Junge Kommune

Neue Zahlen - Einwohnerzahlen in Dietzenbach erstmals rückläufig

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Eine Momentaufnahme? Die Einwohnerzahl von Dietzenbach ist von 2017 auf 2018 von 34  055 auf 34 019 gesunken.

Der Stadtverordnete Jens Hinrichsen (DL/FW-UDS) ist bekannt für sein Faible für Zahlen. 

Dietzenbach – Dreimal hat er bereits für die Kreisstadt auf Basis der Daten vom Einwohnermeldeamt eine Gemeindestatistik erstellt, die er als Excel-Vergleichstabelle auch jedem Interessierten online zur Verfügung stellt.

Hinrichsens Credo: „Man muss mehr mit Fakten und Zahlen arbeiten, sonst werden nur Bauchentscheidungen getroffen. “ Eine Zahl bereitet ihm nun Kopfzerbrechen. „Erstmals sind im vergangenen Jahr die Einwohnerzahlen für Dietzenbach rückläufig“, sagt er. Von 34 055 Einwohnern (2017) ist die Zahl auf 34 019 (Stand 31. Dezember 2018) gesunken. 36 Bürger weniger. Auf den ersten Blick marginal. Der Statistiker Hinrichsen warnt jedoch: „Das mag ein ,Ausrutscher’ sein, man sollte aber mit Blick auf den viel diskutierten demografischen Wandel intensiver darüber nachdenken, welche Möglichkeiten es gibt, die aktuelle Situation richtig, das heißt handlungsorientiert beschreiben zu können und vor allem auch, wie der zu erwartende Wandel möglichst gut eingeschätzt und in seinen Chancen und Risiken gewürdigt werden kann. “ Er verweist mit Blick auf die Alterspyramide – die laut Hinrichsen manche schon als Urne oder Pilz bezeichnen – auf Auffälligkeiten: „Einige der Indikatoren bestätigen Dietzenbach als eine junge Kommune mit der anhaltenden Tendenz zu einem positiven natürlichen Saldo“ – der sich aus Geburten minus Sterbefällen bemisst. Allerdings gebe es – wie für die meisten Kommunen – ein kaum zu kalkulierendes Risiko durch den häufig mehrfach höheren Wanderungssaldo. Dieser ist in Dietzenbach überdurchschnittlich hoch. Eine Statistik der Bertelsmann-Stiftung zeigt: 2017 stehen 87,4 Zuzügen je 1000 Einwohnern 82,9 Fortzüge gegenüber. Eine hohe Fluktuation, besonders im Vergleich zu den Zahlen des Kreises Offenbach (Zuzüge: 62,6; Fortzüge: 53,1) und des Landes Hessen (Zuzüge: 41,0; Fortzüge: 32,2).

Auch weist Hinrichsen darauf hin, dass es in der Kreisstadt einen signifikanten Rückgang bei Bürgern zwischen 25 und 40 Jahren gibt. „Das wirkt sich unter anderem in der Zahl der Beschäftigten und damit der Steuereinnahmen wie auch in dem theoretisch noch höher liegenden Anteil Jugendlicher aus“, betont der Stadtverordnete. Doch keiner wisse, warum. „Da muss man weiter bohren.“ Es gebe die ewige Diskussion, ob man allein aus der Historie der spezifischen Statistik Prognosen ableiten kann. Hinrichsen sagt: „Die Alternative wäre – zumindest als Ergänzung – die Analyse und Einschätzung der wesentlichen Einflussfaktoren.“ Solche wären: verfügbarer Wohnraum, das Angebot an attraktiven Arbeitsplätzen und sozialen Einrichtungen sowie die Infrastruktur. „Menschen schauen vor dem Umzug nicht auf Statistiken“, weiß er, sieht diese aber als Chance für die Zukunft. „Es gibt mit der Bereitstellung von Übersichtsinformationen nicht nur neue Erkenntnisse, sondern es ergeben sich auch neue Fragen mit gegebenenfalls zusätzlichem Informationsbedarf.“
VON RONNY PAUL

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