Digitale Feier mit „Filmriss“

Dietzenbacher Stadtverwaltung zeigt Video als Trostpflaster für den Ausfall der Feste im Jubiläumsjahr

Geschenk für den Ehrenbürgermeister: Ralf Spiegel (links) überreicht Jürgen Heyer ein
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Geschenk für den Ehrenbürgermeister: Ralf Spiegel (links) überreicht Jürgen Heyer ein

Zumindest ein paar Fahnen in den Straßen der Stadt haben es in physischer Form angezeigt. Susanne Pauluhn blickt an ihrer Hauswand hinauf und sieht sich das flatternde Stück Feststimmung an. „Eigentlich hätten wir ja jetzt für das Fest unseren Hof geöffnet, aber so ist es eben“, meint die Anwohnerin der Darmstädter Straße. Die Jubiläumsveranstaltung „Vereinsfest meets Nacht der Lichter“ hätte heute stattgefunden. Bekanntermaßen fällt es flach, gefeiert wird digital.

Dietzenbach – Denn coronabedingt schaut die Stadt zu ihrem 800. Geburtstag in die buchstäblich in die Röhre oder auf den Flachbildschirm. Die Mitwirkenden sind zu einer Vorpremiere für „Dietzenbach feiert anders“ am Donnerstagabend eingeladen. Edel gedeckte Tische und die Rathauspitze im Anzug vermitteln den Eindruck von Wichtigkeit, Folienballons schreiben in Ziffern die zentralen Zahlen – 800 und 50 – an die Leinwandseiten. Ein paar Nachzügler betreten nach 18 Uhr den Kuppelsaal; sie hätten sich allerdings nicht beeilen brauchen. Mancher Capitol-Mitarbeiter huscht nervös hinaus, mit dem Handy am Ohr. „Man darf den Aufwand nicht unterschätzen, den so ein Video mit sich bringt“, richtet Bürgermeister Jürgen Rogg sein Wort nach obligatorischer Begrüßung an die harrenden Gäste. Zumindest der Applaus für Ralf Spiegel von der Pressestelle – der Initiator – ist angemessen lang. Anschließend bittet Spiegel Ehrenbürgermeister Jürgen Heyer nach vorn und offenbart die Vorderseite der Leinwand, die er bei sich trägt: Sie zeigt Heyer beim Spatenstich des 1976 eingeweihten Rathauses. Die Freude steht dem Ehrenbürgermeister sichtlich ins Gesicht geschrieben. Spiegel erläutert: „Bei den Dreharbeiten hatten wir das Originalfoto dabei und Herr Heyer wollte es gerne haben.“ Dass Heyer maßgeblich das Stadtbild in vielerlei Hinsicht verändert und geprägt hat, kristallisiert sich im „Bürgermeistertalk“ mit „Jürgen und Jürgen“ heraus; ein Interview zwischen amtierendem und ehemaligem Bürgermeister. Es dauert noch eine halbe Stunde, bis die Gäste jene Szenen zu sehen bekommen. Die Ratsstube serviert derweil kleine Häppchen. Dann läuft der Film.

Im Capitol kappt die Verbindung

Grußworte aus Partnerstädten, Klänge der Heimatsänger und junger Musiktalente, eine Quizshow zwischen Nord und Süd. An deren Fragen hangelt sich der Aufbau des fast anderthalbstündigen Videos entlang, mal mehr, mal weniger kurzweilig. Worte zur Erläuterung und Beantwortung der Fragen findet Erster Stadtrat Dieter Lang, der etwa vorm „Deiwelsche“ oder am Geschichtspfad Halt macht. Der Biologe lobt die botanische Vielfalt in diesem Gebiet rund um das „Dorf im Wiesengrund“, das aus der Vogelperspektive auch heute noch als eiförmig ausgemacht werden kann – symbolisiert wird die erste urkundliche Erwähnung 1220 durch ein aufgeplatztes Ei. Eine Kunstinstallation, die die meisten Quizteilnehmer kannten.

Wie das Ergebnis des Wettbewerbs lautet, bleibt den Besuchern der Vorpremiere verborgen. Als das Video um 20.15 Uhr online geht, kappt die Verbindung im Capitol. „Filmriss“, lautet ein trockener Kommentar im Publikum. Die Dietzenbacher tragen es mit Fassung. (Lisa Schmedemann)

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