Buhara Seafood ist mehr als ein Geheimtipp

Filetstück im Gewerbegebiet

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Wer auf der Suche nach einem besonderen Stück Fisch ist, ist bei Muhammet Sancak und Antonio Filomeno (von links) an der richtigen Adresse.

Dietzenbach - Ein Stückchen Meer verbirgt sich mitten im Dietzenbacher Gewerbegebiet. Die Fische von Buhara Seafood finden reißenden Absatz – nicht nur bei Kunden aus der unmittelbaren Umgebung. Von Christian Wachter 

Kaum ist das eine Gespräch beendet, klingelt das Telefon erneut. „Einen kanadischen Hummer hätte ich hier, er ist 1100 Gramm schwer, kostet gut 40 Euro.“ Es wird längst nicht das letzte Kilo Meeresgetier sein, dass Dursun Baydere, Chef im Fisch Groß- und Einzelhandel Buhara, an diesem Tag verkauft. Während er hinter der Theke steht, huscht sein Vertriebsleiter Muhammet Sancak eilig durch die Räume an der Max-Planck-Straße. Von der Fischtheke ins Lager und gleich wieder zurück, der nächste Kunde wartet schließlich schon.

Eigentlich, sagt Sancak, betreut er ja die Großkunden, die Gastronomie. „Aber heute sind Leute ausgefallen, und da bin ich gerne der Joker.“ Bei ihm kaufen sie alle ein. Griechische, italienische und Sushi-Restaurants, auch Fischhändler. „Die Quelle für Fisch ist hier“, erzählt er mit Stolz in der Stimme. Über Zwischenhändler kaufe er nicht ein, verhandle immer mit den Partnern vor Ort. Aus Dietzenbach machen sich dann täglich zehn Tonnen Fisch auf die Reise. Zehn Fahrzeuge hat der Fischhändler dafür im Einsatz, Nachschub in rauen Mengen kommt fast täglich. „Morgens ist das hier noch wie ein Lager, und nachmittags ist oft alles weg.“ Auch Fleisch, Eingelegtes und Kaffee gehören zum Sortiment.

Was denn der Skrei-Kabeljau sei, möchte eine Kundin von Sancak wissen. „Das ist der Kabeljau im besten Zustand, den gibt’s nicht immer“, wirbt er. „Ich schneide Ihnen ein Stück ab, Sie müssen mir nur sagen wie viel – so sind es ungefähr 600 Gramm“. Sancak trifft mit seinen Gewichtsprognosen meistens ins Schwarze. Manchmal, erzählt er, wetten sie auch mit den Kunden. Die bekommen dann etwas umsonst, wenn der Buhara-Verkäufer zu weit vom tatsächlichen Gewicht entfernt liegt.

Sancak macht sich zu einem kurzen Kontrollgang auf in die Kühlhäuser. „Bei der Temperatur darf man keine Fehler machen“, sagt er und öffnet eine Kiste mit riesigen Thunfischen von den Malediven – laut Sancak die besten, die man derzeit bekommen kann. „Die halten bis Ende Februar, das ist aber eigentlich nicht wichtig, bis heute Abend sind die weg.“ Der Vertriebsleiter ist an der türkischen Mittelmeerküste aufgewachsen. Fisch hat immer eine Rolle in seinem Leben gespielt. „Ich habe viel geangelt, mit Harpunen gefischt und tauche gerne.“ Die Lust hat er dabei nie verloren: „Ich esse fünfmal die Woche Fisch, will immer etwas Neues ausprobieren.“

Den nächsten Kunden kennt er wie so viele andere persönlich. Luigi betreibt ein Restaurant in Groß-Zimmern und richtet seine Speisekarte auch gerne mal nach dem Buhara-Sortiment aus, wie er erzählt. „Luigi kauft immer den besten Fisch, deshalb kommt er auch vorbei und lässt sich nicht beliefern“, sagt Sancak anerkennend. Seine Kollegen kümmern sich nebenan um die restlichen Kunden. Adem Elci muss die Frage nach Meeresschnecken verneinen: „Haben wir heute leider nicht, ich kann aber auch gleich welche bestellen, dann sind die morgen da“. Antonio Filomeno wiederum schneidet Stücke vom Lachs in Sashimi-Qualität. Der ist nicht nur in der Region gefragt, sondern wird von Sushi-Restaurants von Karlsruhe bis Siegen geordert.

Dass er häufig schon um vier Uhr aufstehen muss, ist für Muhammet Sancak kein Problem. „Ich mache es gerne, es ist ja auch wie eine Familie hier.“ Nicht im eigentlichen Sinne allerdings. „Wir sind eine Multi-Kulti-Truppe, aber jeder, der länger hier arbeitet, gehört zur Familie.“ Er ist schon wieder auf den Weg Richtung Lagerraum, hilft dem Fahrer eines Kleintransporters aus Nordrhein-Westfalen beim Einladen.

Drinnen gehen die Kunden weiter ein und aus. „Signora, den kann ich Ihnen empfehlen, Red Snapper haben wir selten“, bedient Adem Elci eine Seniorin. „Auf, Abi, jemand muss die Ware nachfüllen“, hallt es aus einer anderen Ecke des Raums herüber.

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