Räuberischer Diebstahl

Intensivtäter muss für Jahre ins Gefängnis: Verteidiger erhebt schwere Vorwürfe

Ein Intensivtäter aus Dietzenbach bei Offenbach muss wegen räuberischem Diebstahls ins Gefängnis. (Symbolbild)
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Ein Intensivtäter aus Dietzenbach bei Offenbach muss wegen räuberischem Diebstahls ins Gefängnis. (Symbolbild)

Ein Intensivtäter aus Dietzenbach bei Offenbach muss für lange Zeit ins Gefängnis. Sein Verteidiger macht den Zeugen schwere Vorwürfe. Wegen Björn Höcke werden sogar zwei Anklagepunkte fallen gelassen.

Dietzenbach – Beim dritten Termin ist vor dem Schöffengericht Offenbach das Urteil gefallen. Ein als Intensivtäter geführter Dietzenbacher muss wegen Wohnungseinbruchs, räuberischem Diebstahl, Unfallflucht und Fahrens ohne Führerschein für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Zwei Polizisten können als Zeugen nicht erscheinen. Sie sind im Kontext der Rede des AfD-Politikers Björn Höcke im Einsatz. Um den Prozess an dem Tag dennoch abschließen zu können, erklärt sich Staatsanwältin Sylvia Erdelt einverstanden, zwei Anklagepunkte, in denen es um „Fahren ohne Führerschein“ geht, vorläufig einzustellen. Letztlich fällt das kaum ins Gewicht. Der 24-Jährige, in dessen Bundeszentralregisterauszug acht Eintragungen stehen, sieht sich weiteren Vorwürfen ausgesetzt.

Schöffengericht Offenbach: Täter aus Dietzenbach äußert sich nicht

Die Staatsanwältin erklärt, eigentlich sei sie davon ausgegangen, „dass sich der Angeklagte reuig und einsichtig zeigt“. Davon könne jedoch keine Rede sein. Er habe den Einbruch eingeräumt, bei dem man ihn erwischte, ebenso zweifaches Fahren ohne Führerschein, was Fotos von Blitzern belegten. Aber weder zum räuberischen Diebstahl, noch zu zwei weiteren Fahrten ohne Führerschein samt Verkehrsgefährdung und Entfernung vom Unfallort habe er ausgesagt.

Den Angeklagten hatte auf der Flucht vor der Polizei der Zaun eines Schrebergartens gestoppt, worauf er sich zu Fuß entfernte. Vor dem Schöffengericht verhält sich der Mann diszipliniert und aufmerksam. Er wirkt jedoch, als berühre ihn das Verfahren nicht wirklich.

Verteidiger: Zeugen sollen Intensivtäter aus Dietzenbach geschlagen haben

Erdelt erklärt in ihrem Plädoyer, der Angeklagte habe am 21. Mai 2020 aus der Dietzenbacher Wohnung eine Uhr im Wert von gut 5600 Euro gestohlen, die er gegenüber Zeugen, die ihn stellten, verteidigen wollte. Die Zeugen hätten ihn berechtigt mit Gewalt festgehalten, weil er mehrfach versucht habe, zu entkommen. Die Staatsanwältin sieht auch keinen Hinweis, dass der Angeklagte, wie behauptet, gegen eine Drogensucht kämpfe. Erdelt fordert in Summe drei Jahre und zehn Monate Gefängnis.

Rechtsanwalt Thorsten Tuma zeichnet von seinem Mandanten ein anderes Bild. Der Dietzenbacher bereue seine Tat durchaus, „jeder zeigt das aber anders“. Tuma erklärt, dem Angeklagten sei es nach dem Einbruch nur noch darum gegangen, sich der Situation zu entziehen, „die Zeugen hatten ihn schließlich geschlagen“. Es sei ihm in diesem Moment aber nicht darum gegangen, die geklaute Uhr zu sichern.

Schöffenhericht Offenbach sieht beim Täter aus Dietzenbach das Fass übergelaufen

Tuma wirft den Ausbildungsplatz in die Waagschale, den sein Mandant wegen der Untersuchungshaft nicht antreten konnte, „die Firma hält den bis August offen“. Einen Drogentherapieplatz habe er sofort sicher. Tuma plädiert auf zwei Jahre Gefängnis, „dann kann er im August draußen sein“. Normalerweise verschließt sich Richter Manfred Beck solchen Argumenten nicht. In dem Fall sieht er das Fass aber übergelaufen. Beck und die Schöffinnen verurteilen den 24-Jährigen zu 39 Monaten Gefängnishaft.

Der Vorsitzende Richter beschreibt den Angeklagten als einen Charakter, „der denkt, dass die Gesetze für ihn nicht gelten“. Als Beispiel nennt Manfred Beck zwei Autofahrten ohne Führerschein, „sie werden einmal geblitzt und wissen, dass sie dran sind. Zwei Wochen später fahren Sie schon wieder zu schnell am Geschwindigkeitsmesser“. Richter Beck spricht von einer hohen Professionalität beim Einbruch, „sie hatten einen Bohrer dabei“. Beim Verlassen der Einbruchswohnung habe er mit seinem gesondert verfolgten Kumpel gegenüber den Zeugen sofort Gewalt angewendet, „das reicht für räuberischen Diebstahl“.

Außerdem sehe er keine Drogenproblematik, „zumal Sie die in einem früheren Prozess ausdrücklich verneinten“. Der Richter konstatiert, „Sie handeln kriminell, weil es Ihnen darum geht, mit teuren Autos zu protzen“. Manfred Beck sieht im Angeklagten „eine dissoziale Persönlichkeit. Eine Drogentherapie kann da nicht helfen“. (Stefan Mangold)

Nach einem Überfall auf eine Tankstelle wurde ein Dietzenbacher im Mai 2020 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

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