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„Bis an den oberen Rand gefüllt“

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Von: Ronny Paul

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Die Dietrich-Bonhoffer-Schule in der Altstadt platzt derzeit aus allen Nähten und bekommt im kommenden Schuljahr zur Überbrückung der Situation zwei Container als Klassenräume auf dem Schulhof.  (c)Foto: Häsler
Die Dietrich-Bonhoffer-Schule in der Altstadt platzt derzeit aus allen Nähten und bekommt im kommenden Schuljahr zur Überbrückung der Situation zwei Container als Klassenräume auf dem Schulhof. © Häsler

Dietzenbach - Die Grundschulen in der Kreisstadt stoßen nicht nur räumlich an ihre Grenzen. Das machten Dietzenbacher Vertreter erneut bei einer Anhörung zum Schulentwicklungsplan im Kreishaus deutlich. Von Ronny Paul

Das Rhein-Main-Gebiet, die viertgrößte Metropolregion Deutschlands wächst. Das macht sich auch in den Schulen des Kreises Offenbach bemerkbar. Noch vor sechs Jahren waren die Schülerzahlen im Kreis rückläufig, sagt Landrat Oliver Quilling (CDU). Eine richtige Explosion habe es erst in den vergangenen zwei bis drei Jahren gegeben. Davor hat man sich schon teilweise Gedanken gemacht, erinnert der Landrat, ob man so manchen Schulstandort überhaupt halten könne.

Doch die Zeiten haben sich offenbar geändert. Der Ende Februar in den Kreistag eingebrachte Entwurf des Schulentwicklungsplanes wird weiter diskutiert. Schul- und Magistratsvertreter der Region Mitte – Dietzenbach, Heusenstamm, Obertshausen und Mühlheim – hatten nun vor dem Schulausschuss im Kreishaus Gelegenheit, das Papier zu kommentieren. Der Tenor: in die Jahre gekommene Gebäude, umfunktionierte Fachräume, keine oder zu kleine Turnhallen, Schulen, die aus allen Nähten platzen. Ebenso Konsens: Die im Papier zugrunde gelegten Schülerzahlen sind zu niedrig angesetzt. Quilling sagt dazu: Der Kreis versuche, hochzurechnen und den Durchschnittszuzug zu ermitteln. „Keine der Städte, die eine Stellungnahme eingereicht haben, hat eine tatsächliche Prognose abgegeben.“ Von 86 Schulen im Kreis Offenbach haben laut Landrat lediglich 23 zum Schulentwicklungsplan Stellung genommen.

Aus der Kreisstadt meldeten sich einige Vertreter zu Wort. Unter anderem verdeutlichte Erster Stadtrat Dieter Lang (SPD) erneut, dass das Raumangebot der Grundschulen schon zum jetzigen Zeitpunkt ausgereizt sei und der Schulentwicklungsplan keine Antworten auf die zunehmenden Schülerzahlen gebe. Er betonte, dass die besonderen „Dietzenbacher Umstände“ im Entwurf nicht benannt werden – die Stadt ist etwa mit 126 Schülern in neun Intensivklassen kreisweit „Spitzenreiter“. Zwei Grundschulen haben ihre Kapazitätsgrenze bereits erreicht und können keine Kinder mehr aufnehmen, berichtete Lang. Der Trend an Schulen verlange zusätzliche Ressourcen. Lang appellierte an den Schulausschuss, den Bedarf an zusätzlichen Räumen – etwa für Schulsozialarbeit oder Nachmittagsbetreuung – mit einzuplanen. Dringender als der Bau einer neuen Schule seien Lösungen der jetzigen Engpässe: „Der Ausbau von Standorten ist der richtige Weg in die richtige Richtung.“ Denn in Dietzenbach sei mit noch mehr Zuwanderung zu rechnen. Ein wenig Entlastung bekommt die Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) im kommenden Schuljahr mit zwei Containern für Klassen, sagte Lang.

Wie angespannt die Situation in der Altstadt ist, machte Carolin Titze, Konrektorin der DBS, vor dem Plenum deutlich. Der Grundschule mit zwei Intensivklassen und laut Lang 340 Schülern fehle aktuell bereits ein Klassenraum. Die Kinder sitzen teils auf Fluren, in der Küche, auf dem Schulhof, berichtet Titze. Man habe bereits den Musikraum und die Lernwerkstatt zu Klassenräumen umgenutzt. Auch noch die mit viel Elterninitiative Schulbücherei zu einem weiteren Unterrichtsraum umzuwandeln, gehe allerdings zu weit.

Sterntalerschulleiter Jochen Schepp verdeutlichte noch einmal die besondere Situation der Bildungsstätte am Rande des Spessartviertels. Kreisweit liegt die Sterntalerschule mit einem 100-Prozent-Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund „vorne“. Er wünsche sich, Schüler ganztägig unterrichten zu können, sagte Schepp. Allerdings gebe es auch in seiner Schule akute Raumnot: „Die Klassen sind bis an den obersten Rand gefüllt.“ Zwei Vorlaufkurse müssten in Büros stattfinden. Jedoch hat der Schulentwicklungsplan für die Sterntalerschule auch einen Lichtblick parat: Derzeit findet der Sportunterricht in der nahe gelegenen Halle der Ernst-Reuter-Schule statt, die aber auch vollkommen ausgelastet ist. Daher solle die Sterntalerschule eine eigene Einfeld-Sporthalle erhalten.

In einem jüngst vom Ersten Stadtrat einberufenem Treffen aller Dietzenbacher Schulleiter sind folgende Annahmen verifiziert worden, teilt Peter Amrein, Fachbereichsleiter Soziale Dienste, mit: „Alle Dietzenbacher Grundschulen haben bereits gegenwärtig ein akutes Raumproblem. Die Kapazitäten sind längst an ihre Grenzen gestoßen. An allen Grundschulen bestehen Optionen der Raumerweiterung auf dem Schulgelände.“ Mittelfristig sei ein weiterer neuer Grundschulstandort in der Kreisstadt sinnvoll.

Nach der ersten Bewertung der Anhörung vor dem Schulausschuss sei man unter Einbeziehung der anwesenden Schulleiter zu dem Schluss gekommen, berichtet Amrein, „dass wir als Kommune einen weiteren Versuch unternehmen müssen, den Verantwortlichen in Kreisverwaltung und -tag die besonderen Dietzenbacher Gegebenheiten und Fördernotwendigkeiten, die über den allerorten beklagten Raummangel hinausgehen, deutlich zu machen“.

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