Ausbilder in Akosombo

Dietzenbacher Horst Peter Jäger gibt sein Fachwissen in Ghana weiter

Auf die richtige Technik kommt es an: Horst Peter Jäger (stehend) schult als Senior Experte die Techniker eines Büromöbel-Unternehmens in Ghanas Hauptstadt Accra.
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Auf die richtige Technik kommt es an: Horst Peter Jäger (stehend) schult als Senior Experte die Techniker eines Büromöbel-Unternehmens in Ghanas Hauptstadt Accra.

Dietzenbach – Horst Peter Jägers Aufgaben sind vielfältig: Geschäftsberichte durchgehen, Eigentümern erklären, wie sie Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich aufstellen und Mitarbeitern zeigen, wie diese ihre Arbeit effektiver gestalten können. Als ehrenamtlicher Senioren Experte hilft der gelernte Betriebswirt Firmen und Krankenhäusern in Afrika dabei, sich kaufmännisch und technisch zu entwickeln.

Dem 1983 von Arbeitgeberverbänden gegründeten Senioren Experten Service (SES) tritt Horst Peter Jäger 2002 bei. „Damals war ich noch Geschäftsführer für Personal und Finanzen bei der Still GmbH in Hamburg“, erinnert sich der 73-Jährige. 2004 fliegt er zu seinem ersten Experten-Einsatz nach Kamerun. Dem Land ist der Betriebswirt seit den 1970er-Jahren verbunden, zuerst als Entwicklungshelfer, später als Vorsitzender des Vereins „Freunde Kameruns“ (wir berichteten). Zunächst hilft Jäger einer Privatklinik in Bamenda im Westen Kameruns bei der Schwachstellenanalyse: „Ich habe geschaut, wie gut die medizinischen Geräte und das Personal sind.“ Im Frühjahr 2006 besucht er die Klinik erneut, Ende des selben Jahres fliegt Jäger dann zu seinem ersten Einsatz nach Ghana, wo seine Dienste ebenfalls in einer Klinik benötigt werden.

Doch nicht nur medizinische Versorgungsstätten gehören zu den Auftraggebern. Auch Hotels und Unternehmen fordern seine Expertise an. „Die SES wird nicht selbst aktiv“, sagt Jäger, „Ein Auftraggeber muss sich an die Organisation wenden.“ 2018 fliegt Jäger nach Ho im Südosten Ghanas, um dort ein Hotel mit seinen Fachwissen zu unterstützen. Bei seinen Besuchen untersucht er sämtliche Bereiche: Restaurant, Personal, Finanzen, Technik. Jäger erläutert: „Als Gast sieht man sofort, wo etwas verbessert werden muss.“ Auch bei seiner nächsten Station in Akosombo gibt er sein Wissen an ein Hotel weiter. Mit Workshops und Schulungen am Arbeitsplatz habe er den Mitarbeitern vermittelt, wie sie mit ihren Arbeitsmaterialien sparsamer umgehen, berichtet er. Die so eingesparten Kosten könne das Hotel in Boni oder höhere Gehälter investieren, meint Jäger.

Seit 2010 unterstützt der Kaufmann zudem die Atlantic International Holding Company mit Sitz in der Hauptstadt Accra. Zusammen mit vier Tochterfirmen produziert das Unternehmen alles rund um den Bürobau, von Klimaanlagen bis zur EDV. In mehr als 15 Einsätzen hat der Experte die Eigentümer und deren Mitarbeitern geschult, zuletzt im März dieses Jahres. Zwar wäre er gern länger geblieben, doch wegen der Corona-Pandemie musste er vorzeitig ausreisen. „Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht zurückgekommen“, tippt er.

Rund 11 000 ehrenamtliche Experten waren im vergangenen Jahr in mehr als 160 Ländern für den SES in Einsatz. Zusammen kommen die Helferinnen und Helfer auf mehr als 2 200 Einsätze, allein 707 in Afrika, heißt es im Jahresbericht. Auch im Inland ist der SES aktiv. So analysierte Jäger, der von 2006 bis 2011 als Regionalbeauftragter für die Senior Experten in Mainz arbeitet, 2010 die Angebote und Ausschreibungen eines Münchner Unternehmens, dass Krankenhäuser in Afrika ausstattet. Ein Jahr später greift er einem Kioskbesitzer in Offenbach unter die Arme. Der Senior Experte hilft, wo immer er gebraucht wird, auch im fortgeschrittenen Alter. „Ich bin vom Naturell so“, meint er und hofft, bald wieder nach Afrika fliegen zu können. (Joshua Bär)

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