Wie die Ritter der Tafelrunde

Drei Quereinsteiger eröffnen Restaurant mit Burgambiente

+
Thomas Bachmann (von links), Mehmet Bujakovic und Mike Wawra stürzen sich mit der Tafelrunde auf dem Hexenberg ins Abenteuer Gastronomie.

Dietzenbach - Dass ein Kfz-Meister, ein Telekommunikationskaufmann sowie ein Kälte- und Klimatechniker zusammenarbeiten, kommt nicht so häufig vor. Dass sie zusammen ein Restaurant mit Burgambiente eröffnen, ist wohl einmalig. Von Sascha Dreger

„Wenn mir vor zwei Jahren jemand erzählt hätte, dass ich mal ein Restaurant eröffne, hätte ich laut gelacht“, sagt Mike Wawra. Für den 30-jährigen und seine Freunde Thomas Bachmann und Mehmet Bujakovic steht aber genau das kurz bevor. Dabei sind die drei durch Zufall ins Abenteuer Gastronomie gerutscht. Alles fing mit einer defekten Telefonleitung an, die der gelernte Telekommunikationskaufmann Bachmann reparieren sollte.

Eigentlich wollte der 35-Jährige eine Club-Lounge eröffnen. „Dafür habe ich immer ganz ungezwungen die Augen nach einer passenden Location offen gehalten.“ Er betrat die Räume auf dem Hexenberg und dachte sofort: „Das ist es. Für einen Club zu groß, als Restaurant aber perfekt.“ Die Idee war geboren, die drei begannen, feste Pläne zu schmieden. Kurz nach dem Ende der früheren Gaststätte Pfeffermühle entschied sich der Besitzer laut Bujakovic damals für eine Neugestaltung der Räume. 2004 sei mit dem Innenumbau begonnen worden, eine langfristige Verpachtung habe es dann aber bis heute nicht mehr gegeben.

Beim Betreten des Gebäudes an der Bensheimer Straße begrüßen nun steinerne Burgwächter die Besucher. Aus Sandstein gemauerte Wände und schwere Holzbalken an der Decke verleihen dem Gastraum ebenso einen burgähnlichen Charakter, wie Fresken an den Wänden oder große Kerzenleuchter auf dunklen Holztischen. Ein beleuchteter Bachlauf fließt unter einem Glasboden an der Theke entlang und zwischen Fachwerkgebälk sorgen weiß getünchte Mauern für Auflockerung. „Das hat Mike übernommen“, sagt Bachmann. „Stück für Stück mit einem Minipinsel.“ Durch die raue Beschaffenheit der Wände sei das nicht anders möglich gewesen und es habe gefühlt ewig gedauert, erwidert dieser. „Irgendwann war er nur noch unser Picasso“, sagt der 26-jährige Bujakovic lachend.Der Name Tafelrunde für das neue Restaurant war schnell gefunden. Das passe perfekt. „Und ein Stück weit edle Ritter sind wir ja auch“, finden die drei. Seit Jahren engagieren sie sich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Ein bisschen so wie die Ritter der Tafelrunde“, werfen sie schmunzelnd ein.

Aus der anfänglichen Idee wurde schnell der Traum eines gemeinsamen Gasthauses und schließlich die Überzeugung, es zusammen zu schaffen. „Wir sind ja alle keine gelernten Gastronomen“, erklärt KFZ-Meister Wawra, „das war schon eine echte Herausforderung“. Es galt, herauszufinden, was man selbst von einem Restaurant erwartet. „Wir haben uns durch fast 40 Lokale gegessen und getrunken.“ Stift und Block immer dabei, um die Erfahrungen festzuhalten. Alle haben stets verschiedene Gerichte bestellt und vom Service bis zum Salzstreuer alles genau beobachtet. „Ich glaube, spätestens beim Nachtisch haben uns alle für Restaurantprüfer gehalten“, erzählt der 30-jährige Wawra augenzwinkernd.

Zu Gast im Botín: Schlemmen bei Spaniens uralter Attraktion

Eine Standortanalyse sollte zeigen, was es schon gibt und was nicht. Sich von anderen abzuheben, sei das Ziel. Die drei holten sich Rat bei befreundeten Gastronomen, besuchten Fachmessen, hatten aber auch so manches Problem zu bewältigen. „Da konnte ja nicht alles glatt gehen“, sagt Bujakovic. Vom Internet über Strom bis zur Klimaanlage war einiges in Schuss zu bringen. „Auch die Sanitäranlagen sind komplett saniert“, betont der selbstständige Kälte- und Klimatechniker weiter. Ein Wasserrohrbruch hat einiges an Arbeit und Zeit gekostet. „Das ist uns schön in den Keller gelaufen, ein großer Schaden war es aber glücklicherweise nicht“, berichtet Wawra. Schlimmer war ein Kabelbrand im Lagerraum – ausgerechnet am Zweiten Weihnachtsfeiertag. „Der Strom war plötzlich weg, da habe ich mal nachgeschaut und Rauch entdeckt“, sagt Bujakovic. „Das ist ein absolut blödes Gefühl, im Feuerwehrpiepser zu hören, dass es im eigenen Lokal brennt“, schildert Wawra. Auch da verlief es glimpflich. Das hat die drei im Zeitplan allerdings gut zwei Wochen zurückgeworfen. Die Planung für die Küche haben die drei Geschäftspartner dem Küchenchef überlassen. „Der weiß, was man wo braucht“. In einer Nische neben der Bar gibt’s eine Vinothek: „Weinproben wird es natürlich auch geben“, kündigt Wawra an.

Rote Polster auf den ritterlichen Holzmöbeln bieten Innen Platz für rund 60 Gäste, für 80 weitere soll ein Außenbereich mit Biergarten entstehen. Mit gehobener deutscher Küche, samt saisonalen Speisen und europäischen Einflüssen, will sich die Tafelrunde modern präsentieren. Im hinteren Bereich gibt’s es auch sechs Kegelbahnen, die allerdings für Veranstaltungen gedacht sind. Auch dort unterstreichen Mauerfenster sowie gemalte Ritter und Drachen das Burgambiente. „Und beim Schwarzlichtkegeln kommen noch viel mehr Details zum Vorschein“, verrät Wawra. Die letzten Handgriffe sollen in den kommenden Wochen erledigt sein, für Mitte Februar steht ein Soft-Opening im Terminkalender.

Weitere Infos: tafelrunde-dietzenbach.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare