Von Marken und Menschen

Dietzenbacher Philatelist Manfred Wrzesniok für Jugendarbeit ausgezeichnet

Manfred Wrzesniok und Markus Holzmann, Vorsitzender der Jungen Briefmarkenfreunde, der dem Dietzenbacher für sein Engagement in der Jugendarbeit Urkunde und Medaille überreicht hat.
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Manfred Wrzesniok und Markus Holzmann, Vorsitzender der Jungen Briefmarkenfreunde, der dem Dietzenbacher für sein Engagement in der Jugendarbeit Urkunde und Medaille überreicht hat.

An Selbstsicherheit mangelt es Manfred Wrzesniok nicht. Aber warum sollte es auch? Er ist 85-Jahre alt und hat im Laufe der vergangenen Jahrzehnte viel erlebt, kann einiges erzählen. Zum Beispiel davon, wie er in den 50er-Jahren von Oberschlesien nach Offenbach zog, oder von diversen Vereinsgründungen, an denen er in seiner späteren Heimat Dietzenbach beteiligt war.

Dietzenbach – Aber besonders gerne spricht Manfred Wrzesniok übers Briefmarkensammeln. Eine Leidenschaft, die ihn seit seiner Kindheit begleitet und die, davon ist er überzeugt, jeden packen kann. „Wer meine Sammlung sieht, fängt auch an zu sammeln“, sagt er. „Das muss man gesehen haben.“ Kein Wunder also, dass sich Manfred Wrzesniok seit Jahren um Briefmarkensammler-Nachwuchs bemüht, versucht, bei jungen Leuten die Begeisterung für die mitunter raren Stücke zu wecken. Für sein Engagement in der Jugendarbeit wurde er nun sogar vom Landesverband der Briefmarkenjugendgruppen ausgezeichnet.

Schon damals in Offenbach, seiner ersten Station in Deutschland, war Manfred Wrzesniok dem dortigen Briefmarkenverein beigetreten. Als er dann mit seiner Frau nach Dietzenbach zog, war ihm die Fahrerei zu viel. Kurzerhand entschied er sich also, mit einem Freund in der neuen Heimat den Briefmarken- und Münzsammlerverein zu gründen, den Vorsitz teilten sich beide. „So etwa 50 Mitglieder waren wir bei der Gründung.“ Gleichzeitig rief Manfred Wrzesniok auch eine Jugendgruppe ins Leben. „Die war damals richtig groß“, erzählt er. Etwa zehn Jahre bestand die Gruppe, dann löste sie sich auf.

Seither ist es für die Philatelisten in der Kreisstadt immer schwieriger geworden, Nachwuchs zu gewinnen. „Heute gibt es so viele Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche, das war früher ja nicht so“, sagt Manfred Wrzesniok. Für viele seien da Fußball oder Flötenunterricht eben interessanter als Briefmarken. „Bei uns müssten sie still sitzen und sortieren.“ Das sei wohl nicht für jeden etwas.

Trotzdem: Der heutige Ehrenvorsitzende des Vereins und sein Nachfolder Heinz Friedberg bemühen sich weiterhin um Nachwuchs. Seit Jahren sind sie so zum Beispiel immer wieder zu Gast an der Aue-Schule. In den Projektwochen präsentieren die Sammler ihre Schätze und erzählen den Schülern, wie spannend es sein kann, sich mit den Marken aus aller Welt zu befassen.

Und das tut Manfred Wrzesniok mit Überzeugung. Wenn der Sammler von seinen Marken spricht, schwingt endlose Begeisterung in jedem seiner Worte mit. Begeisterung für die Themenvielfalt, mit der die kleinen Rechtecke aufwarten. Manfred Wrzesniok selbst hat unter anderem ganze Sammelbände gefüllt mit Sportmotiven oder solchen aus der russischen Weltraumfahrt. „Ich werde von Vereinen aus der ganzen Welt angefragt, wenn die eine Ausstellung machen zu einem Thema, zu dem ich passende Marken habe“, erzählt er. „Aber es ist ja nicht nur das Sammeln.“ Über die Jahre hinweg habe er durch sein Hobby so viele verschiedene Menschen kennengelernt, aus Russland, England, Österreich, die er sonst nie getroffen hätte. „Und da haben sich auch große Freundschaften entwickelt.“ Seiner Begeisterung für die gezackte Raritäten und die Menschen, die sie sammeln, will Manfred Wrzesniok vermitteln. Darum ist er auch ein wenig stolz, als er erzählen kann, dass er und Heinz Friedberg bald wieder eine Jugendgruppe gründen wollen. „Wir haben mittlerweile wieder einige junge Leute zusammen.“

Daran, mit dem Sammeln oder dem Engagement in der Jugendarbeit aufzuhören, denkt der 85-Jährige jedenfalls nicht. Er will weitermachen. „Solange es geht“, sagt er. (Lena Jochum)

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