Sorgenvoller Blick in die Zukunft

Dietzenbacher Einzelhandel zieht Zwischenbilanz zu den Folgen der Coronakrise

Dietzenbach von oben
+
Die Corona-Pandemie hat im Dietzenbacher Einzelhandel für einen tiefen Einschnitt gesorgt. 

Die Corona-Pandemie hat im Dietzenbacher Einzelhandel für einen tiefen Einschnitt gesorgt. Zwar haben die Geschäfte seit Ende April wieder geöffnet, doch die Ladeninhaber stehen auch fünf Monate danach vor großen Herausforderungen.

Dietzenbach – „Die Kunden haben uns etwa während des Lockdowns enorm unterstützt, doch allmählich ist zu spüren, dass einige vor den wirtschaftlichen Folgen der Krise Angst haben“, sagt Irmgard Weber von der Parfümerie am Stadtbrunnen. Denn die Kaufkraft habe durchaus nachgelassen. Der Vorsitzende des Dietzenbacher Gewerbevereins, Guido Kaupat, befürchtet zudem, dass sich die Situation weiter verschärft. „Wenn es zu zunehmenden Entlassungen und weiterhin zur Kurzarbeit kommt, werden die Menschen immer weniger Geld in die Geschäfte bringen“, sagt er.

Dass sich das Kaufverhalten verändert, muss auch Daniela Rogge von der Spielzeugkiste an der Schmidtstraße feststellen. „Es wird viel gezielter eingekauft“, sagt sie. Zeit zum Stöbern nehme sich kaum noch jemand. Den Grund dafür sieht sie in der Maske, die die meisten nicht länger tragen wollen, als unbedingt notwendig.

Für die Geschäftsfrau hat das zur Folge, dass insbesondere eher unbekannte Spiele nicht mehr so schnell im Einkaufskorb landen. „Vor Corona ist vieles beim Bummeln durch den Laden entdeckt und häufig auch gekauft worden“, sagt Rogge. Diese Einnahmen gehen ihr aktuell verloren. „Ich habe angefangen, die verschiedenen Produkte auf Instagram vorzustellen, um so auf sie aufmerksam zu machen“, sagt die Ladeninhaberin.

Ähnlich erfinderisch ist auch Diana Dutine-Löhr von „Dianas Kochwerk“, das ebenfalls an der Schmidtstraße liegt. Um ihren Gästen das Leben während der Pandemie zu versüßen, veranstaltet sie regelmäßig sogenannte „Special Nights“. „Ich dachte, wenn die Menschen schon nicht in Urlaub fahren können, dann bringe ich die verschiedenen Länder in kulinarischer Form zu ihnen“, sagt Dutine-Löhr. Doch auch sie verzeichnet, wie viele in der Gastronomie, deutliche Einbußen. „Die Einnahmen, die über Feste und Messen reingekommen wären, fehlen mir komplett“, sagt sie.

Hinzukomme, dass sie momentan nur zehn anstelle von 20 Tischen stellen könne. Mit dem, was derzeit reinkomme, könne sie lediglich Miete und Unkosten bezahlen. Auch das Unternehmen „K.S. Gourmet Partyservice und Catering“ von Ulrich Schmidt und Marion Kiefer-Schmidt hat es hart getroffen. „In die Kantine, die wir im Wetterdienst in Offenbach betreiben, dürfen aufgrund von Corona derzeit keine Gäste von außerhalb kommen“, sagt Schmidt. Er habe dafür vollstes Verständnis. Allerdings nehme er deutlich weniger ein. „Da wir eine Kantine sind, haben wir nur eine geringe Marge“, erläutert der gelernte Koch. Das bedeute, dass er auf eine große Anzahl an Kunden angewiesen sei. Erschwernd hinzukomme, dass er die Kantinen im Offenbacher Finanz- und Arbeitsamt zu Beginn des Lockdowns habe schließen müssen. „Im Finanzamt wollen wir nach den Herbstferien testweise Frühstück anbieten“, sagt der Dietzenbacher Unternehmer. Funktioniere das nicht, müsse die Küche dort geschlossen werden. „Wenn nicht bald ein Impfstoff entwickelt wird, sehe ich schwarz“, sagt Schmidt.

Ähnlich sehen das auch verschiedene Einzelhändler in der Altstadt. „Den Ausfall des Ostergeschäfts durch den Lockdown konnten wir noch gut überbrücken“, sagt Gabi Schmidt, Inhaberin von „Tischlein deck dich“. Auch sie berichtet, ähnlich wie Irmgard Weber von der Parfümerie am Stadtbrunnen, dass die Kunden sie in der schweren Zeit unterstützt haben. Doch: „Sollte es soweit kommen, dass die Läden etwa vor Weihnachten schließen müssen, wird es erheblich schwieriger, den Verlust auszugleichen.“ Auch Dutine Löhr vom Kochwerk sieht der kalten Jahreszeit mit negativen Gefühlen entgegen. Schließlich könne dann niemand mehr im Freien sitzen. „Für die Sommermonate hätte ich mir hingegen gewünscht, dass die Stadt den Gastronomen die Miete für den Außenbereich erlässt“, sagt sie. Auch Gabi Schmidt wäre über ein wenig mehr Hilfe aus dem Rathaus dankbar gewesen. „Uns mit Kleinigkeiten, wie etwa ein Werbebanner, zu unterstützen, hätte vollkommen gereicht“, sagt sie. (Von Anna Scholze)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare