„Seit Jahrzehnten zu kurz gekommen“

Dietzenbacher Nabu-Vorsitzender Ludwig Schneefeld im Interview

Nabu-Vorsitzender
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Der geplante Sandabbau im Eulerwald ist eines der Themen gewesen, denen sich die Nabu-Ortsgruppe in den vergangenen Jahren intensiv gewidmet hat. Der Kampf, der gegen die Pläne geführt wurde, ist dem Vorsitzenden Ludwig Schneefeld gut in Erinnerung geblieben.

Fünf Jahre sind seit der Gründung der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) in der Kreisstadt vergangen. Fünf Jahre, in denen der Verein gewachsen ist, sich unterschiedlichen Anliegen gewidmet und bereits einige Erfolge verzeichnet hat. Ludwig Schneefeld ist seit der Gründung am 28. Januar 2016 Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe. Im Interview spricht er darüber, was ihn und seine Mitstreiter in den vergangenen Jahren beschäftigt hat und gibt einen Ausblick auf die Zukunft.

Dietzenbach – Herr Schneefeld, wie fällt Ihre Bilanz nach fünf Jahren Nabu in Dietzenbach aus?

Vor fünf Jahren begannen wir mit 14 Gründungsmitgliedern. Wir haben es geschafft, dem Landschafts- und Naturschutz eine Stimme in Dietzenbach zu geben. Der enorme Anstieg der Mitglieder auf heute 253 beweist das stetig steigende Interesse an einer geschützten Natur, und indirekt beweist es, dass diese Themen in Dietzenbach seit Jahrzehnten zu kurz kamen. Man kann erst zufrieden sein, wenn unser Verein unabhängig vom jeweiligen Vorstand Bestand hat und unsere Arbeit in Dietzenbach nicht nur anerkannt, sondern auch unterstützt wird.

Was waren die großen Themen, die Sie und Ihre Mitstreiter in dieser Zeit beschäftigt haben?

Das größte Anliegen ist die Renaturierung des Kaupenwiesengrabens von seiner Quelle bis zum Bieberbach. Der Kaupenwiesengraben hat das Potenzial, verschwundenen Amphibienarten wieder ein Zuhause zu bieten, in einem Gelände am Rande des Bulau-, Kaupenwaldes und des Eulerwaldes. Dietzenbach ist von Wald umgeben. Daher ist es uns außerdem ein Anliegen, zu zeigen, wie eine gute Waldrandlage aussieht. Auf unserem Waldgrundstück in der Nähe des Wolllwiesenteichs informieren wir mit zwei Tafeln die Spaziergänger darüber, und auch über die gepflanzten Elsbeeren und die zwei Hirschkäferwiegen. Das dritte große Thema: Streuobstwiesen. Zwischen Wald und Siedlung, gab es viele von ihnen. Auch hier wollen wir zeigen, wie eine blühende und gepflegte Streuobstwiese Auge und Herz erfreut.

Nabu-Vorsitzender Ludwig Schneefeld

Welches Ereignis der vergangenen fünf Jahre ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Der Kampf gegen den von Bürgermeister Jürgen Rogg geplanten Sandabbau im Eulerwald. Bis zu 76 Hektar gut gewachsener Sandkiefern-Buchenmischwald sollten gerodet werden, Mutterboden entfernt und der Flugsand bis 20 Meter tief abgebaut werden. Das durfte nicht sein.

An welcher Stelle sind Sie zufrieden mit dem, was der Nabu erreicht hat, und wo ist noch Luft nach oben?

Erfreulich ist die Bereitschaft, mit uns Kontakt aufzunehmen, Probleme anzusprechen und die Hilfe, die uns gewährt wird. Da helfen sicherlich sehr unsere Internetseite und die Presse. Luft nach oben? Mehr aktive Mitarbeit und Geldspenden sind auch willkommen.

Gab es Momente, in denen Sie frustriert waren, weil die Arbeit des Nabu nicht vom gewünschten Erfolg gekrönt war?

Es gab kurzfristige Frustrationen, wenn Baumstämme und Steine von unseren Flächen entwendet wurden, wenn Pferde und Hunde die Amphibienteiche verwüsteten, wenn Obstbäume komplett abgeräumt, Äste abgebrochen werden. Wenn man trotz freundlichem Hinweis auf Unverständnis stößt.

Wie schneiden die Dietzenbacher generell in Sachen Umweltbewusstsein ab?

Man spürt ein steigendes Interesse für die Umwelt. Der beste Schutz für die Natur ist die Bereitschaft, mehr von ihr zu wissen, sich über die Zusammenhänge in der Natur Gedanken zu machen.

Was muss Ihrer Meinung nach in der Kreisstadt künftig ganz oben auf der Agenda stehen, wenn es um Natur- und Umweltthemen geht?

Wir leben in einer aufstrebenden Stadt, mit dem Ziel, mehr als 35 000 Einwohner anzusiedeln. Diese Stadt will nicht auf Bauland verzichten. Die Konzentration von Wohn- und Gewerbestandorten führt unweigerlich zum rasanten Schwund an Grünfläche. Diese Gemeinde muss die verbliebenen Grünflächen schützen und nicht in Bauland umwidmen.

An welchen Stellschrauben muss in Dietzenbach diesbezüglich außerdem gedreht werden?

Der Bürger hat es bei der kommenden Gemeindewahl in der Hand, dem Kandidaten sein Vertrauen auszusprechen, von dem er überzeugt ist, dass seinen Worten auch Taten folgen. Eins ist sicher, geht es der Flora und Fauna gut in unserer Gemarkung, dann geht es auch uns gut. Helfen wir der Natur, dann steigt auch unsere Lebensqualität.

Was wünschen Sie sich im Hinblick auf die Arbeit des Nabu für die Zukunft?

Unser sehnlichster Wunsch ist eine Unterstellmöglichkeit hier in Dietzenbach, die trocken und sicher für unsere Arbeitsgeräte und unser Material ist. Das würde unsere Arbeit enorm erleichtern. Wir wollen unserem Motto gerecht werden: „Wir sind, was wir tun.“

Das Interview führte Lena Jochum.

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