz, um entweder gemütlich über das Fest zu schlendern oder zielstrebig den Stand des Lieblingswinzers aufzusuchen. „Es ist fast, als hätten wir hier Adressen“, findet der Vorsitzende Peter Werkmann, „die Leute wissen ganz genau, wo die Stände stehen.“ Heftet man sich einem Schlendernden an die Fersen, lernt man schnell die Gründe kennen, weshalb die Dietzenbacher ihr Weinfest so schätzen. Auf der Live-Bühne liefern das Folk-Duo Tito die passende Hintergrundmusik für den lauschigen Sommerabend, in dessen sanfter Brise sich die Düfte verschiedenster Köstlichkeiten verteilen. Crêpes, Langosch, Käsespätzle? So verschieden wie die Weine ist das Essensangebot allemal.

Warteschlangen gibt es eigentlich an fast jedem Stand, die Sitzplätze werden rar, doch der Strom an Besuchern versiegt nicht. Alte Freunde, die sich nur einmal zu dieser besonderen Zeit im Jahr sehen, begrüßen sich mit herzlichen Umarmungen. „Ich liebe unser Weinfest, die Gesellschaft und dieses Stück Kultur, das Dietzenbach dadurch erhält“, sagt der Besucher Manuel Sundt. Er selbst bevorzugt Gebrautes aus Gerste und Hopfen, was der Bierkrug in seiner Hand verrät. „Wein ist zwar nicht meins, aber ich freue mich auf die Leute, die ich hier treffe“, erzählt er weiter. Wenn sich die Sonne langsam gen Horizont neigt, tauchen die Lampen und Lichterketten das Weindorf in eine besondere Atmosphäre.

Erster Stadtrat Dieter Lang und Bürgermeister Jürgen Rogg ließen sich die edlen Tropfen bereits schmecken.

Einen Punkt ignorieren die Besucher kollektiv: Eigentlich ist es viel zu heiß. Der Winzer Rudolf Dentzer aus dem 140 Kilometer entfernten Albersweiler bilanziert: „Es wird zwar mehr Weinschorle getrunken, aber manchen macht die Hitze gar nichts aus.“ Bereits zwei Wochen vor Beginn des Weinfestes habe er in der Heimat Anrufe zur Tischreservierung bekommen. Das ganze Wochenende sei täglich mindestens die Hälfte der Plätze schon vorab vergeben gewesen. Zwar mache das Wetter den Stammkunden des Winzers nicht zu schaffen, setze dafür aber seinen Reben in der Pfalz umso mehr zu. „Die haben deutlich früher ausgetrieben“, sagt Dentzer. Wie sich das auf die Qualität des Weines auswirkt, lasse sich nicht sagen. „Hoher Alkoholgehalt, wenig Aroma – oder es kommt doch ganz anders“, spekuliert er.

Wo eine Leidenschaft brennt, sind hohe Temperaturen nicht weit. Mit der Brezelwerkstatt am Eingang zum Rathauscenter versorgt Josef Rothmann seine Kunden mit frischgebackenen Riesenbrezeln, die vor den Augen der Hungrigen gerollt und geschlungen werden. In dem hölzernen Anhänger herrschen zwischen 70 und 80 Grad. „Wenn ich dann mal aus dem Wagen gehe, fühlt sich das an wie ein Kühlschrank“, beschreibt der Saarländer. Für viele Menschen in der Region gehören die großen Teigknoten zum Weinfest dazu; schließlich verströmt er zum 24. Mal in der Kreisstadt den Duft frischen Laugengebäcks. Von Mai bis August sei er mit seiner Familie auf den Weinfesten in der Region unterwegs. „Eigentlich bin ich im Ruhestand, aber solange die Gesundheit es erlaubt, backe ich“, sagt der 65-jährige. Seine Tochter Susanne hilft mit und während der Sommerferien sind auch ihre Söhne dabei. Vor 27 Jahren hat es den Saarländer per Zufall nach Hessen verschlagen.

Tolle Stimmung beim Weinfest in Dietzenbach: Bilder

In Dietzenbach eröffnete Rothmann damals seinen ersten Imbiss mit Currywurst und Co. „Meine Imbissbude hat man mir zu Schrott gefahren und war nicht mehr zu retten“, erzählt er. Weil Brezeln gut zu Wein passen, nicht kleckern und auf der Hand gegessen werden können, entschied er sich kurzweg für die Brezelwerkstatt. „Am Tag verarbeiten wir etwa 200 Kilo Teig, unter der Woche sind es um die 150 Kilo“, erzählt Tochter Susanne Boiger-Schwarz, während sie eine weitere dampfende Brezel aus der Bude gibt. Neben dem unangefochtenen Brezelkult macht der Handballer Werkmann eine Beobachtung: „Hugo und Aperol Spritz sind gar nicht mehr so gefragt, dafür kommt der Sangria wieder in Mode.“ Den Vorsitzenden freut es. „Die Fruchtspieße für das Getränk kann man schon einmal vorbereiten und sie nehmen nicht so viel Platz weg“, sagt er. Manchmal wünsche er sich trotzdem zwei Quadratmeter mehr Raum hinter der Theke.

Ob Traubensaft, Weinschorle oder pur: Bis Sonntag, 5. August, kann sich jeder Besucher durch das feine Angebot auf dem Europaplatz probieren. Geöffnet ist das Weindorf täglich von 17 bis 24 Uhr.

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