Dietzenbach

Bahnt sich da ein Skandal an? Bürgermeister soll Amt für private Vorteile genutzt haben

Die Feier zu Roggs Vermählung fand auf dem Gelände des Open-Air-Kinos in Dietzenbach bei Offenbach statt.
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Die Feier zu Roggs Vermählung fand auf dem Gelände des Open-Air-Kinos statt (Symbolbild).

Der Bürgermeister von Dietzenbach bei Offenbach, feiert seine Hochzeit auf dem Gelände des Open-Air-Kinos. Die SPD wirft ihm deshalb vor, sein Amt für private Vorteile zu nutzen. Das sagen die Beteiligten.

Dietzenbach – Der Sommer 2018 zählt zu einem der heißesten. Mindestens genauso heiß ist die nun die entbrannte Diskussion, um die damalige Hochzeits-Location von Bürgermeister Jürgen Rogg. Die Sozialdemokraten meinen, der Rathauschef habe das Waldschwimmbad für private Zwecke genutzt, der weist die Vorwürfe zurück.

Anstoß ist der Ort, an dem die Hochzeitsfeier am 1. September stattgefunden hat. So kritisiert die SPD nun, dass Rogg dafür das Areal des Waldschwimmbades gewählt hat. „Die SPD-Fraktion ist sehr verwundert, dass im Jahr 2018 dem Bürgermeister die Möglichkeit eingeräumt wurde, seine private Hochzeitsfeier im Waldschwimmbad zu veranstalten“, heißt des in einer Mitteilung der Genossen.

Kritik am Bürgermeister von Dietzenbach bei Offenbach: Waldschwimmbad sei schon geschlossen gewesen

Grund für die Verwunderung der Sozialdemokraten ist, dass ihnen nicht bekannt sei, dass das Areal des Schwimmbades für private Vermietungen zur Verfügung stehe. Denn das Gelände steht nicht, so argumentiert der Ortsverband weiter, in der Nutzungsordnung, die die Vermietung der städtischen Liegenschaften regelt. Auch wundert sich die SPD, dass das Waldschwimmbad 2018 bereits am 1. September geschlossen wurde. Sei es doch ansonsten übliche Praxis gewesen, bei anhaltenden gutem Wetter, das Saisonende erst Mitte des Monats einzuläuten, heißt es weiter in der Mitteilung. All das ließe den verstärkten Eindruck entstehen, dass Rogg „in seiner Machtvollkommenheit Privilegien für sich einfordert, die den Bürgerinnen und Bürgern nicht zugestanden werden.“

Aus einer städtischen Pressemitteilung aus dem Jahr 2016 geht indes hervor: „Im kommenden Sommer soll die Vermietung des Beach-Bereiches auch für private Veranstaltung angeboten werden.“ Grund für die damalige Überlegung war der erfolgreiche Start der zum ersten Mal steigenden After-Work-Partys. Diese fanden seither in dem entsprechenden Abschnitt statt.

Vorwürfe gegen Dietzenbachs Bürgermeister: SPD war Vermietungsmöglichkeit des Bereichs nicht bekannt

Auf Nachfrage erläutert SPD-Fraktionsvorsitzender Jerome Alex die Ursache für das fehlende Wissen: „Weder mir, noch einigen meiner Genossen war im Bewusstsein, dass diese Option besteht.“ Denn sie habe bei späteren Diskussionen um das Waldschwimmbad keine Erwähnung gefunden. Man hätte bei Gesprächen über die Finanzen mitteilen können, dass es durch private Vermietungen zusätzliche Einnahmen gebe, sagt Alex. „Außerdem habe ich bei meiner Recherche im Internet nicht herausfinden können, dass Bürger den Beach-Bereich mieten können.“ Somit sei es für diese schwer herauszufinden, dass diese Möglichkeit bestehe und das sorge zudem für Intransparenz.

Weit weniger kritisch beurteilt hingegen Erster Stadtrat und Sozialdemokrat Dieter Lang die Feierlichkeiten des Bürgermeisters. „Ich selbst war damals nicht eingeladen, habe aber davon gehört, dass es eine Feier gegeben hat“, sagt er. Da man jedoch 2016 die Überlegung verkündet habe, dass der Beach-Bereich künftig vermietet werden soll, habe er sich nichts weiter dabei gedacht. „Ich kann an der privaten Veranstaltung von Herrn Rogg nichts Anrüchiges finden“, betont Lang weiter.

Bürgermeister zu den Vorwürfen: „Ich habe darauf geachtet, dass der Stadt keine Kosten entstehen“

Das Stadtoberhaupt dementiert seine private Feier im Beach-Bereich beziehungsweise dem Areal des Waldschwimmbades veranstaltet zu haben. Teilt jedoch mit, dass er auf dem Gelände des Open-Air-Kinos gefeiert hat. „Dieser Abschnitt ist jedoch seit der Gründung des Kinos von dem Schwimmbad abgetrennt und steht somit mit diesem nicht in Verbindung“, erläutert er. Die Feier habe eine Woche nach Saisonende des Open-Air-Kinos stattgefunden. Dabei habe er die Infrastruktur des Kinos genutzt. „Ich habe jedoch darauf geachtet, dass der Stadt keinerlei Kosten entstehen und mir alle anfallenden Aufwendungen in Rechnung gestellt werden“, sagt er. Zudem seien auch keine städtischen Mitarbeiter in das Fest involviert gewesen. An Miete habe er damals rund 400 Euro gezahlt.

Allerdings räumt Rogg ein, dass das Open-Air-Kino ähnlich wie das Areal des Waldschwimmbades nicht in der Nutzungsordnung der städtischen Liegenschaften enthalten ist. „Die Überlegung, das Gelände in die Ordnung aufzunehmen besteht jedoch“, sagt der Bürgermeister. Allerdings gestalte sich die Vermietung an Privatpersonen aufgrund der Freiluftkino-Saison als schwierig. Weshalb die Verantwortlichen, so nimmt er an, die Idee noch nicht weiter konkretisiert haben.

Nach Vorwürfen: Dietzenbachs Bürgermeister Jürgen Rogg räumt Fehler ein, weist Vorwürfe aber zurück

Den Vorwurf, dass er sich somit für seine Hochzeitsfeier einen Veranstaltungsort ausgesucht habe, der den Bürgern nicht zur Verfügung steht, könne man ihm durchaus machen. „Ich habe darüber ehrlich gesagt nicht nachgedacht“, begründet Rogg sein Vorgehen.

Hinsichtlich der früheren Schließung des Waldschwimmbades im Jahr 2018 erklärt er: „Es ist eine Frechheit, dass das in Verbindung zu meiner Feier gesetzt wird.“ Thomas Vollmuth, Geschäftsführer der Stadtwerke Dietzenbach, teilt dazu auf Nachfrage mit, dass die Gründe für die frühere Schließung des Schwimmbades nicht bekannt seien.

Die Vorwürfe der SPD weist Rogg hingegen insgesamt als konstruiert zurück und ist überzeugt, dass diese allein aufgrund des Wahlkampfes entstanden sind.

Vorwürfe gegen Dietzenbachs Bürgermeister: Bürger wandte sich an SPD

Der Fraktionsvorsitzende Jerome Alex teilt hingegen mit, dass sich ein Dietzenbacher mit diesem Anliegen an die SPD gewandt habe. „Anlass war hierfür wohl ein Artikel über den Akteneinsichtssausschuss, dessen Gründung von uns anlässlich der Ausfallbürgerschaft eingefordert wurde“, sagt Alex weiter. Man habe dabei wohl festgestellt, dass die SPD etwas unternehme. „Zudem sind wir als Partei verpflichtet, den Hinweisen der Bürger nachzugehen“, stellt der Sozialdemokrat klar. (Anna Scholze)

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