Nur noch der Schnitt fehlt

Blaumacher drehen Rap-Video

Zehn Schülerinnen und Schüler hüpfen auf Kommando, bis der Tanz perfekt im Kasten ist, ...
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Zehn Schülerinnen und Schüler hüpfen auf Kommando, bis der Tanz perfekt im Kasten ist, ...

Das Blaulicht vor dem Autohaus Brass erweckt die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer. Die Stadtpolizei hat die Lise-Meitner-Straße gesperrt, genauer gesagt abgesichert. Auf dem Grünstreifen bereitet sich eine Gruppe junger Menschen auf ihren großen Auftritt vor. Elke Schott weist alle noch einmal auf ihre Aufgabe hin, zupft hier am Rock und dort am blauen T-Shirt, welches das Autohaus allen gespendet hat.

Dietzenbach – Auf der anderen Seite der Straße steht Nathalie Emmer vom Medienprojektzentrum Offener Kanal Rhein-Main (MOK) mit einer Videokamera. „Seid konzentriert, es kann losgehen“, lautet die Anweisung der Kamerafrau.

Auf ein Zeichen hin, wie sie es oft geprobt haben, legt die Gruppe los. „Dreimal acht ist vier“, singt die Schüler-Gruppe, im weiteren Text folgen entsprechende Eselsbrücken für das kleine Einmaleins. „Das war schon ganz gut, aber ihr seid zu weit nach rechts aus dem Bild gewandert – bleibt näher zusammen“, gibt Nathalie Emmer entsprechende Korrekturanweisungen für den zweiten Durchgang.

„Fast perfekt, aber es geht bestimmt noch besser“, fordert die Kamerafrau die zehn Schülerinnen und Schüler zu einer letzten Performance auf. „Das war wirklich perfekt – vielen Dank!“, lobt die Medienspezialistin den engagierten Einsatz der Gruppe. Der Beifall von Elke Schott und Artan Statovci, Geschäftsführer des Autohauses, ist die Bestätigung. „Elke, gehen wir gleich an den Videoschnitt?“, fragt die zwölfjährige Khaula ungeduldig nach dem Ergebnis.

So schnell geht es freilich nicht, denn dem Dank an die Stadtpolizei für die Absicherung folgt erst mal der geordnete Rückzug. „Kinder, morgen ist auch ein Tag“, meint Schott, die selbst indes ebenfalls neugierig ist. Der Dreh ist ein weiteres Glied fürs Rechnenprojekt der Blaumacher – aber nicht das letzte.

„Die Kinder haben den Text selbst geschrieben, um mit ihren Worten Hilfestellung für das Erlernen des kleinen Einmaleins zu geben“, erläutert Elke Schott. Als letzter Schritt fehle nur noch der Schnitt. „Ich habe an einer Schulung teilgenommen, um solche Projekte mit Kindern eigenständig umsetzen zu können – vom Drehbuch bis zum fertigen Clip“, erklärt Schott.

„Ich mache mit, weil ich Spaß dabei habe und viel lerne“, beschreibt die neunjährige Anisa ihre Beweggründe, mit dabei zu sein. Nela (8) kann dies nur bestätigen, sie kommt gern zu den täglichen Treffen im Hause Schott. „Ich vermisse nichts, fühle mich einfach wohl – auch mal ohne Fußball“, betont der 13-jährige Sohaib. „Ich habe so viele Freunde gefunden, die möchte ich immer behalten“, freut sich die zwölfjährige Khaula auf weitere Zusammenkünfte.

Für die Managerin des Vereins Blaumacher ist dieses Projekt eine wunderbare Weiterentwicklung der Aktivitäten. Die Kinder erhalten einen Workshop, wie man ein Drehbuch schreibt. „Das ist mehr als eine sinnvolle Übung in der Anwendung für die deutsche Rechtschreibung, aber auch Kommunikation“, verweist Schott auf eine vielfältige Kompetenzerweiterung.

In drei Tagen lernten die Kinder alles hinter und vor der Kamera – und wie man dramaturgisch perfekt einen Videoclip schneidet. „Ich bin dabei nicht direktiv, sondern nur führend dabei, denn dann macht es den Kindern noch mehr Freude, wenn sie das Ergebnis als ihr alleiniges Produkt bezeichnen können – und genau das will ich“, so Schott.

Nun sind alle gespannt, wie der Clip, mit dem selbstgetexteten Rap kombiniert, als finales Produkt über das Internet buchstäblich „in alle Welt“ gesendet wird. (Von Leo F. Postl )

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