Wer ist zuständig?

Wenn Corona Urlaub kostet: Missverständnis um Krankschreibung

Was machen, wenn man an Corona erkrankt ist? Ralf Burggraf kostete diese Frage insgesamt zwei Wochen seines Urlaubs.
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Was machen, wenn man an Corona erkrankt ist? Ralf Burggraf kostete diese Frage insgesamt zwei Wochen seines Urlaubs.

Wer ist bei Covid-19 für die Krankschreibung zuständig? Wegen Verwirrung und Missverständnissen verlor ein Mann aus Dietzenbach zwei Wochen seines Urlaubs.

Dietzenbach – Einen Tag vor seinem Urlaub sei er Anfang April positiv auf Corona getestet und vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt worden. Von seinen drei Urlaubswochen habe er zwei mit Fieber, Husten, Schnupfen und Kopfschmerzen im Bett verbracht, berichtet Burggraf. Weil die Meldung des Gesundheitsamtes nicht als Krankschreibung ausreicht, habe der Arbeitgeber ihm die zehn Urlaubstage nicht gutschreiben können.

Seine Hausarztpraxis habe ihm die Krankschreibung verweigert mit der Begründung, das Gesundheitsamt sei für ihn zuständig. Auch von seiner Krankenkasse habe er die entsprechende Auskunft erhalten. Dort sei ihm außerdem gesagt worden, er müsse die Urlaubstage gerichtlich einklagen.

Dietzenbach: Bei Corona ist der Hausarzt für Krankschreibung zuständig

Eine Sprecherin des Kreises Offenbach klärt auf: „Wenn das Gesundheitsamt einen Covid-Infizierten unter Quarantäne stellt, und dieser hat keine Symptome und kann nicht von Zuhause aus arbeiten, muss der Arbeitgeber die Erstattung seines Verdienstausfalls beim Regierungspräsidium geltend machen.“ Gleichzeitig betont sie, dass bei einer Infektion mit Symptomen weiterhin – und unabhängig von der angeordneten Quarantäne – der Hausarzt für die Krankschreibung zuständig ist. Auch die Krankenkasse von Ralf Burggraf beruft sich auf diese Regelung. „Da keine Krankschreibung vorliegt, können wir als Krankenkasse nichts machen“, so eine Sprecherin. „Bei den Urlaubstagen kann nur der Arbeitgeber handeln, da haben wir keinerlei Spielraum“, bedauert sie.

Dietzenbach: Unklarheit bei Corona-Infektion

In der Hausarztpraxis von Burggraf widerspricht man der Schilderung des Dietzenbachers: Dieser habe sich viel zu spät gemeldet. „Ich kann einen Patienten nur maximal drei Tage rückwirkend krankschreiben, er wollte jedoch eine Bescheinigung für zwei Wochen“, so die Hausärztin. „Selbstverständlich bekommt jeder, der unter Symptomen leidet, eine Krankschreibung“, stellt sie klar.

Burggraf hingegen weist die Darstellung der Ärztin zurück: Er habe am ersten Tag seiner Quarantäne in der Praxis angerufen und geschildert, dass er Fieber, Kopfschmerzen, Husten und Schnupfen habe. Am Telefon sei er mit dem Hinweis auf das Gesundheitsamt von einer Sprechstundenhilfe abgewimmelt worden. „Ich finde es schade, dass die Ärztin nicht zu der Auskunft ihrer Sprechstundenhilfe steht.“ (Niels Britsch)

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