Ein Lager am Straßenrand

Ärger über parkende Lkw im Stadtgebiet

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Vor allem abends und an den Wochenenden gibt es zum Ärger der Bürger viele parkende Lkw im Stadtgebiet.

Dietzenbach - Wer durch Dietzenbach fährt, erblickt vor allem abends und an Wochenenden an den Straßenrändern im Stadtgebiet parkende Lkw. Zum Ärgernis nicht nur der Bürger. Die Stadt versucht, dagegen anzugehen, lässt sich aber auch auf Kompromisse ein. Von Ronny Paul 

Egal, ob entlang der Frankfurter, der Idsteiner, der Offenbacher oder der Dreieich-Straße – es gibt sie „mehr oder weniger“ in nahezu jedem Stadtgebiet, berichtete Ordnungsamtsleiter Markus Hockling den Mitgliedern des Ausschusses für Städtebau, Verkehr und Umwelt. Lkw und Sprinter sind über ganz Dietzenbach verteilt, nehmen Anwohnern Parkplätze weg, ragen in den Verkehr hinein oder wecken Anwohner mit Motorengeräuschen mitten in der Nacht. Als gravierendes Beispiel für „Lkw-Belagerung“ nannte Hockling den Wendehammer an der Philipp-Reis-Straße im Gewerbegebiet. Dort parkten zum Teil mehrere Lastwagen gleichzeitig und machten damit Wendemanöver nahezu unmöglich.

Die Grünen hatten im Mai 2017 das Thema aufgegriffen und den Magistrat gebeten, bis zur Stadtverordnetenversammlung im Oktober einen Bericht vorzulegen, wie zukünftig die zunehmend schwierigere Parksituation für Lkw und Kleintransporter im Stadtgebiet geregelt werden solle. Hockling beantwortete nun am Mittwochabend zumindest zum Teil die Anfrage der Grünen-Fraktion.

Häufig sei es so, berichtete der Ordnungsamtschef, dass Kleinunternehmer ihr Arbeitsvehikel mit nach Hause nehmen und Sprinter oder gar 7,5-Tonner vor dem Haus abstellen. „Sehr zum Ärger der Anwohner.“ Das Problem sei, dass es keine Lager mehr gebe, vielmehr der Lastwagen diese ersetze, sagte Ausschussvorsitzender Harald Nalbach (WIR-BfD). „Wenn wir da keine Entlastung schaffen, wird’s nur schlimmer“, warnte Bürgermeister Jürgen Rogg und verwies auf die komplett mit Lkw vollgestellten Autobahnparkplätze in der Region. Diese sind auch den Auflagen bei Lenk- und Ruhezeiten geschuldet.

Zusätzliche Beschilderung sei die Hauptmöglichkeit, um die großen Automobile aus dem Stadtgebiet fernzuhalten. Auch zusätzliche Beschilderungen mit explizit ausgewiesenen Pkw-Parkplätzen seien möglich. Er sei allerdings kein Fan von ausufernder Beschilderung, merkte Hockling an, das führe auch schnell zu Verwirrung. Einen Autohof, der auch bei seinem Amtsvorgänger Stephan Gieseler schon ein Thema war, schloss Bürgermeister Rogg aus. Das sei nicht rentabel. Auch ein Durchfahrtsverbot für Lkw mit ausgenommenem Anlieferverkehr in bestimmten Gebieten könne ein Mittel sein.

Grünen-Fraktionschefin Andrea Wacker-Hempel warf ein, dass Regelungen schön und gut seien, man Verstöße aber auch ahnden müsse. „Nur durch Ahnden schaffen wir nur eine Verdrängung“, erwiderte Rogg.

Parkplatzkampf im Großstadtdschungel

Zur Entlastung sei ein möglicher Parkplatz für 16 bis 18 Lastwagen angrenzend an das neue Areal der Clarus Films GmbH zwischen Velizy- und Rodgaustraße östlich der S-Bahngleise angedacht, berichtete Hockling. Das rund 3900 Quadratmeter große Grundstück würde etwa 265.000 Euro kosten und „mit Sicherheit helfen“. Allerdings, schränkte er ein, sei das nur ein Baustein. Mögliche weitere Varianten, um des Problems Herr zu werden, seien etwa Änderungen in der Gefahrenabwehrverodnung oder Straßenverkehrsordnung.

Wacker-Hempel sagte, man müsse bei Neuansiedlungen von Unternehmen stärker darauf achten, dass die ihre Parkplätze direkt auf dem Firmengelände miteinplanen. Da seien gerade in der Vergangenheit zu viele Ausnahmegenehmigungen vergeben worden. Der Rathauschef antwortete, dass die Stadt in dieser Hinsicht durchaus bemüht sei, das umzusetzen, es aber auch nicht immer klappe und man Kompromisse eingehen müsse. Auch mit Blick auf die Gewerbesteuer. Die Firma Clarus etwa, betonte Rogg, habe seit ihrer Ansiedlung ein Vielfaches an Gewerbesteuer gezahlt, als der nun angedachte Parkplatz koste.

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