Die Hoffnung bleibt

Dietzenbacher Freunde Kameruns erhalten aktuellen Lagebericht aus Zentralafrika

Im Zuge des Projekts „Safrahost“, das die Freunde Kameruns unterstützen, lernen Jugendliche etwa, wie sie Motorräder reparieren.  
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Im Zuge des Projekts „Safrahost“, das die Freunde Kameruns unterstützen, lernen Jugendliche etwa, wie sie Motorräder reparieren. Archiv

Zum Ende dieses bewegten Jahres blicken die Dietzenbacher „Freunde Kameruns“ noch einmal auf die Situation in dem zentralafrikanischen Land. Seit 2019 unterstützt der Verein dort das Projekt „Safrahost“, bei dem Franziskaner-Schwestern im Westen des Landes, rund um die Stadt Kumbo, Waisenkindern eine Schul- und Berufsausbildung ermöglichen (wir berichteten).

Dietzenbach – Schwester Hedwig, die Ansprechpartnerin der Freunde Kameruns vor Ort, ließ den Engagierten einen ausführlichen Bericht zukommen, in dem sie auf die verschiedenen Probleme eingeht, die die Bevölkerung Kameruns im vergangenen Jahr beschäftigten.

 „Die Situation ist noch immer geprägt von den politischen und sozialen Unruhen in Kamerun und der neuen Bedrohung durch die Pandemie, die unsere Bevölkerung, unsere Gesundheitseinrichtungen und unsere religiösen Gemeinschaften aufs Schwerste belasten“, schreibt die Ordensfrau. Seit Jahren spitzen sich die Unruhen in Westkamerun immer weiter zu, das Leid ist groß. Seit vier Jahren lebten Männer, Frauen und Kinder in den Südwest- und Nordwestregionen Kameruns in ständiger Angst, berichtet Schwester Hedwig. Willkürliche Schießereien, Niederbrennen der Hütten und Häuser, Festnahmen, Folter und brutale Drangsalierungen der Bevölkerung, veranlassten viele Bewohner aus ihren Häusern und Ortschaften zu fliehen. „Bis zum heutigen Tage haben mehr als 3000 Menschen ihr Leben verloren. Derzeit haben 60 000 Menschen Zuflucht in Nigeria oder in Nachbarländern gefunden.“ Vielen fehle außerdem der Zugang zu Trinkwasser, Lebensmitteln und Medikamenten. Die einzige Hilfe, erzählt Schwester Hedwig, komme von humanitären und religiösen Organisationen.

Ordensschwestern wurden den Berichten von Schwester Hedwig zufolge ebenfalls bereits von Separatisten verschleppt. „Auch unsere Missionshospitäler wurden von Separatisten und Militär angegriffen.“ Bei einem Überfall der Regierungstruppen seien etwa die Ambulanz und das Herzuntersuchungszentrum mit allen Geräten und Medikamenten konfisziert worden. Die Ordensschwestern seien darum ebenso traumatisiert wie die Bevölkerung.

„Unglücklicherweise unternimmt die Regierung bisher keine Schritte die zu einer Lösung dieser Krise führen könnten. Ganz im Gegenteil, weiterer massiver Truppeneinsatz ist zu verzeichnen und in der deren Folge kommt es zur weiteren Zunahme von Grausamkeit und Willkür an den Menschen der Region.“

Trotz all der Grauennachrichten, kann die Franziskaner-Schwester aber auch positives berichten: Während in Kumbo, wie in vielen anderen Landkreisen, die Schulen seit Jahren komplett geschlossen sind, gelingt es den Schwestern bis dato zumindest, das Sankt-Franziskus-Haus für berufliche Ausbildung (Safrahost), das auch die Freunde Kameruns unterstützen, offen zu halten, um Kinder und Jugendliche weiterhin zu unterrichten.

„Uns bleibt nur die Hoffnung, dass eine anhaltende Lösung für die so lange bestehende Krise baldmöglichst gefunden werden kann“, betont die Kontaktfrau der Freunde Kameruns, die sich in ihrem Schreiben besonders dankbar für die Unterstützung aus Dietzenbach zeigt. „Mit tiefen Gefühlen der Dankbarkeit erkennen wir ihre moralische, technische und finanzielle Unterstützung an, die uns für die Realisierung unserer Arbeit bis zum Jahresende 2020 zuteil wurde.“

Da sich die Lage dennoch von Tag zu Tag verschlechtert, enthalten die Planungen für 2021 weiterhin vor allem Maßnahmen zur humanitären und sozialen Verbesserung der Lebensverhältnisse vor Ort. „Dies beinhaltet Gesundheit, Schul- und Berufsausbildung, wenn möglich Schaffung von Arbeitsplätzen, sowie die Armutsbekämpfung“, informiert Schwester Hedwig die Unterstützer aus Deutschland.

Auch der Kampf gegen das Coronavirus bleibe Thema. „Leider steigen bei uns die Infektionsraten wieder an und treffen auf eine ohnehin fragile Bevölkerung in einem wirtschaftlich äußerst schwachen Umfeld.“ Die Schwester setzt ihre Hoffnung darum ebenfalls in baldige Impfungen der Bevölkerung. (lj)

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