Ziel: Fallzahlen reduzieren, Aufklärungsquote erhöhen

Ermittlungsgruppe der Polizei kämpft gegen Fahrraddiebstahl

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Trotz Videokameras sind Fahrräder – wie am Dietzenbacher Bahnhof – nicht vor Dieben gefeit.

Dietzenbach - In der Kreisstadt hat jeder 400. Bürger im vergangenen Jahr laut Statistik einen Fahrraddiebstahl zur Anzeige gebracht. Die Dietzenbacher Ermittlungsgruppe um Leiter Michael Berkefeld kümmert sich nun um solche Delikte in Stadt und Kreis Offenbach. Von Ronny Paul 

Seit Jahresbeginn kümmert sich die Dietzenbacher Ermittlungsgruppe (EG) um das „Sachgebiet Fahrrad“ in Stadt und Kreis Offenbach. Grund dafür ist eine organisatorische Umstrukturierung der Sachgebiete im Polizeipräsidium Südosthessen, erläutert Michael Berkefeld, Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter der EG. Zu den vier bisherigen Sachgebieten – „Personenbezogene Ermittlungen“, Gewaltkriminalität“, „Betrug“ und „Diebstahl und Prävention“ – haben die Dietzenbacher nun ein weiteres dazubekommen. Das Ziel ist ganz klar: „Fallzahlen reduzieren, die Aufklärungsquote erhöhen“, sagt der stellvertretene EG-Leiter Jürgen Basler, der mit dem Thema schon in seiner Zeit bei der Polizei in Offenbach befasst war.

Grundsätzlich gebe es beim Fahrraddiebstahl laut Basler hessenweit rückläufige Zahlen. 2017 wurden 13. 773 Räder gestohlen; das hat rund 8,65 Millionen Euro Schaden verursacht. In der Stadt Offenbach wurde im vergangenen Jahr jeder 250. Einwohner geschädigt, informiert der Polizeihauptkommissar, im Kreis Offenbach war es jeder 300. Bürger, in Dietzenbach jeder 400. Die Aufklärungsquote lag im vergangenen Jahr bei bescheidenen 8,3 Prozent (2016: 17 Prozent).

Auffällig sei, „dass bereits ein Sechstel der Fälle vermeidbar gewesen wäre, wenn die Besitzer ihr Fahrrad besser gesichert hätten“, betont Basler. „Ein Schloss unter 30 Euro hat keine Qualität.“ Dazu zählen etwa Spiral- oder Ringschlösser. Bügel- und Faltschlösser mit durchgehärtetem Spezialstahl hingegen empfehlen die beiden Experten von der Polizei. Doch auch ein Schloss schützt nicht unbedingt vor Diebstahl. Die Rahmennummer notieren, das Rad codieren lassen und – ganz wichtig – ein Foto machen, rät Berkefeld. Ein Foto helfe den Beamten bei den Ermittlungen sehr, denn die suchen auch im Internet auf Aktionsplattformen wie Ebay oder auf Flohmärkten in der Region nach gestohlenen Fahrrädern.

Auf jedem Revier in Stadt und Kreis Offenbach gibt es einen Ansprechpartner, der sich mit Fahrraddiebstählen befasst. Bei der EG laufen die Fälle zusammen. So kontrolliert die EG nicht nur regelmäßig Schwerpunkte wie Schulen, Bahnhöfe oder Freibäder, sondern hält auch Kontakt zu den Fundbüros, um die dort abgegebenen Räder mit den Diebstahlanzeigen abzugleichen. Ebenso gehört Präventionsarbeit in Schulen dazu.

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Eine der Hauptaufgaben ist es, die Hehler zu finden, betont Berkefeld. „Die Täter leben von Abnehmern; die Hoffnung ist immer, einen Hehler mit mehreren Rädern zu finden.“ Das sei auch schon passiert. Es gebe viele Serienfahrraddiebe, die davon leben und die gestohlene Ware schnell verkaufen wollen, etwa weil sie abhängig von Betäubungsmitteln seien und das Geld brauchen, vermerkt der Erste Kriminalhauptkommissar. Wenn die Polizei einen mutmaßlichen Seriendieb fasst, wird als erstes dessen Wohnung durch- und dann das Lager gesucht. Seit Januar habe es eine Vielzahl von Festnahmen gegeben, bei drei Fällen vermutet die Polizei potenzielle Mehrfachtäter.

Berkefeld: „Da laufen gerade die Zuordnungen.“ Er berichtet, die EG habe jüngst einen Täter geschnappt, der in vier Jahren mehrere Hundert Fahrräder gestohlen haben soll. Der sitze gerade in Haft wegen anderen Delikten, auch da laufen die Zuordnungen. Hilfreich zur Ermittlung von Tätern, betont Berkefeld, sei Videoüberwachung, etwa an Bahnhöfen, in der S-Bahn, in der Kreisstadt auch im Spessartviertel und an der Grünachse zwischen Rathaus und Bahnhof Mitte. Doch Berkefeld betont auch: „Kriminelle entwickeln sich weiter, da muss auch die Polizei immer neue Ideen haben, um dranzubleiben.“ Zuversichtlich ist der Leiter der EG trotzdem: „Mein Bauchgefühl sagt mir, die Aufklärungsquote wird Ende des Jahres wieder gestiegen sein.“

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