Zuschlag möglich

Drogenhandel und viele Vorstrafen: 34-Jähriger muss in den Knast 

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Drogenhandel und viele Vorstrafen - 26-Jähriger muss in den Knast 

Am Ende waren es die Vorstrafen, die einem Dietzenbacher 26 Monate Haft wegen Drogenhandels einbrachten. Vielleicht muss er aber länger hinter Gitter.

Dietzenbach – Für 26 Monate muss ein Dietzenbacher wegen Drogenhandel hinter Gitter. Gut möglich, dass er noch einen Zuschlag bekommt. Das Schöffengericht in Offenbach trennte unter dem Vorsitz von Richter Manfred Beck den Anklagepunkt wegen Einbruch ab. Der Grund: Der JVA-Insasse hatte die entsprechende Anklageschrift nicht erhalten.

Im Gefängnis sitzt der 34-Jährige wegen des Verdachts, in Unterfranken einen weiteren Einbruch begangen zu haben. Wie während der Verhandlung schon angekündigt, legte der Mann nach dem Urteilsspruch Berufung ein. Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages gibt Richter Beck dem Antrag der Staatsanwältin auf Vollzug des Haftbefehls statt. Das im anderen Fall zuständige Gericht in Aschaffenburg könnte den Angeklagten bis zur Verhandlung aus der Haft entlassen. Richter Beck fürchtet, „als türkischer Staatsbürger könnten Sie sich leicht absetzen“.

Dietzenbacher gerät in Polizeikontrolle

Im Oktober 2016 und im Januar 2017 geriet der Dietzenbacher dreimal in eine Polizeikontrolle. Einmal führte er 97,5 Gramm Cannabis mit einer THC-Konzentration von 19 Prozent bei sich. Ein anderes Mal rannte er vor der Polizei weg, als Ermittler auf einem Parkdeck im Spessartviertel an einem Auto einen mutmaßlichen Drogendeal beobachteten, bei dem der Angeklagte 24 Gramm Cannabis verkauft haben soll. Beim dritten Mal fand sich nur ein knappes Gramm in seiner Hosentasche.

Die 97,5 Gramm erklärt der Mann mit Eigenbedarf. Richter Beck fragt nach, wie er sich als arbeitsloser Schulabbrecher eine solche Menge leisten konnte. „Es ist kein Problem, 100 Gramm für 250 Euro zu kaufen“, nennt der Angeklagte einen ungewöhnlich günstigen Preis. Ein Polizist erzählt von einer weiteren Personenkontrolle. Der Angeklagte sei geflohen, als er an einem Auto stand, in dem ein Paar saß, bei dem sich schließlich 24 Gramm Haschisch fanden. „Wie beim Rugby“ hätte man den Dietzenbacher schließlich gestoppt. Der Beamte berichtet, man habe eine Feinwaage gefunden. Außerdem habe der Angeklagte beim Wegrennen 745 Euro in kleinen Scheinen weggeworfen.

"Ich schmeiße doch kein Geld weg"

Das weist der Angeklagte von sich: „Das ist gelogen. Ich schmeiße doch kein Geld weg.“ Bei seiner späteren Urteilsbegründung erklärt Richter Beck, warum das Gericht dem Beamten glaube, „es klingt nicht logisch, dass ein Polizist 745 Euro von seinem Gehalt opfert, um sie falsch zu beschuldigen“.

In einem anderen Punkt gibt Beck dem Angeklagten Recht. Im Oktober letzten Jahres lösten Einbrecher morgens um fünf in einer Lokalität in Dietzenbach einen Alarm aus. Sie brachen einen Geldautomaten auf. Es entstand ein Schaden von 4000 Euro. In der Nähe griff die Polizei einmal mehr den Dietzenbacher auf, der nun bemerkt, „ich habe die Anklageschrift zu dem Punkt nie erhalten“. Das bestätigt Beck nach einem Blick in die Akten. Den Vorwurf, am Einbruch beteiligt gewesen zu sein, muss das Gericht nun extra verhandeln.

Staatsanwältin fordert 30 Monate Haft

Die Staatsanwältin fordert 30 Monate Haft wegen Drogenhandels. Pflichtverteidiger Ulf Köper hält es für möglich, dass die knapp 100 Gramm Cannabis für den Eigenkonsum bestimmt waren. Die 745 Euro verstreuten Euro ließen sich seinem Mandaten nicht mit letzter Sicherheit zuordnen. Er stellt eine Strafe wegen Drogenbesitz „ins Ermessen des Gerichts“. Die solle aber deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft liegen.

Richter Manfred Beck nennt die vielen Vorstrafen aus den Bereichen Körperverletzung, Diebstahl und Betäubungsmittel als Grund, warum der Angeklagte 26 Monate Haft bekommt: „Sie sind ein Drogenhändler, ob auch ein Einbrecher, das wird sich noch erweisen.“ Beck sieht eine schlechte Sozialprognose für den Mann, der verkündet: „Am Landgericht werden die über das Urteil lachen.“

VON STEFAN MANGOLD

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