Wildhof berät vor Medizinisch-Psychologischer Untersuchung

Hilfe bei Rückkehr in die Spur

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Peter Heeg-Matthaei und Christina Heil wissen, worauf es ankommt, wenn man seinen Führerschein entzogen bekommen hat und eine MPU meistern muss.

Dietzenbach - In einer kleinen Serie stellen wir das Angebot des Suchthilfezentrums Wildhof vor. Dazu zählt auch die Vorbereitung auf eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung. Von Christian Wachter

Was Matthias Klingbeil (Name von der Redaktion geändert) an einem der wichtigsten Tage seines Lebens machen wird, weiß er schon genau. Einfach fahren. Rein in die Karre und ab auf die A3. Im Frühjahr 2015 krachte er mit seinem Wagen auf einem Parkplatz in andere Autos, keine Verletzten. Gut 80 Tagessätze, 12.000 Euro, zwei Jahre und eine bestandene MPU, eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung, später, ist er kurz davor, seinen Führerschein wiederzubekommen. Geschafft habe er das auch mit der Hilfe im Suchthilfezentrum Wildhof. „Einfach eine super Geschichte“, betont er.

Zur MPU muss, wer den Führerschein entzogen bekommen hat und an wessen Eignung zum Führen eines Kraftwerkzeugs die Fahrerlaubnisbehörde Zweifel hegt. In Hessen passiert das beispielsweise, wenn man mit mehr als 1,6 Promille, wiederholt mit mehr als 0,5 Promille oder psychoaktiv wirkenden Stoffen erwischt wird. Auch bei erheblichen Straftaten im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr oder einem überfüllten Punkte-Konto in Flensburg ist es soweit.

Neben den medizinischen Untersuchungen, bei denen etwa geschaut wird, ob Alkohol zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt hat, sowie Leistungs- und Reaktionstests, wollen Prüfer auch psychologisch überzeugt werden. Einfach zu erzählen, man habe einen Fehler gemacht, der nicht wieder vorkomme und sich geändert, damit ist es dann längst nicht getan. Unterstützung ist also vonnöten. Die gibt es unter anderem beim Suchthilfezentrum Wildhof, maßgeblich in Offenbach, aber auch in der Außenstelle an der Offenthaler Straße. Wenn Betroffene bei ihr anrufen, erzählt Christina Heil, seien sie oft den Tränen nah. Weil sie ihnen erklären müsste, dass mit Ablauf der Sperrfrist der Führerschein nicht einfach zurückkommt und sie Zeit versäumt haben, um Abstinenznachweise zu sammeln.

„Da fehlt die Transparenz, die Führerscheinstellen geben nicht Bescheid.“ So sei schnell ein Jahr verschenkt. Die Führerscheinlosen werden in zirka neun Beratungsstunden auf das vorbereitet, was ihnen abverlangt wird. „Gerade wer unter Drogen- oder Alkoholeinfluss fährt, hat ein Problem“, ist sie überzeugt.“ Ein erster wichtiger Rat von ihr: „Googeln Sie nichts, fragen sie keine Bekannten, es wird viel Mist erzählt, etwa, dass man bei der psychologischen Untersuchung gar nichts sagen soll – nach dem Motto im Zweifel für den Angeklagten.“ Auch der Besuch bei einem Anwalt hätte manch einen eher wertvolle Zeit gekostet als geholfen.

Heil will auch vermitteln, wie wichtig es ist, die Zusammenhänge zwischen Lebensverlauf, Konsumverhalten und Fahrauffälligkeit zu erkennen – selbstkritisch. Dass darauf auch die Prüfer Wert legen, erfuhr sie schon bei einem Praktikum zu Studienzeiten beim TÜV. „Irgendeinen Grund gibt es immer, und bei einer Sucht verselbständigen sich die Probleme“, sagt sie. Oft könne sie den Klienten schon mit der einfachen Frage, was sie für ihre Zukunft planten, aufzeigen, was sie selbst an sich gar nicht wahrnehmen.

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Ein Schema F, nach dem sich mit einstudierten Antworten der Prüfer überzeugen lässt, das gibt es also nicht. Und so zeigt auch Heils Kollege Peter Heeg-Matthaei jenen, die zu ihm kommen, dass sie ihre eigenen Hintergründe aufarbeiten und neue Glaubens- und Konsummuster glaubhaft vermitteln sollten. „Was hat sich unter Alkoholeinfluss geändert?, Was sind die typischen Rückfallsituationen? Wie war die Zeit der Umstellung?“ Wer da einfach behauptet, eine Rückfallgefahr sei ausgeschlossen und die Umstellung kein Problem gewesen, der wird in stutzige Augen blicken und auch die Eignungsbedenken der Führerscheinstelle kaum ausräumen.

So ganz einfach war das für Klingbeil nicht. „Ich habe mich während der Vorbereitung mit meiner persönlichen Vergangenheit befasst, oft wurde dabei auch provokativ nachgefragt.“ Er habe aber immer gespürt, dass Heil ganz auf seiner Seite ist. Dass es überhaupt so weit kam, habe ausschließlich an der eigenen Unvernunft gelegen. „Ich schiebe da niemandem die Schuld zu, bin ganz alleine verantwortlich.“ Wie sehr ihm der Führerschein fehlte, habe er im Alltag dauernd gemerkt – weil er plötzlich dreimal so lange brauchte zu Arbeit, Sport oder Freunden. „Dann habe ich noch gedacht, verdammt war das teuer – aber eigentlich bin ich glimpflich davongekommen.“

‘ Wer sich über das Angebot informieren möchte, wählt s 069 9819530 oder 06074 6949617.

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