Als Gemeinschaft gestärkt

So geht die Arbeit der Dietzenbacher Kirchengemeinden in der Coronakrise weiter

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St. Martin im Sonnenlicht: Dass Glaube dieser Tage Halt gibt, davon sind Dietzenbachs Geistliche überzeugt. Sie sind darum auch weiterhin für ihre Gemeinden da.

Wie alle Versammlungen und Zusammenkünfte sind derzeit auch die Gottesdienste abgesagt. Das Leben in den Kirchengemeinden steht dennoch keinesfalls still, die Arbeit der Seelsorger geht weiter. Nur eben anders als bisher.

Dietzenbach – „Ich bin der festen Überzeugung, dass uns der Glaube trägt, auch über so etwas hinweg“, sagt Stefan Barton, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Martin. Eine ungewohnte Situation sei es auf jeden Fall für die Pfarreien.

Öffentliche Gottesdienste finden in der Kirche an der Offenbacher Straße seit dem 13. März keine mehr statt. Der Priester steht aber weiterhin zu Gebeten und Gottesdiensten in der Kirche, allerdings ohne Gläubige. „Das mutet schon etwas seltsam an“, das muss er zugeben, dennoch seien diese Rituale gerade in einer Zeit wie dieser wichtig. Aus diesem Grund werde aktuell auch um 18 Uhr zum Abendgebet geläutet. „Es ist eine Einladung an alle, zusammen zu beten und zur Ruhe zu kommen“, sagt Stefan Barton. Generell hätte seine Gemeinde einen großen Teil des Engagements auf die Homepage verlegt. Damit die Gemeinde zu den Gottesdiensten symbolisch zusammenkommt, wird dort etwa zu einer „Selfie-Aktion“ aufgerufen. „Die Leute sollen Fotos von sich einschicken, die wir dann an die Kirchenbänke kleben“, erläutert der Pfarrer. Es soll ein Weg sein, trotz der aktuellen Beschränkungen die Gemeinschaft zu stärken.

Auch die beiden evangelischen Kirchengemeinden in der Kreisstadt suchen Wege, mit der aktuellen Situation bestmöglich umzugehen, trotz allem für die Gemeindemitglieder da zu sein. Der Pfarrer der Martin-Luther-Gemeinde, Uwe Handschuch, erzählt, wie er am vergangenen Samstag einen Gottesdienst in der Waldkirche gefeiert hat. Natürlich ebenfalls ohne seine Gemeinde, aber mit Unterstützung seiner Familie. „Meine Tochter hat Orgel gespielt, meine Frau hat die Lesung übernommen.“ Das Ganze hat der Pfarrer mit dem Handy gefilmt und noch am gleichen Abend auf die Internetseite der Gemeinde hochgeladen. Rund 80 Mal sei das Video geklickt worden. „In etwa so viele Menschen, wie auch normal den Sonntagsgottesdienst besuchen.“ Uwe Handschuch wird darum auch weiterhin Gottesdienste vorbereiten und sie mit seiner Gemeinde teilen.

Gemeinsame Gebete und Gottesdienste, die sollen auch dem Alltag in der evangelischen Christus-Gemeinde weiterhin Struktur geben. Die beiden Pfarrerinnen Claudia Pisa und Andrea Schwarze arbeiten an der Umsetzung. „Das ist ja alles Neuland für uns“, sagt Andrea Schwarze. Ihre Kollegin Claudia Pisa habe nun etwa den Hausgottesdienst ins Leben gerufen. Das Prinzip: Die Gläubigen melden sich bei der Pfarrerin, bekommen dann einen Ablaufplan mit Texten, Liedern und einem geistlichen Impuls zugeschickt. Dann, sonntags um 10 Uhr, wenn normal der Gottesdienst in der Christuskirche stattfinden würde, feiert jeder zu Hause, aber doch irgendwie in Gemeinschaft. „So die Idee, natürlich spricht nichts dagegen, das auch zu einem anderen Zeitpunkt zu machen“, sagt Schwarze. Zeitnah sollen die Unterlagen auch im Internet zur Verfügung gestellt werden. Außerdem, erzählt Andrea Schwarze weiter, rufe die Evangelische Kirche deutschlandweit die Gläubigen täglich um 18 Uhr zum Balkonsingen auf. Auch die Christus-Gemeinde beteiligt sich. „Es wird eine Kerze ins Fenster gestellt und gemeinsam ,Der Mond ist aufgegangen‘ gesungen.“ Die Pfarrerin ist überzeugt davon, dass es den Menschen jetzt helfen kann, sich zum einen an gewissen Strukturen wie dem Sonntagsgottesdienst, aber auch an den bekannten christlichen Texten oder Gebeten, zu orientieren. „Das gibt auf jeden Fall Halt.“ Wer sich ein Gespräch mit den Pfarrerinnen und Pfarrern wünscht, hat dazu auch weiterhin die Gelegenheit. Telefonisch stehen sie alle zur Verfügung, hören zu.

Ansonsten, das berichten die Geistlichen aller drei Gemeinden, sei ihr derzeitiger Alltag insbesondere von Organisatorischem geprägt. „Besuche und Veranstaltungen sind abzusagen, ehrenamtliche Helfer zu koordinieren“, sagt Uwe Handschuch. Außerdem überlegen alle Gemeinden, wie sie das Osterfest, das in diesem Jahr ebenfalls nicht wie gewohnt gefeiert werden kann, begehen. „Das war eine Nachricht, die mich schon sehr traurig gestimmt hat“, erzählt Andrea Schwarze. Schließlich seien es ganz besondere Feiertage. Dennoch: Die Pfarrerinnen und Pfarrer wollen Wege finden, trotz Corona-Krise. „Ich bin jedenfalls voller Zuversicht, dass wir als Gemeinschaft letztlich gestärkt aus dieser Situation hervorgehen“, sagt Stefan Barton.

VON LENA JOCHUM

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