Wirtschaftsförderung unterstützt Einzelhandel

Vom Ortslädchen an die Haustür

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Auch eine Art, Kunden auf sich aufmerksam zu machen oder zu binden: Am verkaufsoffenen Sonntag verknüpfte das „Ideenhaus Schmidt“ eine kleine Kochpräsentation mit Häppchen für Besucher. Den Koch wird man wohl auch künftig nicht per Online-Bestellung geliefert bekommen. Haushaltswaren, aber auch Lebensmittel aus den entsprechenden Läden, dagegen möglicherweise schon. 

Dietzenbach -  Online einkaufen und nach Hause liefern lassen, aber bitte vom lokalen Händler des Vertrauens. Auf dieses Prinzip will die Wirtschaftsförderung gemeinsam mit einem Partnerunternehmen und den Einzelhändlern bauen. Von Nina Beck 

Das Internet macht dem Einzelhandel zu schaffen, wie überall, so auch in Dietzenbach. Nun sei es nicht das Ziel der städtischen Wirtschaftsförderung, gemeinsam mit der lokalen Geschäftswelt einen Kampf gegen den Online-Handel einzugehen. „Das wäre illusorisch, den würden wir verlieren“, sagte Wirtschaftsförderer Michael Krtsch in einem Pressegespräch. Stattdessen hat seine Abteilung bei einer Informationsveranstaltung mit Vertretern des Aktivkreises Altstadt, des Gewerbevereins und des lokalen Einzelhandels einen Lösungsansatz vorgestellt, wie inhabergeführte Geschäfte am Onlinehandel teilnehmen und damit ihre Marktpräsenz verstärken können.

Das Stichwort lautet: digitaler Marktplatz. Und den will die Wirtschaftsförderung gemeinsam mit dem Düsseldorfer Start-up-Unternehmen „HierbeiDir.com“ und dem Einzelhandel in der Kreisstadt etablieren. Geplant ist, gemeinsam eine Plattform aufzubauen, auf der lokale Händler, Dienstleister und Gastronomen vernetzt sind, sodass sich der Kunde leicht einen Überblick über das Angebot in der Stadt verschaffen und online einkaufen kann – nicht irgendwo auf der Welt, sondern eben beim lokalen Handel.

Ware soll binnen 120 Minuten geliefert werden

„Das läuft so“, erläutert Krtsch das Prinzip, „dass beispielsweise jemand im Internet eine bestimmte Pfanne sieht, die er gerne kaufen möchte. Der lokale Haushaltswarenladen, bei dem er sie entdeckt hat, bekommt eine Nachricht, muss das Produkt nur noch verpacken und zum Abholen bereitstellen.“ Der Partner, besagtes Start-up-Unternehmen, kümmert sich um den Transport zum Kunden, etwa per Fahrradkurier oder auch Kurierfahrer, wobei auf eine bereits bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden soll. Nach Möglichkeit wolle man darauf hinarbeiten, dass in Dietzenbach bestellte Ware binnen 120 Minuten geliefert wird. „Das ist natürlich erstmal nur ein Richtwert“, so Krtsch, „und heißt nicht, dass es nicht noch schneller gehen, gegebenenfalls auch etwas länger dauern könnte.“

Von weit offenen bis hin zu deutlich verschränkten Armen sei die Reaktion der Einzelhändler bei jener ersten Infoveranstaltung ausgefallen, sagte Krtsch. Und Bürgermeister Jürgen Rogg gab eine typische Aussage wieder: „Ich habe so wenig Personal und so viel zu tun, ich kann mich nicht auch noch darum kümmern, einen Internethandel aufzubauen.“ Der Vorteil bei der angestrebten Kooperation aber sei, dass eine technisch aufgesetzte Lösung bereits vorgegeben ist. Mitarbeiter des Start-ups kümmern sich auch ums Fotografieren und Einstellen der Ware ins Internet. Für alles zusammen zahlen die Einzelhändler, die „keine langfristige Vertragsbindung eingehen müssen“, einen monatlichen Paketpreis. Und das Start-up erhalte zudem eine durchschnittliche Provision von zehn Prozent am Online-Umsatz, so Rogg.

Welchen Lebensmittel-Ketten die Verbraucher vertrauen

Nach den bisherigen Erfahrungen des Düsseldorfer Unternehmens liege die Retourenquote dort bei etwa drei Prozent. „Wenn die Kunden etwas umtauschen, machen sie das meist direkt im Geschäft“, erläuterte Krtsch, der „Softfaktoren“ wie etwa ein persönliches Vertrauensverhältnis zu den wichtigsten Punkten zählt, warum dieses Modell auch in Dietzenbach funktionieren könnte. Im Juli/August will die Wirtschaftsförderung einen weiteren Workshop anbieten. „Unser Ziel ist es, bis zum Weihnachtsgeschäft unseren lokalen Online-Marktplatz etabliert zu haben“, sagte Rogg. Er gehe davon aus, dass man dann mit etwa fünf Einzelhändlern starten könne.

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