Elegant, unauffällig und gnadenlos

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Sechs Tempo- und sechs Rotlicht-Blitzer hat die Kreisstadt. Die Starenkästen sollen Stück für Stück durch Lasersäulen (hier die aus Offenbach) ersetzt werden.

Dietzenbach ‐ Die technische Revolution endet nicht vor den Türen der städtischen Ordnungshüter. Nachdem die Digitalkamera längst ihren Siegeszug in Büros und Privathaushalten angetreten hat, sind nun die Geschwindigkeits- und Rotlichtblitzer in der Kreisstadt an der Reihe. Von Christoph Zöllner

Ein Starenkasten nach dem anderen soll gegen eine moderne Säule getauscht werden, wie sie schon am Spessartring in Offenbach im Einsatz ist. Auch die mobile Messung erfolgt schon bald per Laser.

Der Wechsel ist nicht etwa gesetzlich vorgeschrieben, erläutert Markus Hockling, Fachbereichsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung. Vielmehr werden die Filme für die Kameras nicht mehr produziert: „Es gibt nur noch Restposten.“ Und so investiert die Stadt in diesem und im nächsten Jahr eine halbe Million Euro in die digitale Aufrüstung. Geld, das sich innerhalb weniger Jahre wieder einspielen dürfte.

Dabei ist der Kampf gegen Raser und für mehr Verkehrssicherheit nicht ganz so lukrativ, wie gemeinhin angenommen wird. Die Stadt bekommt von den Bußgeldern lediglich einen Bruchteil zu sehen. Denn sobald die Verwarnung höher als 35 Euro ausfällt – in rund drei Viertel aller Fälle – kassiert das Land Hessen. Und Rotlicht-Vergehen werden sowieso ohne Umschweife an das Regierungspräsidium Kassel weitergeleitet. Die Stadt erhält Hockling zufolge lediglich eine kleine Fallpauschale von jeweils 16 bis 18 Euro.

Zurzeit gibt es in Dietzenbach zwölf Starenkästen

Und so sei es kein Wunder, dass die Ordnungshüter die von der Politik für 2010 erwartete Summe an Buß- und Verwarngeldern deutlich verfehlen. 540.000 Euro lautete das ehrgeizige Ziel für den Topf, in den nicht nur Geld für Tempo- und Rotlichtsünden, sondern auch Falschparken und Verstöße gegen die Gefahrenabwehrverordnung wie wildes Plakatieren, Spucken und Pinkeln fließen. Wie viel die Stadt jährlich mit Blitzern nach Abzug aller Kosten einnimmt, ist im Haushalt (noch) nicht genau nachgewiesen. „Wir machen keinen Mordsgewinn“, versichert Hockling.

Zurzeit gibt es in Dietzenbach zwölf Starenkästen – sechs Rotlicht- sowie sechs Geschwindigkeitsblitzer (siehe Skizze). „Nicht alle werden ersetzt“, sagt der Fachbereichsleiter. Einige Standorte kämen auf den Prüfstand, ein bis zwei neue könnten hinzukommen, wie beispielsweise die SG-Kreuzung. Dort stünden für zwei Masten 30.000 Euro bereit.

80.000 bis 100.000 Euro fließen in die mobile Jagd auf Temposünder. Schon in den nächsten Wochen soll das zehn Jahre alte Fahrzeug der Stadt durch ein nagelneues samt Kameras, Blitz und Bedieneinheit ersetzt werden. Für eine gewisse Übergangszeit könnten laut Hockling sogar zwei mobile Einheiten in der Kreisstadt unterwegs sein. Dumm also, wer sich nach dem ersten Auto in Sicherheit wähnt, zumal das neue auch an schwer einsehbaren Stellen messen kann, die für das alte aus technischen Gründen nicht in Frage kamen.

„Die Lasermessung ist besser und genauer“, freut sich Hockling. Keine verwackelten Bilder mehr, kein gerissener Film. Die Firma Vitronic in Wiesbaden, die sich auf LIDAR-Technologie (Light Detection and Ranging) spezialisiert hat, tritt höchst selbstbewusst auf: „Falsche Messwerte kann es nicht geben“, heißt es im Verkaufsprospekt. Alle Verstöße könnten verfolgt werden. Und da das Gerät „vollautomatisch“ arbeite, seien Bedienfehler „kaum mehr möglich“.

Was bringen die neuen Blitzer?

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Ein weiterer Clou, der schon jetzt den Angstschweiß auf des Autofahrers Stirn treiben dürfte: Die Säulen, deren „elegantes und unauffälliges Design in jedes Stadt- und Landschaftsbild passt“ (Firmenprospekt), können kombiniert blitzen: also nicht nur Geschwindigkeits-, sondern auch Rotlicht-Vergehen. Wer auf die Tube drückt, um noch bei Dunkelgelb über die Kreuzung zu huschen, kann dann wegen Raserei an den Pranger gestellt werden. Es lebe die Revolution!

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