Entscheidung in der Stichwahl

Bürgermeisterwahl in Dietzenbach – „Wir alle haben gewonnen“

Nach dem Auszählen der Stimmen löst Sozialdemokrat Dieter Lang Bürgermeister Jürgen Rogg nach zwölf Jahren im Amt ab.
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Nach dem Auszählen der Stimmen löst Sozialdemokrat Dieter Lang Bürgermeister Jürgen Rogg nach zwölf Jahren im Amt ab.

Nach der Stichwahl in Dietzenbach hat die Stadt mit dem Sozialdemokraten Dieter Lang einen neuen Bürgermeister. Während sich die einen euphorisch zeigen, ist die Stimmung der CDU eher gedämpft.

Dietzenbach – Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2015 konnte der derzeitige Bürgermeister Jürgen Rogg seinen damaligen Konkurrenten Dietmar Kolmer (CDU) noch mit 65,12 Prozent hinter sich lassen. Bei der Stichwahl am vergangenen Sonntag konnte Rogg nur noch 39,94 Prozent der Stimmen für sich verbuchen.

Für Grüne und SPD ist das die Bestätigung, dass die Wähler den angestrebten Wechsel wollen. „Ich freue mich, dass wir in eine Zukunft blicken, in der wir eine transparente und bürgernahe Politik machen“, sagt der SPD-Parteichef Ahmed Idrees. Das bedeute nicht, dass man grundsätzlich keine Fehler mache. Doch über diese sollte man dann genauso offen sprechen wie über Erfolge. Insgesamt bewertet Idrees das Wahlergebnis nicht allein als einen Sieg für die Sozialdemokraten und die Ökopartei, sondern für die Demokratie. „Wir alle haben gewonnen“, betont er. Gerade weil der „perfide Plan“ des derzeitigen Rathauschefs, sich mit den vorgezogenen Bürgermeisterwahlen als Amtsinhaber einen Vorteil zu verschaffen, nicht aufgegangen sei.

Nach der Wahl: Grüne und SPD wollen Modernisierung in Dietzenbach vorantreiben

Neben der SPD freut sich auch der beim ersten Wahldurchgang ausgeschiedene Grünen-Kandidat René Bacher* über die Entscheidung der Bürger für Dieter Lang. „Es ist mir wie auch der SPD gelungen, unsere Wähler zu mobilisieren“, sagt Bacher. Das sei insbesondere auf die gute Zusammenarbeit zwischen seiner Partei und den Sozialdemokraten zurückzuführen. Nun komme es darauf an, die Modernisierung Dietzenbachs voranzutreiben.

Mit Blick auf die Niederlage von Jürgen Rogg stellt Bacher fest, dass dieser im Vergleich zur ersten Runde 200 Stimmen verloren hat. „Für mich ist das darauf zurückzuführen, dass die Links-Kampagne und die negative Stimmung von Herrn Rogg und der CDU nicht honoriert wurden“, resümiert das Magistratsmitglied.

Wahlen in Dietzenbach: CDU befürchtet fehlende Entscheidungsteilhabe

Die Christdemokraten sehen sich indes zu Unrecht kritisiert. „Wir haben nie vor den Grünen oder der SPD gewarnt“, betont Fraktionsvorsitzender Manuel Salomon am Tag nach der Wahl. Es sei allein um das Bündnis mit den Linken gegangen, die wie die AfD zu den extremen Rändern gehörten. „Beide heißen das demokratische System, das wir haben, nicht gut“, führt Salmon weiter aus. Deshalb habe man sich von SPD und Grünen ein klares Statement gegen eine Verbindung mit den Linken gewünscht. Auch wenn den Christdemokraten bewusst sei, dass die Politik der Linkspartei auf kommunaler Ebene nicht mit der auf der Bundesebene zu vergleichen sei.

Dennoch befürchten die CDUler, dass, wenn es zu einer rot-rot-grünen Koalition komme, die Linken einen großen Hebel hätten, um ihre Inhalte durchzusetzen. „Es sind ihre Stimmen, die bei der Wahl zum Ersten Stadtrat SPD und Grünen zu einer Mehrheit verhelfen könnten“, so Salomon. Als ein möglicher Kandidat gilt bei SPD und Grünen derzeit René Bacher. Insgesamt, so macht der Fraktionschef der CDU nun weiter deutlich, sei man nach wie vor an Koalitionsgesprächen interessiert. „Eine Zusammenarbeit ist trotz allem nicht ausgeschlossen“, sagt Salomon.

Politische Bündnisse in Dietzenbach – „Weiterhin für Gespräche offen“

Ob es schlussendlich zu einem Bündnis kommt und wer darin zusammenfindet, ist derzeit jedoch noch ungewiss. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Andrea Wacker-Hempel teilt etwa mit, dass ihre Partei nach wie vor mit allen möglichen Partnern Gespräche führen wolle. „Wir waren auch schon in Kontakt mit der CDU“, so Wacker-Hempel. Dieser sei jedoch nach den Aussagen zu einem möglichen Linksruck unterbrochen worden.

Linken-Chefin Barbara Cardenas verweist indes darauf, dass ihre Partei bisher noch von keinem der anderen Ortsverbände angesprochen worden sei. „Wir sind aber weiterhin für Gespräche offen“, bietet Cardenas erneut an. Gleichzeitig könne man sich vorstellen, in der Opposition zu bleiben. Dabei verwundern die Aussagen der CDU in Bezug auf die Wahl des Ersten Stadtrates die ehemalige Landtagsabgeordnete. „Machtpolitische Spielchen liegen uns überhaupt nicht. Soweit müsste man uns eigentlich kennen“, bezieht Cardenas Stellung. (Anna Scholze) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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