Eine schallende Ohrfeige

Gut informiert waren die Besucher des Bürgerhauses. Im Capitol verfolgten sie die Fernsehberichterstattung und die Auszählungsergebnisse.

Dietzenbach - Rund 200 Besucher sitzen im Capitol des Bürgerhauses, um die Wahlberichterstattung auf zwei Großbildleinwänden zu verfolgen. Links laufen die TV-Wahlsendungen, rechts flimmern die aktuellen Dietzenbacher Ergebnisse der drei Wahlen.

Vor allem die Bürgermeisterwahl sorgt für manche Aaaahs und Oooohs, bei der Bundestagswahl gibt es in Dietzenbach kaum Überraschungen im Vergleich zum bundesweiten Trend.

Abgesehen davon, dass die FDP in der Kreisstadt noch besser abschneidet und der SPD mächtig auf die Pelle rückt und die Linken in Dietzenbach einstellig bleiben. Die Wahlbeteiligung liegt mit 73,45 Prozent leicht über dem Bundestrend – und damit leider ebenfalls unter der letzten Bundestagswahl.

CDU: Großes Ziel erreicht

Das große Ziel, eine Mehrheit aus CDU und FDP, ist erreicht“, freut sich Helmut Butterweck, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes. „Ich hätte mir allerdings mehr Zweitstimmen für die CDU gewünscht; die gingen aber an die FDP – das war taktisch gewählt.“ Und CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Wegener, selbst Arzt, meint: „Ich hoffe, dass mit der neuen Regierung die Sozial- und Gesundheitspolitik erneuert wird; da herrschte zuletzt Stillstand.“ Als Anhänger der Volksparteien und demokratischer Werte sei er besorgt über den Niedergang der SPD: „Das finde ich bedrohlich! Für mich ist auch die Linke keine demokratische Partei.“

SPD: Eine schallende Ohrfeige

Die SPD trifft sich bezeichnenderweise im Keller des Bürgerhauses. Dort macht SPD-Chef Rainer Engelhardt keinen Hehl aus der verheerenden Wahlniederlage der Genossen: „Das ist eine schallende Ohrfeige und auch eine Katastrophe für Dietzenbach.“ Da brauche man auch gar nicht viel analysieren. Die Abwanderung der Wähler zu den Linken sei der Nährboden für Schwarz-Gelb, sagt Engelhardt. Die Bundes-SPD braucht eine Erneuerung. Ex-Stadtrat Gunther Junkert zeigt sich ob des miesen Ergebnisses nicht überrascht. „Die SPD muss die Wähler von links wieder zurückholen.“ Junkert betont, dass er auch mit der SPD-Politik auf lokaler Ebene nicht zufrieden sei: „Es gibt keinen Kontakt mehr zur Bevölkerung.

FDP: Ergebnis kann nicht überboten werden

Artus Rosenbusch, Fraktions-Chef der FDP/ÖDP-Fraktion freut sich sehr über das Abschneiden seiner Partei, das noch besser war als bei der Landtagswahl Anfang des Jahres. „Das Ergebnis kann nicht überboten werden. Es ist das beste, das die FDP je hatte.“ Ihn freue besonders, dass die schwarz-gelbe Mehrheit auch ohne Überhangmandate erreicht wurde.

GRÜNE: Bestes Ergebnis aller Zeiten

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Der Grünen-Landtagsabgeordnete Frank Kaufmann sieht die Ergebnisse der Grünen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Es ist unser bestes Ergebnis aller Zeiten, wir haben es aber nicht geschafft, unsere Position nach vorne zu verschieben.“ Schwarz-Gelb sei sehr bedauerlich, da damit der Atomausstieg wieder in weite Ferne rücke. „Die FDP ist der Gewinner der Wahl, da viele CDU-Wähler taktisch gewählt haben“, so Andrea Wacker-Hempel (Grüne).

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