Diskussion um ein Filetstück im Spessartviertel

CDU und Grüne wollen Bebauung des „Innenohrs“ verhindern

Geht es nach Grünen und CDU, soll das Innenohr nicht bebaut werden. Ein entsprechender Antrag soll nun erarbeitet und in die nächste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden.
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Geht es nach Grünen und CDU, soll das Innenohr nicht bebaut werden. Ein entsprechender Antrag soll nun erarbeitet und in die nächste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden.

Rein von der Lage her ist es ein sogenanntes Filetstück: Das rund ein Hektar große brachliegende Grundstück zwischen dem Brückwiesenweg und den fünf Hochhäusern des Östlichen Spessartviertels, von den Dietzenbachern „Innenohr“ genannt, könnte mit einer Bebauung gut versilbert werden.

Dietzenbach – Entsprechendes sieht der derzeit gültige Bebauungsplan auch vor. Indes diskutieren die Stadtverordneten seit Jahren darüber, welche Nutzung für das dicht besiedelte und immer wieder durch Kriminalität in die Schlagzeilen geratene Gebiet am besten wäre.

Entsprechende Anträge von CDU und Grünen, mit denen eine weitere Wohnbebauung in dem Quartier verhindert werden soll, fanden allerdings noch vor zwei Jahren keine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung. Nun, nach den jüngsten Krawallen im Spessartviertel Ende Mai, haben die beiden Fraktionen erneut einen Vorstoß gewagt. Und könnten dieses Mal erfolgreich damit sein. Nach einer Diskussion im Bauausschuss soll eine gemeinsame Antragsfassung erarbeitet werden, die von der Formulierung her keine Wohnungen auf dem Grundstück zulässt, wohl aber noch die Möglichkeit, Gebäude für die soziale Nutzung zu bauen. Ein entsprechender Antrag soll dann voraussichtlich in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Freitag, 25. September, vorliegen. „Wir wollen alle das Gleiche, wir müssen es nur noch formulieren“, sagte der Ausschussvorsitzende Harald Nalbach (WIR-BfD).

Harald Nalbach (WIR-BfD): „Wir sollten genau festlegen, was wir dort zulassen“

„Der Magistrat wird gebeten, den Bebauungsplan 8JEa so anzupassen, dass keine Wohnbebauung mehr zulässig ist und stattdessen eine Grünfläche festgesetzt wird“, heißt es in dem Vorschlag der Christdemokraten. Nach der Vorstellung der Grünen soll der Bebauungsplan außer Kraft gesetzt und durch einen Plan ersetzt werden, der weitere Wohnmöglichkeiten unterbindet.

„Wir sollten genau festlegen, was wir dort zulassen, sonst hat die Verwaltung grundsätzlich freie Hand“, lautete die Empfehlung von Harald Nalbach. Es mache auch keinen Sinn, eine reine Grünfläche zu planen, „dann können wir dort gar nichts mehr entwickeln.“ Auch Andrea Wacker-Hempel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, mahnte: „Wir sollten eine gewisse Offenheit haben, es könnte sich ergeben, dass wir dort irgendwann ein Familienzentrum oder eine ähnliche Einrichtung bauen wollen.“ Entsprechend gelte es, in Ruhe überlegen zu können, welche Zukunft das Grundstück habe.

Bürgermeister Jürgen Rogg: „Wir werden eine Änderung klug und nachhaltig begründen müssen.“

Indes machte Bürgermeister Jürgen Rogg darauf aufmerksam, dass für eine Änderung des Bebauungsplans ein Ziel festgelegt werden müsse. „Wir könnten auch einen Teil des Grundstückes als Grünfläche definieren und den Rest für eine Bebauung mit sozialer Infrastruktur belassen“, schlug er vor. Darüber hinaus sei zu bedenken, dass der Regionalverband mitentscheide. „Nach den Vorgaben des Landesplans ist die Verdichtung dort gar nicht so hoch, wir werden eine Änderung klug und nachhaltig begründen müssen.“

Bereits vor etwa zehn Jahren war anlässlich des Bürgermeisterwahlkampfes die Idee aufgetaucht, die Polizeistation ins Spessartviertel zu verlegen. Das hatte der damalige Polizeipräsident Heinrich Bernhardt allerdings klar abgelehnt. Zwar gebe es Täter, deren kriminelles Verhalten durch die „schiere Größe“ der fünf Hochhäuser begünstigt werde. Man sollte aber lieber darüber nachdenken, wie die Anlage reduziert und die Bewohner „kleinräumig aufgeteilt“ werden könnten. Eine konkrete Gestaltung der Fläche initiierten dagegen im Jahr 2007 Schüler der Heinrich-Mann-Schule im Rahmen des Planspiels „An den Schalthebeln der Macht“. Mithilfe zahlreicher Sponsoren schufen sie ein Areal mit „Bäumen der Nationen“, also typischen Gewächsen der 25 in Dietzenbach am häufigsten vertretenen Nationen.

Bereits kommende Woche könnte sich nun also entscheiden, wie es mit dem „Innenohr“ weitergeht. (Barbara Scholze)

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