Auch vor dem Hype aktiv

Die Dietzenbacherin Stefanie Lück hat schon viele Titel im Darts geholt

Fast hätte es für Stefanie Lück schon mal zur Qualifikation für eine Weltmeisterschaft gereicht.
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Fast hätte es für Stefanie Lück schon mal zur Qualifikation für eine Weltmeisterschaft gereicht.

Dabei ist Stefanie Lück schon lange. Seit 2004 spielt die Dietzenbacherin Dart - und das sehr erfolgreich.

Dietzenbach – Es mag sicher noch genug Menschen geben, die immer noch nicht verstehen, wieso Darts so viele Zuschauer vor die Fernseher und in große Hallen zieht. Aber die werden weniger. Oder anders ausgedrückt: Diejenigen, die sich anstecken lassen und gerade über die Weihnachtszeit nichts verpassen wollen, wenn im Alexandra Palace in London die WM steigt, werden immer mehr. Die Stimmung im Publikum bewegt sich dann irgendwo zwischen Bierzelt, Fußballstadion und Fastnacht, wer live dabei sein will, kauft besser schon im Sommer Tickets, so groß ist die Nachfrage.

Für Stefanie Lück ist Darts schon ein lange ein Lebensmittelpunkt, war es auch schon, bevor der Hype hierzulande richtig ankam. Als Jugendliche bot ein Onkel ihr eine Wette an: Er faltete einen 20-Euro-Schein zusammen, pinnte ihn an eine Dartscheibe und meinte, sie dürfe den Schein behalten, wenn sie es denn schaffe, ihn mit drei Pfeilen hintereinander zu treffen. Viele Versuche und ein paar Stunden später war der Onkel um 20 Euro ärmer und Lück auch um eine Leidenschaft reicher.

Lück, die heute in Offenbach-Bürgel beim Sportclub spielt, brauchte daraufhin nicht lange, bis sie in ihren ersten Dartverein eintrat, damals in Langen. In Ludwigsfelde und Leipzig aufgewachsen, zog sie 2001 nach Langen, bevor sie 2004 in Dietzenbach heimisch wurde. Schnell brachte sie es zu ihren ersten Titeln – und das sowohl im Steeldarts, der Variante mit den Metallspitzen an den Pfeilen, als auch im E-Darts. Letzteres meint gerade die in Kneipen geläufige Version, bei der mit Kunststoffspitzen auf einen Automaten samt Elektronik geworfen wird. Und so darf sich Lück sowohl Hessen- als Deutsche Meisterin nennen.

Mit vielen ganz Großen der Welt des Darts stand Lück schon auf der Bühne. Wenn sie trainieren würde, wäre sie die beste, habe Phil Taylor etwa einmal zu ihr gesagt. Und der ist mit 16 Weltmeistertiteln der erfolgreichste Dartspieler überhaupt. Ums liebe Geld muss er sich auch nach dem Ende seiner Karriere vor gut zwei Jahren also wie viele seiner renommierten aktiven Konkurrenten reichlich wenig Sorgen machen. 500 000 Pfund strich der aktuelle Weltmeister Peter Wright allein für diesen Titel ein, unter dem Jahr gibt es zahlreiche weitere hochdotierte Turniere. Von denen ist Lück noch ein Stückchen entfernt.

Zuletzt war sie kurz davor, sich für die WM zu qualifizieren, scheiterte aber im entscheidenden Spiel. Wer weiß, vielleicht hätte es ja so enden können wie bei Fallon Sherrock, der es als erste Frau gelang, bei der vom Verband PDC ausgetragenen WM in London einen Mann zu besiegen und danach sogar in die dritte Runde einzuziehen. „Wir sind alle Freunde, nur wenn wir gegeneinander spielen, sind wir Feinde“, sagt Lück über die Welt des Darts.

Während der Name Sherrock breite Kreise zog, sei es allerdings sonst immer noch sehr schwer, als Frau einen Sponsor zu finden, erzählt Lück. Als Selbstzahlerin sei es nun nicht einfach, all die Turniere mit dem Kontostand in Einklang zu bringen. So manches Mal habe auch schon ihr Bürgeler Verein ausgeholfen. Angestellt ist Lück als Pflegefachkraft im Offenbacher Sana-Klinikum, ein Job also, der, so wichtig er auch ist, trotz anstrengendem Schichtdienst kaum zu großem Wohlstand führt.

Ihr Arbeitgeber komme ihr aber zeitlich so gut es geht entgegen, wenn mal wieder ein Turnier ansteht, betont sie. „Immer klappt‘s aber natürlich nicht.“ Und so ist sie derzeit zwar bundesweit bei Turnieren unterwegs, plant keine größeren Reisen. Über den Sport hat sie schon viele Ecken der Welt gesehen, war etwa in Las Vegas oder Irland. Dass auch sie auf Turnieren schon nach Autogrammen und Selfies gefragt wurde, sei ihr ja fast ein wenig unangenehm. „Ich spiele ja nur Darts, aber es gibt mir natürlich ein gutes Gefühl, wenn das anderen gefällt. “

Viermal in der Woche ist Lück abends zu Punktspielen in Bürgel, sei es im Steel- oder E-Darts. Das will erst einmal mit dem Schichtdienst vereinbart werden. Und während manch andere Sportart gut dafür geeignet ist, einen freien Kopf zu bekommen, „treffe ich bei Stress gar nix, dann gehen die Pfeile links und rechts vorbei“. Manchmal setze sie sich selbst etwas zu viel unter Druck.

Ans Aufhören habe sie schon viele Male gedacht, dann packte sie aber doch immer wieder der Ehrgeiz. Und so ist auch das Ziel, selbst einmal auf der WM-Bühne in London zu stehen, längst noch nicht abgeschrieben. Einen Tipp, den sie Neueinsteigern gibt: „Bloß nicht zu viel ärgern.“

VON CHRISTIAN WACHTER

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