Zufällig auf die Schliche gekommen

40-jähriger Dietzenbacher bekommt wegen Drogenbesitzes zwei Jahre auf Bewährung

Zufällig entdeckten Polizeibeamte Marihuana-Pflanzen auf dem Balkon des Angeklagten. (Symbolbild)
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Zufällig entdeckten Polizeibeamte Marihuana-Pflanzen auf dem Balkon des Angeklagten. (Symbolbild)

Meistens gehören die Männer, die im Offenbacher Amtsgericht wegen Drogendelikten auf der Anklagebank sitzen, der jüngeren Generation an.

Dietzenbach –Der Dietzenbacher, den Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen wegen Besitzes und Handels zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilten, feierte in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag. Diesen sieht er als Anlass, sein Leben zu ändern. Vor allem der Vorlage eines Arbeitsvertrags verdankt es der Angeklagte, die verhängten zwei Jahre Gefängnis zumindest vorerst nicht absitzen zu müssen. Irgendwie kam die Polizei dem Mann im Juni 2019 eher zufällig auf die Schliche. Denn eigentlich hatte gegen seinen Nachbarn ein Durchsuchungsbefehl vorgelegen. Vielleicht sahen die Fahnder vom Balkon nebenan die 21 Marihuana-Pflanzen. In der Verhandlung ist das nur am Rande ein Thema. Der Angeklagte sagt dazu, „ich bin zum falschen Zeitpunkt nach Hause kommen“.

Richter Manfred Beck fragt den jugendlich wirkenden Mann nach seinem Werdegang. Das hört sich nicht so an, als sei er in einem Umfeld aufgewachsen, das einen fast zwangsläufig ins Drogenmilieu abrutschen lässt. Die Eltern können solide Erwerbsbiografien vorweisen. Er selbst schloss die Realschule ab. Mit einem Gesellenbrief im Handwerksmetier klappte es später allerdings nicht.

62,6 Gramm Haschisch und LSD-Trips gefunden

Staatsanwältin Isabelle Schad wirft ihm vor, Drogen besessen und Handel getrieben zu haben. In der Wohnung hatten sich neben den Cannabis-Pflanzen 62,6 Gramm Haschisch mit einem Anteil von knapp 26 Prozent an Rausch erzeugendem THC befunden. Außerdem sammelte die Polizei knapp 16 Gramm Amphetamin und drei Trips LSD ein, von denen der Angeklagte sagt, „die lagen schon ewig herum, ich weiß nicht, ob die noch wirken“. Später stoppte die Polizei den Angeklagten noch zweimal auf der Straße, als er mit dem Fahrrad durch Dietzenbach fuhr.

Dabei fanden sich wieder Drogen jenseits der geringen Menge: Amphetamin in Druckverschlussbeuteln, Cannabis in Folien plus Feinwaage. Klassische Utensilien eines Händlers. Deshalb fällt es nicht auf Anhieb leicht, zu glauben, was der Angeklagte über seinen Verteidiger Hans Georg Kaschel vortragen lässt. Er sei zwar schon ewig Drogenkonsument, aber kein Dealer.

Angeklagter zeigt sich vernünftig

Staatsanwältin Isabelle Schad hält das für eine Schutzbehauptung. Sie erwähnt die Amphetamin-Clip-Tütchen und die folierten Cannabis-Portionen samt Waage im Rucksack. „mir kann keiner erzählen, dass sei für den Eigenbedarf“. Der Angeklagte habe den Besitz zwar gestanden, „alles andere hätte aber auch keinen Sinn ergeben“. Weil sich der Mann „irgendwie ganz vernünftig zeige“, einen Arbeitsvertrag vorlegen könne, trotz Geldstrafen wegen Drogenbesitzes, Diebstahls und Körperverletzung als Erwachsener noch keine Haftstrafe kassierte, plädiert Schad auf zwei Jahre Gefängnisaufenthalt, zur Bewährung ausgesetzt, dazu eine Geldauflage von 1800 Euro. (Stefan Mangold)

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