Ein Gespräch löst oft Streitigkeiten

Helmut Trebus beruhigt als ehrenamtlicher Schiedsmann in Dietzenbacher aufgeheizte Gemüter

Neutralität ist sein oberstes Gebot: Schiedsmann Helmut Trebus bewahrt mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit Gerichte vor vielen Fällen.
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Neutralität ist sein oberstes Gebot: Schiedsmann Helmut Trebus bewahrt mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit Gerichte vor vielen Fällen.

Oft führen Kleinigkeiten zu einem erbitterten Nachbarschaftsstreit: Die zu hohe Hecke, Wurzeln, die über die Grundstücksgrenze wachsen oder ein zu lauter Fernseher. Dann ist Schiedsmann Helmut Trebus gefragt. Bereits seit elf Jahren schlichtet er ehrenamtlich Streitigkeiten, die sonst vor Gericht landen würden. Bei der vergangenen Stadtverordnetenversammlung wurde der 69-Jährige nun einstimmig in seinem Amt bestätigt.

Dietzenbach – Schiedsmann wurde Trebus zufällig, als ihn einst der Vorsitzende des Ortsgerichtes auf der Straße ansprach, weil das Schiedsamt zu jener Zeit unbesetzt war. „Ich dachte mir: warum eigentlich nicht? So kann ich der Stadt auch was zurückgeben“, sagt er. Des Weiteren ist Trebus noch in weiteren Vereinen seit Jahren ehrenamtlich tätig, zum Beispiel beim Arbeiter-Samariter-Bund Offenbach. Für sein ehrenamtliches Engagement dort wurde Helmut Trebus auch schon vom ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Beruflich tritt der selbstständige Werksvertreter mittlerweile kürzer und will dieses Jahr noch sein Geschäft an seinen Nachfolger übergeben. Ans Aufhören als Schiedsmann denkt Trebus aber noch lange nicht: „Es macht einfach Freude, wenn man sieht, was so ein Gespräch bewirken kann.“

Zwischen 20 und 30 Fälle haben er und seine Stellvertreterin, die ehemalige Stadtverordnetenvorsteherin Kornelia Butterweck, pro Jahr. 2020 waren es 22, gut 90 Prozent der Fälle können die beiden dabei schlichten. Während Corona seien die Fallzahlen leicht rückläufig gewesen. „In den meisten Fällen, bei gut 75 Prozent, kommen die Menschen von selbst zu uns, ein Fünftel wird von einem Rechtsanwalt und ein kleiner Teil wird vom Gericht zu uns geschickt“, zählt Trebus auf. Ihm sei wichtig, dass die Menschen nicht das Gefühl haben, vor Gericht zu sein. „Hier gibt es keine Gewinner und keine Verlierer“, mache er den Beteiligten deshalb immer wieder vorher klar. In den meisten Fällen muss Trebus die Betroffenen gar nicht zu einem Verhandlungsgespräch mit offiziellem Protokoll einladen, sondern die Probleme ließen sich in einem sogenannten Tür-und-Angel-Gespräch schon vorher lösen: „Wenn es zu einer Verhandlung kommen soll, fällt vielen dann ein, dass einen Ast zurückzuschneiden dann doch gar nicht so ein große Aktion ist“, sagt Helmut Trebus.

Denn eine Verhandlung beim Schiedsamt der Kommune ist keine freiwillige Veranstaltung. Wenn ein Schiedsmann oder eine Schiedsfrau eine Einladung verschickt, dann wird Nichterscheinen mit bis zu 100 Euro Ordnungsgeld bestraft. Doch dies wolle er so gut es geht vermeiden: „Ich will eine möglichst neutrale Atmosphäre schaffen und nicht die Stimmung schon von vornherein aufheizen.“

Im Gespräch vor Ort würden die streitenden Nachbarn oft zum ersten Mal richtig miteinander reden, berichtet der 69-Jährige. Auch höre er sich manchmal noch im Umfeld der Nachbarn um, um weitere Meinungen einzuholen. So wie bei einem Fall, bei dem sich ein Mann über einen angeblich zu lauten Fernseher des Nachbarn um 3 Uhr nachts in einem Mietshaus beschwerte. Daraufhin habe er, angeblich zur Revanche, mit einem Blechgegenstand auf das Geländer gehauen. Bei der Befragung der Nachbarn habe sich dann herausgestellt, dass wohl nur der Klagende den zu lauten Fernseher hört, andere Anwohner nicht. Die Schläge auf das Geländer bestätigten aber alle. „Wir haben dann eine gegenseitige Unterlassung abgemacht und seitdem habe ich auch nichts mehr von Problemen gehört.“

Bei den Gesprächen unter Corona-Bedingungen weichen die Schiedsleute oft in große Räume im Rathaus aus, die genug Platz bieten, um die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Im Schnitt verbringe er gut drei Stunden mit einem Fall, wobei dies jeweils stark schwanken könne: „Als Schiedsmann muss man flexibel sein und auf die Leute zugehen. Und wenn es mal nicht so gut läuft, dann sag ich: ,Schlafen Sie noch mal eine Nacht drüber’ und dann trifft man sich am nächsten Tag noch mal. Meistens klappt es dann doch.“

Wenn das Gespräch beim Schiedsamt nicht erfolgreich ist, dann können die Parteien auch vor Gericht ziehen. Allerdings wird der Streit dann deutlich teurer. Denn wer sich beim Schiedsamt schon einigt, zahlt nicht mehr als 50 bis 60 Euro Gebühr.

(Von Lukas Reus)

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