Serie: 75 Jahre SG Dietzenbach

Dietzenbach erlebt goldene Generation im Schach

Die erste Schachmannschaft der SG Dietzenbach (alle Spieler sitzen an den Außenseiten) bei einem Heimspiel Mitte der 1980er Jahre.
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Die erste Schachmannschaft der SG Dietzenbach (alle Spieler sitzen an den Außenseiten) bei einem Heimspiel Mitte der 1980er Jahre.

Die Sportgemeinschaft (SG) Dietzenbach feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. Am 4. November 1945 wurde die Gründung im „Neuen Löwen“ an der Rathenaustraße besiegelt. In loser Reihenfolge stellen wir zu diesem Anlass die sieben Abteilungen des 960 Mitglieder zählenden Vereins vor, erinnern an sportliche Erfolge und blicken auf künftige Pläne.

Dietzenbach – Es gehörte zu den ersten Sportarten, die die Sportgemeinschaft in ihr Programm aufnahm, geriet zwischenzeitlich aber in Vergessenheit: das Schachspiel. Bereits 1946 als eigener Bereich bei der SG integriert, fiel sie in den 1960er Jahren in einen „Dornröschen-Schlaf“, heißt es in der Chronik zum 50. Geburtstag des Vereins. Erst die Fusion mit dem Konkurrenzverein Gardez im Herbst 1971 küsste die Abteilung wieder wach.

Anfang der 1980er Jahre setzt die Abteilung verstärkt auf die Jugend

Bekannt wurde das Spiel durch Rückkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft. „Sie überwanden damit ihre schwere Zeit“, erläutert Abteilungsleiter René Schaaf. So wie Karl Steinheimer. Der Gründer der Abteilung bemalte sogar die Fassade seines Hauses mit einem Schachbrett.

In den 1960ern ließ die Begeisterung für das Spiel allerdings immer mehr nach. Erst durch den Zusammenschluss mit dem Schachklub „Gardez“ und mit Eckard Schulz als Leiter gelang es der Abteilung, sich wieder als aktiver Bestandteil der SG zu etablieren. Bereits wenige Jahre nachdem die Abteilung 1971 mit dem konkurrierenden Verein fusionierte, errang die neu formierte Mannschaft ihre ersten sportlichen Erfolge. 1976 stieg sie in die damals hessenweit zweithöchste Spielklasse, die Landesklasse Ost, auf. Zwei Jahre sollte sie sich dort mit ihren Gegnern messen. Dann kam es zum Streit. „Die Spieler forderten, wie es bei manch anderen Vereinen in dieser Spielklasse üblich war, Geld“, berichtet Schaaf. Als der Verein die Forderungen nicht erfüllen wollte, trat die gesamte erste Mannschaft zurück. Die Folge waren Abstiege bis in die Viertklassigkeit.

Eckhard Schulz, seit Mitte der siebziger Jahre im Verein und ab 1978 Abteilungsleiter, ließ sich von diesem Rückschlag aber nicht beirren. Er setzte stattdessen ab Anfang der 1980er Jahre verstärkt auf die Jugend. René Schaaf, der 1985 Mitglied bei der SG wurde, erinnert sich: „Wir haben damals mehr oder weniger alle durch Eckhard Schulz das Schachspielen erlernt.“

Schulz Weg sollte sich auszahlen. 1985 gewann die Seniorenmannschaft – gespickt mit den spielstärksten Jugendlichen – den Meistertitel und stieg wieder in die dritthöchste Spielklasse auf. 1996 folgte dann der Aufstieg in die Landesklasse Ost.

Auch im Jugendbereich stellte sich der Erfolg ein: Die U15 belegte 1994 bei der Deutschen Meisterschaft den fünften Platz, zwei Jahre später krönte sich René Schaaf in der Blitzschachvariante, bei der ein Spiel nur knapp fünf Minuten dauert, zum U17- Hessenmeister. Den größten Triumph für die Abteilung erreichte allerdings Jens Koller: Er gewann 2001 bei den U14- Junioren die Deutschen Meisterschaft und nahm anschließend an der Europameisterschaft in Griechenland teil. „Wir waren eine goldene Generation damals“, betont Schaaf. Sechs der acht Spieler aus der Zeit sind noch heute in der ersten Herrenmannschaft aktiv.

René Schaaf: „Es fehlen einfach qualitative Spieler“

Die Erfolge der goldenen Generation konnte die Abteilung allerdings nie wiederholen. „Danach ist alles wieder eingeschlafen“, sagt Schaaf. Heute stellt der Verein keine Jugendmannschaft mehr. „Es fehlen einfach qualitative Spieler“, meint Schaaf. Zudem hätten nur wenige Jugendliche Lust, sich wirklich mit dem Sport zu beschäftigen, denn dieser ist sehr zeitintensiv. Das Lesen von Fachbüchern sowie das Studieren der Gegner gehöre zu einer gewissenhaften Vorbereitung dazu, betont Schaaf. Dazu seien viele Jugendliche nicht mehr bereit. Zudem hätten viele Spieler die Möglichkeit, sich über das Internet mit anderen zu messen, Vereine seien für ein Duell nicht mehr nötig.

Auch die Corona-Pandemie hat die Abteilung getroffen. Wegen der Beschränkungen spielen die Mitglieder nun im Internet gegeneinander. Für Schaaf eine paradoxe Situation: „Eigentlich wollen wir die Jugendlichen ja weg von den Computern bringen.“

Wer Interesse hat, eine Partie gegen die Mitglieder der Abteilung zu spielen, kann sich über lichess.org an den vereinsinternen Server wenden. Eine kostenlose Registrierung auf der Plattform ist erforderlich. (Joshua Bär)

Infos auf sg-dietzenbach.de.

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