Ein Auge fürs Detail

Die Dietzenbacherin Sabrina Schuster ist selbstständige Malermeisterin

Malermeisterin Sabrina Schuster ist es wichtiger, sich einen Stamm an langjährigen Kunden aufzubauen, anstatt den größten und besten Aufträgen hinterherzujagen.
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Malermeisterin Sabrina Schuster ist es wichtiger, sich einen Stamm an langjährigen Kunden aufzubauen, anstatt den größten und besten Aufträgen hinterherzujagen.

Während der Coronazeit mag so mancher den Hobbyhandwerker in sich entdeckt haben. Wer nicht selbst die eigenen vier Wände renoviert hat, überlässt die Neugestaltung von Homeoffice und Co. vielleicht doch lieber dem Fachmann – oder der Fachfrau. Diesem Begriff gibt die 25-jährige Sabrina Schuster ein Gesicht: Seit einer Woche nimmt die Malermeisterin Aufträge in ihrer Heimatstadt und Umgebung an.

Dietzenbach – Sie setzt auf etwas, das ihr in den vergangenen Jahren immer wieder – gerade bei Kundinnen – aufgefallen ist. Handwerkerinnen sind gefragt. Aus der Zeit, in der sie in einer Dreieicher Firma fest angestellt war, berichtet Schuster: „Manche Kundinnen haben explizit nach mir gefragt.“ Das seien oftmals alleinstehende Frauen gewesen. „Manche fühlen sich wohler, wenn sie mit einer Handwerkerin statt einem Handwerker alleine in der Wohnung sind“, schätzt die Malermeisterin.

Nach dem Realschulabschluss hätte die Dietzenbacherin weiter die Schulbank drücken können, hat sich jedoch bewusst dagegen entschieden. „Ich war schon immer eher freiheitslebend und selbstbestimmt“, erzählt sie. Der Weitläufigkeit des Aussiedlerhofes, auf dem die Familie lebt, habe dazu sicher etwas beigetragen. Auch sonst ist der 25-Jährigen die Selbstständigkeit in die Wiege gelegt. Die Eltern betreiben einen Kurierdienst. Neben den Fahrzeugen findet sich auf dem Hof noch genug Platz für Malerleiter oder das Firmenauto der 25-Jährigen, dass noch auf seine Folierung wartet. Das Sprungbrett ist da. „Ich bin froh, dass meine Eltern da so locker sind – sie wissen eben auch, was es bedeutet, selbstständig zu sein“, meint Sabrina Schuster. Sie stärken ihr den Rücken. Mutter Elke Schuster war von den Plänen ihrer Tochter nicht sonderlich überrascht. „Viele gehen mit falschen Vorstellungen an eine solche Sache ran“, findet sie. Doch diese Gefahr sehe sie bei Sabrina nicht.

Auch in der Branche selbst gelten Frauen als penibler und präziser in ihrer Arbeit. Kein Grund für die Gentlemen, der Kollegin nicht doch den Eimer mit Putz drei Stockwerke hochzutragen. „Das gehört zwar zu meinem Job, aber man schlägt es ja doch nicht aus“, stellt Schuster fest und lacht. Dennoch sollte man auf der Baustelle nicht allzu zart besaitet sein. „Der Ton ist schon rauer“, definiert die Meisterin. Es bedürfe einer gewissen Charakterstärke, plumpe Sprüche auch zu kontern. „Wenn du einmal deine Stellung klar gemacht hast, war man schnell auf Augenhöhe und hat sich verstanden.“

Doch auch ohne Kollegen werde der Arbeitsalltag nicht langweilig, ist sich die 25-Jährige sicher. Denn gerade die „netten Schwätzchen“, die sich mit den Kunden ergeben, runden für die Malermeisterin einen Auftrag erst ab. „Lieber baue ich mir einen Stamm an langjährigen Kunden auf, als immer dem größten und besten Auftrag hinterherzujagen“, sagt sie.

Künftig nimmt sie von der Terminvereinbarung bis zum letzten Pinselstrich alles selbst in die Hand. Neben den typischen Malerarbeiten freut sie sich auf kreative Freiräume. Ihr Steckenpferd sind spezielle Spachteltechniken, die „eben mal was anderes“ sind. Dieser Philosophie folgt die 25-Jährige generell. So legt sie etwa Wert auf das „Drumherum“, das andere Betriebe vergessen oder voraussetzen. Schuster erläutert: „Es gehören eben auch Kleinstarbeiten wie Kommoden verrücken oder Bilder ab- und aufhängen dazu – das möchte ich mit anbieten.“ Seien es nun alleinerziehende Mütter oder alleinstehende Senioren – eine helfende Hand werde immer gebraucht.

(Von Lisa Schmedemann)

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